Die Tariflöhne in Deutschland dürften im laufenden Jahr stärker steigen als die Verbraucherpreise. Nach einer Hochrechnung des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung könnte den Tarifbeschäftigten nach Abzug der Inflation ein realer Lohnzuwachs von 0,7 Prozent bleiben. Die Menschen hätten somit mehr Kaufkraft und könnten mehr konsumieren, was die Konjunktur ankurbeln würde.
Verbraucherpreise legen um 2,4 Prozent im ersten Halbjahr
Die Berechnungen berücksichtigen die Tarifeinigungen aus dem ersten Halbjahr des laufenden Jahres sowie die bereits in den Vorjahren für 2026 vereinbarten Tariferhöhungen. Auf dieser Basis steigen die Tariflöhne im laufenden Jahr nominal um durchschnittlich 3,1 Prozent. Dem steht eine durchschnittliche Steigerung der Verbraucherpreise um 2,4 Prozent im ersten Halbjahr gegenüber. Für das Gesamtjahr 2025 hatte das Tarifarchiv einen durchschnittlichen Zuwachs der Tariflöhne um 2,6 Prozent und ein reales Lohnplus von 0,4 Prozent errechnet.
Von den aktuellen Tariferhöhungen profitieren den Angaben zufolge mehr als 15 Millionen Beschäftigte. In einigen großen Branchen wie dem Einzelhandel wird noch verhandelt, in der Metall- und Elektroindustrie beginnen die Tarifverhandlungen im Herbst. In der Lebensmittelindustrie gab es bereits einige Tarifabschlüsse, etwa in der Süßwarenbranche in Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein, NRW und Hessen.
WSI-Tarifarchiv sieht Kaufkraft noch nicht gesichert
„Da nach den jetzigen Prognosen auch die Inflationsraten noch etwas höher ausfallen werden, hängt es von den noch offenen Tarifrunden ab, ob am Ende des Jahres die Kaufkraft gesichert werden kann“, sagte der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten. Der Rückgang der Reallöhne aus den Krisenjahren 2021 bis 2023 ist laut WSI bisher nicht vollständig kompensiert.
Im Juli des laufenden Jahres war die Teuerungsrate in Deutschland auf 2,8 Prozent geklettert. Nach Auslaufen des zweimonatigen Tankrabatts schlugen steigende Energiepreise wieder voll durch.