Bundeskartellamt zieht Bilanz Wettbewerbshüter mahnt sorgfältige Fusionskontrolle bei Tegut an

Das Bundeskartellamt untersucht die Übernahme umfangreicher Tegut-Filialpakete durch Edeka und Rewe. Die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel erfordere eine besonders sorgfältige Prüfung, betonte Behördenchef Andreas Mundt bei der Vorstellung des Jahresberichts 2025/26 mit. Parallel laufen Missbrauchsverfahren gegen Coca-Cola und Edeka wegen möglicher wettbewerbswidriger Praktiken.

Dienstag, 30. Juni 2026, 12:07 Uhr
Manuel Glasfort
Hier sitzen die Wettbewerbshüter: das Bundeskartellamt in Bonn. Bildquelle: Bundeskartellamt

Das Bundeskartellamt prüft derzeit die Übernahme umfangreicher Filialpakete der insolventen Tegut-Kette durch Edeka und Rewe. Die Behörde untersucht die Auswirkungen auf die Absatzmärkte des Lebensmitteleinzelhandels sowie auf die Beschaffungsmärkte, wie Behördenpräsident Andreas Mundt bei der Vorstellung des Jahresberichts 2025/26 mitteilte. Die Übernahme von 36 Tegut-Standorten durch Tante Enso hat das Bundeskartellamt bereits freigegeben.

„Der Lebensmitteleinzelhandel ist eine stark konzentrierte Branche. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Fusionskontrolle“, zitierte die Behörde Mundt in der Mitteilung. Rund 85 Prozent des Umsatzes im Lebensmitteleinzelhandel entfallen laut Kartellamt auf die großen Vier: Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland. Die Übernahme von Tegut-Standorten durch Tante Enso stärke einen kleineren Wettbewerber und könne zugleich die Nahversorgung in den betroffenen Regionen sichern. Bei den Vorhaben von Edeka und Rewe prüfe die Behörde sehr genau, welche Auswirkungen sie auf Verbraucher, Wettbewerber und Lieferanten hätten.

Die Behörde führt zudem Missbrauchsverfahren gegen Coca-Cola sowie gegen die Edeka-Gruppe wegen möglicher wettbewerbswidriger Rabatt- und Konditionenpraktiken. Im Jahr 2025 prüfte das Bundeskartellamt 876 Zusammenschlussvorhaben. Die Übernahme mehrerer Schlachthöfe von Vion durch die Tönnies-Gruppe untersagte die Behörde wegen erheblicher Wettbewerbsbedenken. Die Molkerei Meggle erhielt dagegen im Oktober 2025 grünes Licht, die Ostsee-Molkerei Wismar und Rücker vollständig zu übernehmen. Die Premium Food Group, ehemals Tönnies, durfte den Wursthersteller The Family Butchers schlucken.

Bundeskartellamt ermittelt gegen Raffineriebetreiber wegen Kraftstoffpreisen

Das Bundeskartellamt hat zudem Ermittlungen gegen die Eigner aller deutschen Raffinerien wegen möglicherweise überhöhter Kraftstoffpreise eingeleitet. Die Behörde prüft, ob die Unternehmen ihre Kosten in unangemessener Weise überschreiten. Nach Beginn der Iran-Krise waren die Kraftstoffpreise erheblich gestiegen. Die Raffinerien müssen ihre Kostenstrukturen offenlegen und nachweisen, dass ihre Preise gerechtfertigt sind.

Die befristete Steuersenkung auf Kraftstoffe, der sogenannte Tankrabatt, läuft Ende Juni aus. Mundt kündigte an, die Preisentwicklung sehr genau zu beobachten. Unternehmen dürften die Situation nicht nutzen, um Preiserhöhungen vorzunehmen, die sich sachlich nicht rechtfertigen ließen.

18 Millionen Euro an Bußgeldern eingenommen

Im Jahr 2025 hat das Bundeskartellamt rund 18 Millionen Euro an Bußgeldern aus vergangenen Verfahren vereinnahmt. Es gingen 815 Hinweise auf mögliche Kartellrechtsverstöße ein. Im Vorjahr 2024 hatte die Bonner Behörde noch 53,7 Millionen Euro an Bußgeldern inklusive Zinsen eingenommen. Die Behörde selbst hatte im vergangenen Jahr ein Budget von rund 60,2 Millionen Euro bei rund 480 Mitarbeitern. 

In laufenden Verfahren verhängte das Kartellamt im Jahr 2025 rund zehn Millionen Euro Bußgelder gegen sechs Unternehmen und drei natürliche Personen. Im Vorjahr waren es 26 Millionen Euro Bußgelder gegen sechs Unternehmen und eine natürliche Person gewesen.

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