Einschätzungen für LP KI-Roboter verändern Lebensmittelindustrie

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Die Lebensmittelindustrie muss sich auf eine neue Ära der Fertigung durch humanoide KI-Roboter und einschneidende Veränderungen einstellen. Das prognostiziert Harald Müller (Foto), Geschäftsführer der Bonner Wirtschafts-Akademie (BWA), gegenüber der Lebensmittel Praxis. 

Mittwoch, 30. Juli 2025, 12:09 Uhr
Thomas Klaus
KI-Roboterwelle mit massiven Folgen: Experte Harald Müller sagt menschenleere Fabrikhallen voraus. Bildquelle: BWA

Die Bonner Wirtschafts-Akademie sagt eine tiefgreifende Veränderung der industriellen Fertigung durch den Einsatz humanoider KI-Roboter voraus. BWA-Geschäftsführer Harald Müller spricht von einer „neuen industriellen KI-Welle“, die bisherige Automatisierungskonzepte übertreffen werde. Der entscheidende Unterschied sei, dass die neue Generation der Industrieroboter dank Künstlicher Intelligenz autonom handeln könne und vielfältig einsetzbar sei. 

Harald Müller ist Beiratsmitglied der Stiftung Bildung und Beschäftigung, die sich für eine sozialverträgliche Bewältigung des wirtschaftlichen Strukturwandels einsetzt. Außerdem gehört er dem Diplomatic Council an, einem Think Tank mit Beraterstatus bei den Vereinten Nationen.

China mit hoher Automatisierung in der Lebensmittelindustrie

Müller verweist auf eine Studie der Beratungsgesellschaft Horváth. Diese prognostiziert, dass humanoide Roboter bereits bis 2030 mehr als 50 Prozent der manuellen Tätigkeiten in der Fertigung übernehmen könnten. Das gelte vor allem für Logistik, Montage und Materialhandling. 

An die Adresse der Lebensmittelindustrie appelliert Müller: „Wer KI-Robotik nicht integriert, riskiert seine Wettbewerbsfähigkeit. Die Branche sollte auf China schauen, wo der Anteil der automatisierten Verarbeitungsschritte in der Lebensmittelindustrie hoch ist.“  Hier geht die BWA von mehr als 40 Prozent mit steigender Tendenz aus.

Lebensmittelindustrie kann ihre Margen steigern

Müller: „Wir reden über humanoide KI-Roboter, die alles können, was ein Industriearbeiter kann, aber viel schwerere Lasten heben, viel schneller und dennoch präziser arbeiten, viel flexibler einsetzbar sind und keine Lohnforderungen stellen.“ Hinzu kämen vollautonome Fahrzeuge, vom Gabelstapler bis zum Lastwagen, die keine Fahrer mehr benötigten. Das Entfallen von Lohnnebenkosten sei in einer Branche mit oft geringen Margen wie der Lebensmittelindustrie sehr wichtig. 

Die BWA erwartet, dass diese Roboter in den kommenden Jahren vermehrt im industriellen Mittelstand zum Einsatz kommen. Denn die alte Form der Automatisierung sei vor allem für große Unternehmen mit entsprechenden Fertigungsvolumina geeignet gewesen. Durch Leasingmodelle würden die Roboter für den Mittelstand finanzierbar.

BWA erwartet menschenleere Produktionszonen

Diese Entwicklung könnte laut Müller zu Bereichen in Fabriken führen, in denen keine Menschen mehr arbeiten. Dort könnten Roboter zwei- bis fünfmal schneller arbeiten als es aus Sicherheitsgründen bei Anwesenheit von Menschen möglich wäre. Harald Müller schätzt, dass der Anteil solcher Zonen in den nächsten fünf Jahren auf bis zu 50 Prozent der Fertigungsfläche steigen könnte. Der BWA-Geschäftsführer spitzt zu: „Wenn die Hälfte der Produktion mit doppelter oder sogar vierfacher Geschwindigkeit läuft, befinden wir uns in einer völlig veränderten industriellen Arbeitswelt.“

Die Lebensmittelindustrie könne hier unter anderem durch weniger Kreuzkontaminationen und somit mehr Hygiene profitieren.

Sinkende Markteintrittsbarrieren für neue Wettbewerber

Für Unternehmen sieht Müller Chancen durch höhere Produktivität und niedrigere Kosten. Nach seiner Einschätzung werden sich die Robotermodelle zügig verbessern und einen rasanten Preisverfall gemessen an der Leistungsfähigkeit mit sich bringen, ähnlich wie bei Smartphones.

Gleichzeitig warnt Harald Müller vor sinkenden Markteintrittsbarrieren für neue Wettbewerber. Er erwartet das Entstehen einer neuen Generation von Industrie-Startups in den kommenden Jahren.

Politik und Gewerksychaften müssen Antworten geben

Der BWA-Chef fordert die Politik auf, sie solle Antworten auf die rechtlichen und ethischen Fragen finden, die mit dem Einsatz von KI-Robotern einhergehen. Er schlägt vor, neue Konzepte wie eine Maschinensteuer oder KI-Abgabe zu prüfen, um die Finanzierung der Sozialsysteme sicherzustellen. Angesichts der anstehenden KI-Roboterrevolution müssten ebenfalls die Gewerkschaften ihre Rolle überdenken. Die Belegschaften müssten auch mit ihrer Hilfe durch Qualifizierungsmaßnahmen auf die neue Roboterwelt eingestellt werden. 

Müller betont die Bedeutung des Themas für den Industriestandort Deutschland: „Wir müssen alles daransetzen, auf dem Gebiet der humanoiden KI-Roboter nicht wieder den Anschluss zu verpassen, weil dies den Kern unserer Industrie und damit den Herzschlag unseres Wohlstandes treffen würde.“ Die Bundesregierung müsse sich zügig mit dem Thema befassen.

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