Lebensmittelpreise Schwache Ernte treibt Preise für Kartoffeln, Äpfel und Gurken

Hitze und Trockenheit haben die Ernte in Deutschland schrumpfen lassen.  Bauernpräsident Joachim Rukwied spricht von Missernten bei einzelnen Kulturen. Marktexperten erwarten steigende Preise bei Obst und Gemüse, sehen die Versorgung aber gesichert. 

Montag, 24. August 2026, 09:37 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Wie stark die Preise steigen, hängt neben der Ernte auch von weiteren Faktoren wie Aktionen, Eigenmarken und der Nachfrage ab. Bildquelle: Getty Images

Die diesjährige Ernte in Deutschland fällt nach Angaben des Deutschen Bauernverbands enttäuschend aus – doch leere Regale in den Supermärkten drohen nach Einschätzung von Marktexperten nicht. Allerdings müssen sich Verbraucher bei einigen Produkten auf höhere Preise einstellen.

Probleme auch beim Tierfutter

Wochenlange Hitze und ausbleibender Regen haben die Ernteerträge vor allem in Süd- und Westdeutschland schrumpfen lassen. Bauernpräsident Joachim Rukwied sprach laut einer Mitteilung des Verbands von „schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen“. Betroffen seien unter anderem Winterweizen als wichtigste Getreideart sowie Winterraps, bei dem zusätzlich Schädlingsbefall die Erträge minderte. Bei Kartoffeln zeichne sich ein mittleres bis unterdurchschnittliches Ergebnis ab. Selbst auf künstlich bewässerten Flächen seien kaum durchschnittliche Erträge zu erwarten. Auch beim Tierfutter gebe es Probleme, da auf trockenen Wiesen nach dem ersten Mähen kein Gras mehr nachwachse.

Bei Brot und Backwaren keine Preissprünge erwartet

Trotz dieser Bilanz sieht Judith Dittrich, Marktanalystin bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, die Versorgung gesichert. „Der Markt wird versorgt“, sagte sie. Gleichzeitig rechnet sie damit, dass einzelne Produkte teurer werden. Salatgurken etwa hätten sich zuletzt bereits deutlich verteuert. Auch die Apfelernte falle kleiner aus als im erfolgreichen Vorjahr 2025 – der zu erwartende Preisanstieg werde sich hier aber erst mit Verzögerung zeigen, weil zunächst große Lagerbestände abverkauft würden. Bei Kartoffeln sei der Preisanstieg dagegen schon jetzt sichtbar. Für Brot und Backwaren erwartet Dittrich hingegen keine größeren Preiserhöhungen durch die geringeren Getreidemengen, da zwischen Ernte und Verkauf viele Verarbeitungsschritte lägen und etwa die Energiekosten eine wichtige Rolle spielten.

Nielsen IQ sieht Nahrungsmittelpreise insgesamt leicht unter Vorjahr

Barbara Kopske vom Marktforscher Nielsen IQ verwies darauf, dass neben den Erntemengen viele weitere Faktoren die Nahrungsmittelpreise beeinflussten. Die Preise für Tiefkühlkost seien zuletzt bereits gestiegen, geringere Erntemengen könnten diese Entwicklung verstärken. Bei Molkereiprodukten seien die Preise dagegen gesunken. „In der Summe liegen die Preise für Nahrungsmittel derzeit leicht unter dem Vorjahresniveau“, sagte Kopske. Dazu trügen unter anderem der hohe Anteil von Sonderaktionen, die verstärkte Nachfrage nach günstigeren Eigenmarken und die anhaltend große Bedeutung der Discounter bei. Die Verbraucher verglichen die Preise am Regal weiterhin sehr genau.

Insgesamt sind Nahrungsmittel in den vergangenen Jahren bereits erheblich teurer geworden. Zwischen Juli 2021 und Juli 2026 stiegen die Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke nach Angaben des Statistischen Bundesamts um 32,6 Prozent – und damit deutlich stärker als die allgemeine Teuerungsrate von 21,5 Prozent im selben Zeitraum.

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