Kartellamt legt Veto ein Tönnies darf Vion-Schlachthöfe nicht übernehmen

Das Bundeskartellamt untersagt Tönnies die Übernahme von drei Vion-Schlachthöfen in Süddeutschland. Die Wettbewerbshüter befürchten eine zu starke Marktposition des Fleischkonzerns. Tönnies hätte in einigen Regionen Marktanteile von über 40 Prozent erreicht.

Donnerstag, 12. Juni 2025, 12:05 Uhr
Manuel Glasfort (mit dpa)
Mehrere Vion-Standorte in Süddeutschland sollten an Tönnies gehen. Das Bundeskartellamt schiebt dem Deal nun einen Riegel vor. Bildquelle: Vion Food Group

Das Bundeskartellamt hat die geplante Übernahme mehrerer Vion-Schlachthöfe durch Tönnies untersagt. Die Wettbewerbshüter stoppten den Kauf der Standorte in Buchloe, Crailsheim und Waldkraiburg, wie die Behörde mitteilte.

Tönnies hätte auch bei Rindern Führungsposition erlangt

„Die Übernahme der Vion-Standorte hätte die Marktposition von Tönnies zum Nachteil der Landwirtinnen und Landwirte und der verbleibenden kleineren Wettbewerber in den betroffenen Regionen bedenklich verstärkt“, begründete Kartellamtspräsident Andreas Mundt die Entscheidung. Tönnies hätte neben seiner bereits dominierenden Position bei der Schlachtung und Verarbeitung von Schweinen auch bei Rindern eine Führungsposition erlangt. 

Tönnies reagierte enttäuscht auf die Entscheidung. „Diese Entscheidung ist ein harter Schlag für die Landwirtinnen und Landwirte in Süddeutschland, die seit Monaten auf eine klare Zukunftsentscheidung gehofft haben“, hieß es in einer Stellungnahme. Man prüfe nun die Begründung der Behörde und werde dann über mögliche Rechtsbehelfe entscheiden.

Der niederländische Fleischkonzern Vion hatte 2024 angekündigt, sich weitgehend aus Deutschland zurückzuziehen und seine Standorte zu verkaufen. Vion erzielte 2023 einen Umsatz von 5,1 Milliarden Euro. Tönnies beschäftigt mehr als 20.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Jahr 2023 einen weltweiten Umsatz von 7,8 Milliarden Euro.

Vion reagierte gelassen auf die Entscheidung des Bundeskartellamts, die man zur Kenntnis nehme. In einem Statement des Unternehmens heißt es, der Beschluss habe keine unmittelbaren Auswirkungen auf Vions Tagesgeschäft. Tjarda Klimp, CEO der Vion Food Group, ließ sich mit den Worten zitieren: „Auch wenn das Ergebnis anders ausgefallen ist als geplant, bin ich voll und ganz davon überzeugt, dass wir unsere Märkte bedienen können, während wir die Bewertung des Bundeskartellamts analysieren und die besten nächsten Schritte festlegen.“

Tönnies-Marktanteil wäre auf über 40 Prozent gestiegen

Nach der Übernahme hätte Tönnies in den Einzugsgebieten der Schlachthöfe Buchloe, Waldkraiburg und Kempten nach Angaben des Kartellamtes Marktanteile von deutlich über 40 Prozent erreicht. Die verbleibenden Wettbewerber wären deutlich kleiner gewesen. Auch bei der Vermarktung von Schweinen und Schweinefleisch hätte Tönnies seine Marktführerschaft in Deutschland weiter ausgebaut.

Tönnies hatte Ende April noch Zugeständnisse angeboten und die Veräußerung sowie Verpachtung von Standorten vorgeschlagen. Diese Zusagen reichten dem Kartellamt jedoch nicht aus. Der Beschluss ist noch nicht bestandskräftig. Tönnies kann Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf einreichen.

Marktverschiebungen durch Vion-Rückzug

Nach Angaben der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) führt der Rückzug von Vion zu Verschiebungen auf dem deutschen Markt. Der Abstand der beiden größten Schlachter auf die Wettbewerber wachse dadurch deutlich. Die Premium Food Group und Westfleisch kommen laut ISN zusammen auf einen Marktanteil von rund 45,1 Prozent. 

Deutschlands größter Fleischkonzern Tönnies hat sich zu Beginn dieses Jahres in Premium Food Group umbenannt. Begründet wurde dies mit dem Wandel vom reinen Fleischunternehmen zu einer Lebensmittelfirma mit breiter Produktpalette. Das Unternehmen macht sein Geschäft vor allem mit Fleisch- und Wurstwaren, aber auch mit Dienstleistungen beim Lebensmitteltransport sowie Suppen, Soßen, Pharma-Rohstoffen und Veggie-Produkten.

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