Einen Supermarkt behalten Kunden oft erst im Gedächtnis, wenn etwas nicht stimmt. Im Rewe-Center Egelsbach ist es für Mirjam Knobloch umgekehrt: Schon beim Betreten spürt sie, dass Gestaltung, Sortiment und Atmosphäre eine gemeinsame Sprache sprechen. Das Rewe-Center Egelsbach verfügt über eine Verkaufsfläche von rund 7.240 Quadratmetern. Im Mai zeichnete die Lebensmittel Praxis den Markt in der Kategorie „Filialisten über 3.000 Quadratmeter“ als „Supermarkt des Jahres 2026“ aus.
„Hier geht einem das Herz auf“, sagt sie. Ihr Blick bleibt an den Details hängen: an der Ordnung, der Präsentation und daran, wie konsequent ein Markt sein Konzept im Alltag umsetze. Für Knobloch sei ein Lebensmittelmarkt mehr als ein Ort, an dem Waren bereitliegen. Er müsse Orientierung geben, Vertrauen schaffen und Lust auf Produkte machen.
Ihr zentraler Grundgedanke lautet: Vor allem die Fischtheke kann einen Markt strategisch vom Wettbewerb abheben. Dort träfen Frische, Fachwissen, Beratung und Erlebnis unmittelbar aufeinander. Wer diese Faktoren überzeugend verbinde, biete mehr als der preisorientierte Wettbewerb.
Knobloch kennt den Lebensmittelhandel aus zwei Perspektiven. Privat kauft sie für ihre Familie ein, beruflich ist sie Geschäftsführerin von Tinema, einem Handels- und Vertriebsunternehmen für Räucherfisch und Meeresspezialitäten. Dort verantwortet sie Marketing und Vertrieb. Sie beurteile daher nicht nur den Geschmack einzelner Produkte. Sie frage auch, ob eine Abteilung ein eigenes Profil besitzt, ob die Mitarbeiter glaubwürdig auftreten und ob die Präsentation einen Kaufimpuls auslöst.
Frische sei ein Versprechen
Der Rundgang beginnt bei Obst und Gemüse. Die Beeren liegen ordentlich in ihren Schalen, Äpfel glänzen, das Gemüse wirkt gepflegt. Für Knobloch ist diese Abteilung der erste Prüfstein für die Qualität eines Marktes.
„Ich achte auf die Frische“, sagt sie. „Das ist für mich das Wichtigste.“ Frische sei für sie nicht nur ein Qualitätsmerkmal, sondern ein Versprechen des Marktes. Wer bereits am Eingang sorgfältig gepflegte Ware zeige, schaffe Vertrauen in die folgenden Abteilungen. Wer beschädigte oder „müde“ Produkte liegen lasse, beeinträchtige dagegen den Gesamteindruck.
Knobloch betrachte nicht nur einzelne Früchte. Sie prüfe die Logik der Auslage: Wirkt sie vollständig? Kontrolliert das Personal die Auslage regelmäßig, oder füllt es sie nur schnell nach? Eine gute Präsentation müsse auch im Tagesverlauf funktionieren. Die Mitarbeiter müssten Ware nachlegen, beschädigte Produkte aussortieren und die Fläche regelmäßig ordnen.
Für viele Kunden ist die Obst- und Gemüseabteilung der erste Halt. Für Knobloch sei sie die erste Prüfung. Sie zeige, ob ein Markt seine Qualitätsversprechen tatsächlich in tägliche Arbeit übersetzt.
Feinkost macht Appetit
An der Feinkosttheke verändert sich die Atmosphäre. Käse, Antipasti, Dips und Spezialitäten liegen nicht einfach nebeneinander, sondern fügen sich zu einem Bild, das Appetit macht. „Die Feinkosttheke soll nicht nur satt machen, sondern Lust auf Genuss“, sagt sie.
Sie probiert Quiche mit Lachs und Spinat, Dattel-Dip, Lauchzwiebelcreme und kräftigen Hartkäse. Besonders gern esse sie Frischkäse, Hartkäse und Weichkäse – vorzugsweise intensiv schmeckende und länger gereifte Sorten.
„Das ist einfach richtig stimmig“, lautet ihr Urteil. Für Knobloch bedeute Stimmigkeit mehr als bloße Dekoration: Die Produkte müssten zusammenpassen, die Auswahl müsse verständlich und die Gestaltung einladend sein. Hochwertige Lebensmittel bräuchten eine Bühne, die ihre Besonderheiten sichtbar macht.
Knobloch kaufe nicht vorrangig nach Sonderangeboten. Entscheidend seien für sie Geschmack, Herkunft und ein gutes Gefühl beim Einkauf. Eine faire Bezahlung sowie regionale oder biologische Produkte spielten dabei eine wichtige Rolle. Regionalität verstehe sie nicht als starre Entfernung. Entscheidend sei vielmehr, ob die Herkunft nachvollziehbar bleibt.
Als Beispiel nennt sie Eier vom Bauern im Ort. Hühner auf der Wiese und eine Verbindung zur Region schafften Vertrauen. Für den Handel bedeute das: Regionalität dürfe nicht bei einem Etikett enden. Der Handel müsse Regionalität durch Sortiment, Information und Beratung glaubwürdig vermitteln.
