Das Startup Regioshopper will die wirtschaftliche, regionale Vermarktung ökologischer Lebensmittel verbessern. Der besondere Fokus des Sortiments liegt daher auf Produkten aus einem Umkreis von 50 Kilometern. Gleichzeitig bietet Regioshopper nach eigener Darstellung für Bio-Landwirte eine Alternative zu großen Handelsketten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert das junge Unternehmen mit 125.000 Euro.
Perspektivisch bundesweit unabhängige Geschäfte geplant
Mitgründer und Geschäftsführer Hauke Rehme-Schlüter hat einen landwirtschaftlichen Hintergrund und erprobt seit Mai 2025 erstmals einen Supermarkt nach dem Regioshopper-Prinzip in Osnabrück. „Kunden können nach einer schnellen Registrierung in einer App rund um die Uhr regional produzierte Bio-Lebensmittel einkaufen. Auch der Bezahlvorgang ist digital“, so Rehme-Schlüter. Im Hintergrund laufe der Markt mit einer eigenen, intelligenten Logistik-Software, die mithilfe der DBU-Förderung weiterentwickelt und professionalisiert wird.
Perspektivisch will Regioshopper auf Basis dieser Blaupause durch Vermietung des digitalen Systems und der Vergabe von Lizenzen bundesweit unabhängige Geschäfte für regionale Bio-Lebensmitteln aufbauen. Der Ladenbetrieb funktioniere laut Rehme-Schlüter statt mit branchenüblichen sechs Vollzeitkräften lediglich mit ein bis zwei Vollzeitkräften. „Das senkt Kosten und sorgt für Konkurrenzfähigkeit gegenüber großen Handelsketten. Die regionalen Bauern erhalten außerdem einen größeren Umsatzanteil“, so der Mitgründer.
Bereits mehr als 3.000 Kunden
Diebstahlschutz sei durch namentliche Registrierung sowie im Geschäft installierte Kameras gewährleistet. Rehme-Schlüter: „Mit unserer Osnabrücker Filiale Farmely arbeiten inzwischen mehr als 30 landwirtschaftliche Betriebe aus einem Umkreis von höchstens 50 Kilometern zusammen. Bereits mehr als 3.000 Kunden können aus rund 2.000 Produkten wählen.“ Das System werde zudem seit Kurzem bereits für erste kleine Hofläden direkt bei den Betrieben ausprobiert und auch hier bedarfsgerecht schrittweise optimiert.
Ökologisch angebaute Lebensmittel haben laut DBU-Generalsekretär Alexander Bonde zahlreiche positive Effekte unter anderem auf Natur, Artenvielfalt und Grundwasserqualität. „Viele häufig mittelständische Landwirtschaftsbetriebe stellt die Umstellung auf Ökolandbau vor finanzielle Herausforderungen. Innovative Lösungen können Bio-Ackerbau wirtschaftlicher machen“, so Bonde.
Umfangreiche Unterstützung für künftige Marktleiter
Das Osnabrücker Startup Regioshopper unterstütze durch verlässliche Abnahme der regionalen Lebensmittel diesen Prozess hin zum nachhaltigeren Wirtschaften im lokalen Agrarwesen. Rehme-Schlüter: „Per Franchise oder Vergabe von Lizenzen wollen wir Selbstbedienungsläden für viele verschiedene ökologische Produkte aus den jeweiligen Regionen bundesweit etablieren.“ Abläufe zwischen Betrieben sowie Logistik und Verkauf würden per Software kostengünstig und nachhaltig koordiniert. „Wir bauen mit lokalen Fachleuten unabhängige Geschäfte auf, inklusive Zugang zur Technik, Ladenkonzepten und Expertise“, erklärt Rehme-Schlüter.
Regioshopper bietet dem Gründerteam zufolge umfangreiche Unterstützung für künftige Marktleiter: „Einer oder mehrere landwirtschaftliche Betriebe können einen zentralen Farmely-Markt in der eigenen Gegend eröffnen. Dabei helfen wir bei der Einrichtung des Geschäfts und dem Aufbau der Lieferketten.“
Künstliche Intelligenz in intensivem Einsatz
Durch Künstliche Intelligenz (KI) unterstützte präzise Bedarfsprognosen und gebündelte Logistik vermeiden Rehme-Schlüter zufolge unnötige Transportfahrten. Ein digitalisierter Anlieferprozess solle falsche und zu lange Lagerung verhindern und so Lebensmittelverluste verringern. „Dies reduziert klimaschädliche Emissionen und senkt Kosten.“ Die Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben stärkt nach den Worten des Regioshopper-Gründers kurze Lieferketten. Die Regioshopper-Software soll den Betrieben zudem Verwaltungsaufwand abnehmen – laut Rehme-Schlüter ein weiterer finanzieller und zeitlicher Vorteil. „Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit dürfen kein Widerspruch sein.“
Das System gebe es seit Kurzem ebenfalls für kleine Hofläden direkt bei den Betrieben. Auch existiert nach Rehme-Schlüters Worten eine fachliche Zusammenarbeit sowie eine Vernetzung vor Ort mit Regionalwert Bremen & Weser-Ems, die auch Bildungsprojekte rund um das Thema nachhaltige Landwirtschaft entwickeln.
Ergänzender Aufbau von Bildungsangeboten
DBU-Referatsleiterin Verena Exner sieht in dem Startup ein wirtschaftlich tragfähiges, lizenzfähiges Konzept, das für Bio-Waren begeistern kann und gleichzeitig die Regionalentwicklung stärkt. Öffnungszeiten rund um die Uhr, transparente Informationen über die Waren-Herkunft und konkurrenzfähige Preise machen den Zugang zu ökologischer Landwirtschaft laut Exner „niedrigschwellig und praktisch“. „Mit dieser Digitalisierung kann man regionale Öko-Waren für neue Zielgruppen attraktiver machen.“ Der ergänzende Aufbau von Bildungsangeboten zusammen mit den landwirtschaftlichen Betrieben sowie Netzwerkarbeit würden zusätzlich zur Stärkung des Bewusstseins über die Vorteile regionaler Bio-Landwirtschaft führen.