Alexander Otto unterbricht das Gespräch, bückt sich, hebt ein kleines Salatblatt vom Boden auf und lacht: „Helle Bodenfliesen verzeihen nichts.“ Sechs Wochen nach der Eröffnung seines neuen Edeka-Marktes in Bad Oeynhausen kennt der Kaufmann die Vorzüge und Herausforderungen seines Marktkonzeptes bereits genau.
Der Markt zählt laut Edeka zu den modernsten Lebensmittelgeschäften der Region. Holzbauweise, Photovoltaikanlage, Dachbegrünung, Schnellladestationen, Betonkernaktivierung und energieeffiziente Kühlmöbel mit Glastüren prägen das nachhaltige Konzept. Ausgerechnet die Technik ist nicht immer Ottos bester Freund. „Wir haben große Probleme mit dem Internet“, sagt er. Zwar liegt Glasfaser vor dem Gebäude, angeschlossen ist der Markt beim Besuch aber noch nicht. Stattdessen hält eine Konstruktion aus drei zusammengeschalteten LTE-Leitungen den Betrieb am Laufen. Kurz nach der Eröffnung fiel einer der Anbieter aus – Easy Shopper, Scan & Go und Kartenzahlung standen zeitweise still. „Da ging nichts mehr“, erinnert sich Otto. Viele Kunden reagierten verständnisvoll, manche weniger. Doch von Kollegen weiß er: Es dauere ungefähr ein Jahr, bis ein neuer Markt richtig eingespielt ist.
Linksläufer mit Weitblick
Alexander Otto konzipierte den Markt als offenen Linksläufer. Kunden gelangen ohne Drehkreuze oder Eingangsflügel direkt auf den „Marktplatz“ – die Obst- und Gemüseabteilung. Sie soll bereits beim Betreten des Marktes Frische vermitteln. Helle Wände und helle Bodenfliesen verstärken diesen Effekt. Alles wirkt freundlich, offen und hell. Nicht nur die Gestaltung, sondern auch das Sortiment spiegelt die Philosophie des Edekaners wider. Linker Hand des Marktplatzes stehen geschlossene Kühlmöbel mit frischen Convenience-Produkten. Auffällig ist der hohe Anteil vegetarischer und veganer Artikel. Dahinter steckt auch ein persönlicher Einfluss: Ehefrau Michelle Otto ist Vegetarierin und brachte ihre Perspektive in die Sortimentsplanung ein. „Eine Salatbar wird es bei mir aber nicht geben“, sagt der Kaufmann entschieden. „Sie macht nur Sinn, wenn ein Mitarbeiter immer einen Blick darauf hat.“
Käsewelt wirkt großzügig
Nach Obst und Gemüse setzt die Käsebedientheke den nächsten Akzent. U-förmig ragt sie in die Verkaufsfläche hinein. Hier bleibt Alexander Otto stehen und erläutert: „Käse passt für uns zu Obst und Gemüse viel besser als zu Fleisch und Wurst. Hinzu kommt: Die Käseabteilung unterbricht den Kundenlauf bewusst. Hier wollen wir die Kunden weiter in der Frischewelt eintauchen lassen.“
Seitlich der Theke befinden sich SB- und Prepack-Produkte, an der Stirnseite zieht die Bedientheke mit einem Rondell, gefüllt mit hausgemachten Frischkäsesorten und Antipasti, die Blicke auf sich. „Diese Konstruktion lässt die gesamte Käsetheke größer und kompetenter erscheinen“, ist Alexander Otto überzeugt. Gleichzeitig schafft sie zusätzliche Verkaufsmöglichkeiten. Mitarbeiter können Kunden an der Bedientheke auch auf passende Prepack-Produkte aufmerksam machen. Die Idee stammt aus den Niederlanden. Otto und sein Team besichtigten dort bei einer Trendscout-Fahrt mehrere Märkte.
Edeka Otto, Detmolder Straße 71, 32545 Bad Oeynhausen
| Eröffnet | April 2026 |
| Verkaufsfläche | 1.850 qm |
| Artikel | 20.000 |
| Lokale Produkte | 20 |
| Mitarbeiter (Köpfe) | 50 |
| Öffnungszeiten Mo.- Sa. | 7 bis 21 Uhr |
| Parkplätze | 120 |
| Elektro-Ladesäulen | 4 |
| Kaufkraft Ort | 100,2* |
| Durchschnittsbon | 22 Euro |
| Investition | 3 Mio. Euro für den Neubau |
| Rücknahmeautomaten | 2 |
*Kaufkraftindex 100 = 30.555 Euro; Das entspricht einer durchschnittlichen Kaufkraft pro Kopf in Bad Oeynhausen in Höhe von 31.035 Euro. Der Index gibt an, wie hoch die finanziellen Mittel der
Bevölkerung sind, um Güter und Dienstleistungen zu erwerben. Quelle: Michael Bauer Research 2026 basierend auf Daten des Statistischen Bundesamtes
Ein neuer Touchpoint
Selbst bei diesem Konzept denkt er weiter: Künftig sollen die Käsewelt sowie die Fleisch- und Wursttheke noch digitaler werden. Er plant ein Bestellterminal, über das Kunden ihre Waren an der Bedientheke vorbestellen können. Während die Kunden weiter einkaufen, stellen die Mitarbeiter die Ware zusammen, am Ende des Einkaufs holen die Kunden sie ab.
