Tarifkonflikt beigelegt Bayerns Süßwarenindustrie einigt sich auf neuen Tarifvertrag

Nach Warnstreiks und einer nächtlichen Schlichtung haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft in der bayerischen Süßwarenindustrie am Wochenende auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Die Beschäftigten erhalten stufenweise Lohnerhöhungen über 24 Monate. 

Montag, 27. Juli 2026, 09:09 Uhr
Theresa Kalmer
Die deutsche Süßwarenindustrie beschäftigt rund 60.000 Menschen und erwirtschaftet nach Angaben des BDSI etwa 10 Prozent des Umsatzes der gesamten deutschen Ernährungsindustrie. Bildquelle: Manuel Glasfort

Die Süßwarenindustrie in Bayern hat nach Warnstreiks und einer Schlichtung einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen. Die Einigung sieht eine Laufzeit von 24 Monaten bis Ende April 2028 vor, wie der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) mitteilte.

Schiedsspruch ist verbindlich

Die Schlichtungsverhandlungen fanden am 24. und 25. Juli 2026 in Fürstenfeldbruck statt. Unter dem Vorsitz von Harald Wanhöfer, Präsident des Landesarbeitsgerichts München, einigten sich die Parteien nach mehr als 20 Stunden Verhandlung am frühen Morgen des 25. Juli auf einen Kompromiss. Der Schiedsspruch fiel den Angaben zufolge einstimmig aus und ist damit verbindlich.

Die Beschäftigten erhalten laut der Mitteilung eine Entgelterhöhung von 2,9 Prozent zum 1. Juni 2026, eine weitere Erhöhung um 0,3 Prozent zum 1. November 2026 sowie erneut 2,9 Prozent zum 1. Juni 2027. Der Mai 2026 bleibt als sogenannter Leermonat ohne Erhöhung. Zusätzlich sollen die Beschäftigten im August 2026 und im Mai 2027 jeweils eine Erholungsbeihilfe von 80 Euro erhalten, Teilzeitbeschäftigte anteilig. Auszubildende erhalten die prozentualen Erhöhungen in gleicher Höhe und die Erholungsbeihilfen jeweils zur Hälfte.

Gewerkschaft NGG hatte deutlich mehr gefordert

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hatte ursprünglich deutlich mehr gefordert: eine Laufzeit von nur zwölf Monaten, eine Entgelterhöhung von 5,8 Prozent – mindestens aber 230 Euro – sowie höhere Ausbildungsvergütungen und die Übernahme von Fahrtkosten zur Berufsschule. Drei Verhandlungsrunden im April, Mai und Juli blieben ohne Ergebnis. Nach dem 18. Mai 2026 hatte die Gewerkschaft in mehreren Unternehmen der bayerischen Süßwarenindustrie Warnstreiks organisiert. Die Arbeitgeberseite stimmte dem Schlichtungsergebnis nach eigenen Angaben auch zu, „um eine ansonsten unvermeidliche Ausweitung des Tarifstreits in Bayern mit weiteren dann auch längerdauernden Streiks“ zu vermeiden.

Der BDSI vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von mehr als 200 überwiegend mittelständischen Süßwarenunternehmen in Deutschland. Die Branche beschäftigt demnach rund 60.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet etwa zehn Prozent des Umsatzes der deutschen Ernährungsindustrie.

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