Wer in Oberaudorf im malerischen oberbayerischen Inntal unterwegs ist, blickt direkt auf das Kaisergebirge. Vor dieser imposanten Bergkulisse liegt der neue Edeka-Markt der Kaufmannsfamilie Prechtl. Die rund 5.000 Einwohner zählende Gemeinde ist eng mit der Familie verbunden – und diese Nähe war ein wichtiger Grund für den Neubau. „Der Grundstückseigentümer wollte das Grundstück verkaufen, und die Gemeinde wollte die Nahversorgung des Ortes optimieren. Dafür standen wir gerne bereit“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Simon Mareth. Als Sohn von Petra Prechtl-Mareth und Neffe von Andreas und Monika Prechtl führt er das Unternehmen in der fünften Generation.
Der Weg zum neuen Standort war jedoch nicht einfach. Bürger sammelten Unterschriften gegen das Vorhaben und setzten einen Bürgerentscheid durch. Ihre Kritik richtete sich nicht grundlegend gegen die Familie Prechtl, sondern gegen die Bebauung und die damit verbundene Flächenversiegelung. „Das hat uns Nerven gekostet. Doch zum Glück fiel das Votum des Bürgerentscheids zugunsten des Projekts aus“, sagt Simon Mareth erleichtert.
Bauherr des Marktes war die Edeka Südbayern, Familie Prechtl hat den Standort gemietet. Zeitgleich entstand neben dem Edeka eine Rossmann-Filiale. „Der Drogeriemarkt ist eine gute Ergänzung zu unserem Markt“, ist der Geschäftsführer überzeugt.
Konzept neu denken
Mit dem positiven Votum war der Weg für den fünften Prechtl-Markt frei. „Bei der Konzeption wollten wir uns vom klassischen Supermarktregal lösen und Lebensmittel stärker inszenieren. Sonst haben wir keine Chance, uns von Mitbewerbern zu differenzieren“, stand für Simon Mareth fest. Deshalb arbeitete die Geschäftsführung erstmals mit Ladenbau Schweitzer zusammen.
Das Ergebnis zeigt sich bereits im Eingangsbereich: Obst und Gemüse, die selbst betriebene Bäckerei sowie die Käse-, Fleisch- und Wursttheke wurden bewusst im ersten Drittel des Marktes platziert. Auf diesem großzügig angelegten Frischemarktplatz befinden sich auch eine offene Fischbedientheke sowie eine Sushi-Produktion. „Die Fischtheke ist hier ein wichtiges Differenzierungsmerkmal, denn im ganzen Landkreis Rosenheim gibt es höchstens drei Geschäfte mit frischem Fisch“, informiert Simon Mareth. Er sagt weiter: „Bedienung ist unsere DNA. Gleichzeitig wollen wir Bedienung und Selbstbedienung mithilfe spezieller Kühlmöbel noch flexibler nutzen können – je nach Bedarf. Zudem können Mitarbeiter die Bedientheken auch verlassen und Kunden im SB-Bereich beraten.“
Ein Gastrobereich mit heißer Theke zählt nicht zum Konzept. „In unserer Region wird noch sehr viel gekocht. Deshalb sehen wir für solche Konzepte aktuell keinen Mehrwert“, begründet er die Entscheidung.
Zum offenen Charakter des Marktes gehören großzügige Freiflächen und bewusst weitläufige Gänge. Dass dadurch weniger Artikel auf der Verkaufsfläche Platz finden, nimmt die Kaufmannsfamilie in Kauf. „Wir wollen den Kunden eine angenehme Einkaufsatmosphäre bieten. Aufbauten und enge Gänge sind dabei eher hinderlich.“
Die technische Grundlage bildet unter anderem das Waterloop-System. Dabei handelt es sich um ein Kältekonzept mit steckerfertigen Kühlmöbeln, die über einen gemeinsamen Wasserkreislauf miteinander verbunden sind. Separate Kältemittelleitungen im Markt entfallen, die Möbel benötigen lediglich einen Strom- und Wasseranschluss. „Dadurch lassen sie sich flexibel platzieren, erweitern oder umgestalten“, ist Prokurist Jochen Aumüller überzeugt.
Edeka Prechtl, Geigelsteinstraße 8, 83080 Oberaudorf
| Eröffnet | 25. Juni 2026 |
| Verkaufsfläche | 1.800 qm |
| Artikel | 16.000 |
| Regionale Lieferanten | 70 |
| Mitarbeiter (Köpfe) | 51 |
| Öffnungszeiten Mo.- Sa. | 8 bis 20 Uhr |
| Parkplätze | 160 |
| Elektro-Ladesäulen | 1 |
| Kaufkraft Ort | 111,5* |
| Durchschnittsbon | 24,03 Euro |
| Investition | 4 Mio. Euro |
| Rücknahmeautomaten | 2 |
*Kaufkraftindex 100 = 32.009 Euro im Jahr 2026; das entspricht einer durchschnittlichen Kaufkraft pro Kopf im Landkreis Rosenheim in Höhe von 35.685 Euro. Der Index gibt an, wie hoch die finanziellen Mittel der Bevölkerung sind, um Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Quelle: Michael Bauer Research basierend auf Daten des Statistischen Bundesamtes.
