Der Lebensmitteleinzelhandel braucht qualifizierte Nachwuchskräfte – doch die Ausbildung zum Kaufmann beziehungsweise zur Kauffrau im Einzelhandel steht unter Druck. Der DGB-Ausbildungsreport 2026 zeigt: Die Zufriedenheit in diesem Beruf liegt mit 57,1 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt aller untersuchten Ausbildungsberufe von 65,7 Prozent.
Besonders kritisch ist die Belastungssituation. 26,9 Prozent der angehenden Einzelhandelskaufleute fühlen sich durch mehr als zwei Faktoren am Ausbildungsplatz stark belastet. Damit gehört der Beruf zu den stärker belasteten Ausbildungsberufen. Leistungs- und Zeitdruck, Personalmangel sowie hohe Verantwortung sind laut Report zentrale Treiber. Im filialisierten Handel treffen diese Faktoren häufig auf einen Alltag mit Kundenfrequenz, Warenverräumung, Kasse, Aktionsgeschäft und wechselnden Arbeitszeiten.
Auch die Erholung kommt zu kurz: 40,3 Prozent der Auszubildenden im Einzelhandel berichten, immer oder häufig Probleme zu haben, nach der Arbeit abzuschalten. Zudem arbeiten 8,9 Prozent an mehr als fünf Tagen pro Woche im Betrieb. Für die Ausbildung ist das aus Sicht des DGB ein Warnsignal. Denn wer dauerhaft erschöpft ist, kann Lerninhalte schlechter aufnehmen, bereitet sich schwieriger auf die Berufsschule vor und verliert eher die Bindung an Betrieb und Beruf.

Im Jahr 2025 haben 461.900 Menschen eine duale Berufsausbildung begonnen. Die beliebtesten Ausbildungsberufe bei den Männern waren über die Staatsangehörigkeiten hinweg: Kraftfahrzeugmechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Elektroniker. Bei den Frauen sah die Reihenfolge, alle Staatsangehörigkeiten betrachtet, so aus: medizinische Fachangestellte, Kauffrau für Büromanagement und zahnmedizinische Fachangestellte.
Industriemechaniker und Verwaltungsfachangestellte an der Spitze
Im Vergleich der 25 meistbesetzten dualen Ausbildungsberufe landet Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel im unteren Bereich der Gesamtbewertung auf Rang 19. Noch schlechter schneiden Verkäuferinnen und Verkäufer ab, die direkt dahinter liegen. Zu den Schlusslichtern zählen Köche, Hotelfachleute, Zahnmedizinische Fachangestellte und Friseure. An der Spitze stehen dagegen Industriemechaniker, Mechatroniker sowie Verwaltungsfachangestellte. Die Unterschiede zeigen: Ausbildungsqualität ist stark von Beruf und Branche abhängig – und damit gestaltbar.
Der Report macht deutlich, dass Ausbildungsqualität und psychische Belastung eng zusammenhängen. Gute Anleitung wirkt dabei wie ein Schutzfaktor. Auszubildende benötigen präsente Ausbilderinnen und Ausbilder, klare Ausbildungspläne sowie ausreichend Zeit für Erklärungen und Feedback. Gerade im Einzelhandel darf die Ausbildung nicht auf die kurzfristige Besetzung operativer Lücken reduziert werden. Der Beruf vermittelt weit mehr als Verkauf: Sortiments- und Warenwirtschaft, Kundenkommunikation, Beschaffung, Kennzahlensteuerung und die Gestaltung von Verkaufsprozessen gehören dazu.
Für Handelsunternehmen ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: Ausbildung muss als Investition in die eigene Fachkräftesicherung organisiert werden. Verbindliche Lernphasen, planbare Dienstpläne, eine saubere Anrechnung der Berufsschulzeit und feste Ansprechpartner im Markt schaffen Verlässlichkeit. Ebenso wichtig sind regelmäßige Gespräche über Belastungen – bevor Frust, Fehlzeiten oder Abbruchgedanken entstehen.