Auf eine Fischtheke hat Otto bisher verzichtet. „Wenn ich Fisch mache, dann richtig“, ist er überzeugt. Derzeit schwankt er zwischen einem Fischwagen, der tageweise vor dem Markt Fisch verkauft, und einer mobilen Theke, die an drei Tagen in der Woche frischen Fisch anbietet. Ein SB-Angebot für Fischliebhaber gibt es heute schon.
Während des Rundgangs fällt ein Begriff immer wieder: Heimatliebe. Schon über dem Eingang des Marktes begrüßt der große Schriftzug die Kunden. Im Markt erinnern großformatige Fotos an den Kurort Bad Oeynhausen. Lokalität spielt auch im Sortiment eine zentrale Rolle, etwa Kaffee vom Rösthaus und Gemüse vom Marktgarten Lohe aus Bad Oeynhausen oder Mehle von der Porta Mühle.
Für Otto geht Regionalität jedoch über Herkunftshinweise am Regal hinaus: „Wir fragen unsere Partner: Was braucht ihr, um eure Produkte erfolgreicher zu vermarkten? Dann setzen wir das gemeinsam um. Davon profitieren beide Seiten.“
Heimatliebe zeigt sich auch im Engagement für die Fußballvereine TuS Bad Oeynhausen und TuS Lohe. Fotos der jungen Kicker über den Regalen und an den Gondelköpfen, Sticker zum Sammeln und ein Buch zum Einkleben sowie eine Vereinsbratwurst, die Otto eigens auflegen ließ, schaffen zusätzliche Aufmerksamkeit. Von jedem Fünferpack fließen 50 Cent direkt an die Vereine.
Zum Konzept gehört außerdem die selbst betriebene Bäckerei Heimatliebe mit Café für 30 Gäste im Innen- und 24 Plätzen im Außenbereich. „Der Gastro-Bereich ist Neuland für uns, deshalb haben wir Schulungen besucht“, erklärt er. Neben Frühstück und warmen Speisen möchte er das Angebot künftig schrittweise erweitern. „Aber eins nach dem anderen“, sagt er.
Dieses Vorgehen prägt viele Entscheidungen im neuen Markt. Nicht jede Idee setzt Otto sofort um. Wichtiger ist es ihm, Erfahrungen zu sammeln und Konzepte weiterzuentwickeln. Bereits in der Planungsphase berücksichtigte er die Wünsche potenzieller Kunden, suchte frühzeitig den Austausch mit den Bewohnern des benachbarten Seniorenzentrums und fragte sie: „Wollt ihr eine Sitzbank im Markt?“ Die Senioren lehnten dankend ab. Ohne Armlehnen sei das Aufstehen zu beschwerlich. Also verzichtete Otto darauf.
Wichtiger war den Senioren eine Kasse, an der es weniger hektisch zugeht. So entstand die Idee für eine zusätzliche Plauderkasse. Kunden mit Zeit sollen hier bewusst entschleunigt einkaufen und Raum für Gespräche finden.
Die Praxis zeigte jedoch ein anderes Bild. „Als Plauderkasse nehmen die Kunden diese Kasse kaum an“, so die Erfahrung des Edekaners. Deshalb will Alexander Otto den Bereich bald umbauen: „Künftig wollen wir dort eine Lotto-Annahmestelle und ein Sortiment für hochwertige Spirituosen anbieten.“ Dafür konnte er den Betreiber einer bestehenden Lotto-Annahmestelle gewinnen, der seinen bisherigen Standort aufgibt und in den Markt einzieht. „Er bringt seine Stammkunden mit, und wir gewinnen zusätzliche Kunden im Markt.“
Den Teamgeist aufbauen
Die ersten Wochen haben gezeigt, dass manche Konzepte sofort greifen, während er andere noch nachjustieren muss. Diese Erkenntnis gilt nicht nur für Kundenangebote. Auch hinter den Kulissen ist noch einiges im Aufbau. Otto stellte das gesamte Team neu zusammen. Viele Mitarbeiter sind Quereinsteiger. Gefunden hat er sie fast ausschließlich über Social Media. Schon während der Bauphase veröffentlichte Otto regelmäßig Videos und warb um Bewerber. Zusätzlich verloste er unter den ersten Interessenten Geldpreise von bis zu 3.000 Euro.
Die Strategie ging auf. Personalmangel ist derzeit nicht das Problem. Schwieriger ist es, aus vielen Einzelnen ein Team zu formen. Ein Coach unterstützt die Mitarbeiter bei Kommunikation und Zusammenarbeit. Denn wie im gesamten Markt gilt auch hier: Entwicklung braucht Zeit.

Welche Herausforderungen gab es bei der Käsewelt?
Da wir das Käsekühlhaus im vorderen Marktbereich integrieren mussten, ragt die Käsetheke weiter in den Markt hinein. Dadurch bestand die Gefahr, dass sie wie ein massiver Block wirkt und die Obst- und Gemüseabteilung optisch abkoppelt.
Wie haben Sie das verhindert?
Wir haben die Theken bewusst niedrig gehalten. So können die Kunden bis in den hinteren Marktbereich blicken.
Was bedeutet dieses Konzept für das Theken-Team?
Im Kundenlauf bewegen sich die Kunden direkt auf die Mitarbeiterin an der Käsetheke zu. Sie übernimmt damit die Rolle eines „Stoppers“ und ersten Ansprechpartners. Dafür ist es wichtig, dass sie eine hohe Affinität zu Käse, Obst und Gemüse mitbringt und die Kunden gerne aktiv anspricht.