Regionales im Rampenlicht
Die offene Gestaltung setzt sich auch bei der Warenpräsentation fort. Neben Frische ist Regionalität das zentrale Profilierungsmerkmal. Dieses Sortiment umfasst rund 1.500 Artikel von 70 Lieferanten. Als regional bezeichnet die Familie Produzenten aus einem Umkreis von maximal 40 Kilometern. Ob regional gerösteter Kaffee, Oberaudorfer Bier sowie Gin und Honig – das regionale Angebot zieht sich durch zahlreiche Sortimente.
Ausgewählte Produkte aus der Region platziert der Markt nicht (nur) im Standardregal, sondern auf eigens eingerichteten Präsentationsflächen im Herzen des Marktes. Hochwertige Möbel sorgen für den passenden Auftritt – ganz nach dem Prinzip: Klasse statt Masse. So fallen die Produkte direkt ins Auge. Plakate mit Fotos der Produzenten schaffen zusätzlich eine emotionale Nähe. „Wir wollen mit regionalen Produkten noch mehr Genuss schaffen und ihre Wertigkeiten vermitteln. Deshalb brauchen wir coole Bilder und coole Storys“, bringt es Jochen Aumüller auf den Punkt.
Gemeinsam neue Wege gehen
Die Verbindung zu den Erzeugern zeigt sich auch in der Unterstützung neuer Ideen: Ein Landwirt kam vor einigen Jahren mit dem Vorschlag auf die Familie zu, Wassermelonen anzubauen. „Wir fanden die Idee super und wollten dem jungen Mann eine Chance geben. Deshalb haben wir ihm die Übernahme der gesamten Melonenernte garantiert“, berichtet Jochen Aumüller. Ohne diese Zusage hätte der Landwirt den Schritt vielleicht nicht gewagt. Diesen Obstbauern unterstützte die Familie auch bei der Suche nach geeigneten Anbauflächen für Äpfel und garantierte ihm ebenfalls die Abnahme der Apfelernte.
Zum hochwertigen Sortiment gehören außerdem ausgewählte Weine. Inspiriert von Weinregalen in Bordeaux ließ Prechtl neben dem begehbaren Kühlhaus ein maßgefertigtes Weinmöbel für die edlen Tropfen anfertigen. Ein digitaler Weinberater unterstützt bei der Auswahl, außerdem können die Kunden die Weine probieren. Dieses Konzept zahlt sich aus: Laut Jochen Aumüller wirkt sich die Verkostung positiv auf den Verkauf aus.
Was bei der Warenpräsentation für Inspiration sorgt, unterstützt im Hintergrund die Technik: Sie soll nicht auffallen, sondern Abläufe verbessern. Neben Kameras zur Diebstahlprävention sind rund 80 Sensoren installiert. Sie erfassen datenschutzkonform die Wege und Bewegungen der Kunden. „Diese Daten helfen uns beispielsweise bei der richtigen Platzierung der Waren“, erklärt der Prokurist. Zugleich soll dieses System zukünftig als Vorwarnsystem für die Kassen fungieren. Es soll anzeigen, wie viele Kunden sich aktuell im Markt befinden und gibt Hinweise darauf, wie viele Kassen zu besetzen sind.
Beim Check-out setzt Familie Prechtl auf ein in Deutschland noch wenig verbreitetes Hybridkonzept. „Mit unseren zwei modernen Hybridkassen können wir flexibel auf das Kundenaufkommen reagieren“, sagt Jochen Aumüller. Bei Bedarf lässt sich eine SCO-Kasse per Knopfdruck in eine Bedienkasse umwandeln.
Mit Qualität auf Wachstumskurs
Alle diese Entscheidungen schärfen ein Marktprofil, das sich bewusst vom Wettbewerb abhebt. Der Markt setzt auf Frische, Regionalität und Beratung. Das Aktionsgeschäft trägt lediglich zwölf Prozent zum Umsatz bei. Der Geschäftsführung ist bewusst, dass dabei auch die hohe Kaufkraft der Region eine Rolle spielt.
Mit einem Umsatz von 8.679 Euro je Quadratmeter Verkaufsfläche ist sie zufrieden. „Wir sehen aber noch Potenzial“, sagt der Prokurist. Und wie geht es weiter? „Mit fünf Märkten ist noch nicht Schluss!“, lacht Simon Mareth. „Entscheidend ist, dass wir gesund und nachhaltig wachsen.“
Nach welchen Kriterien haben Sie den Markt geplant?
Familie Prechtl wollte die Frischekompetenz stärker hervorheben. Dafür entstand ein eigenständiger Frischemarktplatz, der ultrafrische Sortimente räumlich bündelt und erlebbar macht. Das Sortiment blieb erhalten, wurde aber neu strukturiert und präsentiert.
Welche Herausforderungen gab es dabei?
Die erforderlichen Back-of-House- und Produktionsräume müssen ebenfalls dort liegen. Besonders bei Fleisch und Fisch sind kurze Wege und die deutschen Hygienevorgaben entscheidend.
Welche Rolle spielt hier das Waterloop-System?
Dieses Kühlsystem ermöglicht einen flexiblen Frischebereich. Kühlmöbel und Theken lassen sich ohne aufwendige Umbauten erweitern oder versetzen. So kann der Markt schneller auf Kundenbedürfnisse reagieren.