Zwischen Tempo und Genuss
Knobloch kennt beide Seiten des Einkaufs. Im Alltag nutzt sie kleinere Märkte, in denen sie schnell hinein- und wieder herauskommt. Sucht sie besondere Produkte, nimmt sie hingegen eine 30- bis 45-minütige Fahrt nach Egelsbach in Kauf.
Das zeigt, welche unterschiedlichen Aufgaben ein moderner Lebensmittelmarkt erfüllen muss. „Kunden erwarten im Alltag Effizienz. Gleichzeitig suchen sie Inspiration, neue Produkte und persönliche Beratung“, sagt Knobloch. Ein Markt, der nur auf Schnelligkeit setze, verschenke Erlebnis. Wer ausschließlich auf Erlebnis setze, riskiere dagegen, im Alltag unpraktisch zu werden.
Auch lange Öffnungszeiten beurteilt Knobloch aus dieser Perspektive. Früher, nach vielen Reisen und späten Heimkehren, habe sie es geschätzt, noch in Ruhe einkaufen und anschließend kochen zu können. Heute nutze sie diese Möglichkeit wegen des Familienalltags seltener. Ihr Fazit bleibe dennoch positiv: Nicht jedes Angebot müsse täglich notwendig sein, um in bestimmten Lebenssituationen wertvoll zu werden.
Beim Einkauf für ihre Familie denkt Mirjam Knobloch auch an ihre siebenjährige Tochter, die gern Neues probiert. Essen sei für sie mehr als bloße Versorgung: Es bedeute gemeinsames Erleben und Genießen. Genau diese Verbindung von Alltag und Erlebnis könne der stationäre Handel aufgreifen.
Der entscheidende Moment des Rundgangs kommt an der Fischtheke. Aus genauer Beobachtung wird Begeisterung. „Die Fischtheke in diesem Markt zeigt wirklich, dass hier jemand arbeitet, der sich mit Fisch auskennt und das Produkt liebt“, sagt Knobloch.
Fisch erfordere Beratung
Fisch sei eine anspruchsvolle Warengruppe. Die Produkte seien empfindlich, erklärungsbedürftig und für viele Kunden nicht alltäglich. Eine überzeugende Theke müsse deshalb mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen: Sie müsse Frische sichtbar machen, Herkunft erklären und Ideen für die Zubereitung liefern.
Knobloch betrachtet den Lachs, seine Farbe und die Schnittflächen. „Ich schaue, wie der Lachs aussieht. Ich gucke, wie die Mitarbeiter den Lachs präsentieren“, sagt sie. Dann frage sie sich oft sofort: „Was kann ich daraus machen?“ Dieser Gedanke ist für den Handel zentral. Eine gute Fischtheke verkauft nicht nur ein Produkt, sondern auch eine Verwendungsidee. Aus einem Lachs wird ein Essen, aus einer Marinade eine Idee für Gäste und aus einem Beratungsgespräch im besten Fall ein zusätzlicher Kauf.
Damit zeigt die Fischtheke sichtbar, wofür der Markt steht: Die Mitarbeiter verkaufen, verarbeiten, erklären und präsentieren die Produkte. Wer selbst produziere, schärfe sein Profil und liefere Inhalte, die ein Discounter kaum kopieren könne.
Ein gutes Sortiment allein reicht nicht. Es braucht Menschen, die mit den Produkten umgehen können und für sie stehen. Knobloch spüre schnell, ob Mitarbeiter die Ware lediglich abarbeiten oder mit Überzeugung präsentieren.
Gerade bei Fisch sei Beratung entscheidend. Kunden fragten nach Herkunft, Zubereitung, Menge und Haltbarkeit. Sie wollten wissen, welcher Fisch zu einem schnellen Abendessen passt oder wie sie ein Produkt für Gäste vorbereiten können.
Die Mitarbeiter müssten das Fachwissen dabei nicht kompliziert vermitteln. Oft reiche eine konkrete Empfehlung: Welche Beilage passt? Soll der Kunde den Fisch braten oder im Ofen garen? Wie viel benötigt eine Familie? Solche Hinweise senkten die Hemmschwelle und machten aus einem erklärungsbedürftigen Produkt eine konkrete Kaufoption.
Knoblochs persönliche Vorlieben sind eindeutig: Lachs, Thunfisch, Forelle, marinierte Produkte und Flammlachs sprechen sie sofort an. „Alles, was mit Fisch zu tun hat, mag ich sehr“, sagt sie. Sie betrachtet die Theke deshalb nicht distanziert. Ihre Begeisterung schärfe ihren Blick für die Details. Für sie sei Fisch Genuss, nicht Pflicht. Eine gute Theke könne diese Begeisterung aufgreifen und Kunden neugierig machen.
Verkostung als Impuls
Als eine Mitarbeiterin Flammlachs anbietet, probiert Knobloch. Ihr Urteil fällt unmittelbar positiv aus: Die Marinade sei gelungen, das Produkt überzeugend. Verkostungen seien für sie kein nebensächlicher Service. Sie bauten Unsicherheit ab und schafften persönlichen Kontakt. Wer probiere, müsse sich nicht allein auf Verpackung, Preis oder Beschreibung verlassen. Der Geschmack helfe Kunden, sich unmittelbar zu entscheiden. Zugleich entstehe ein Gespräch. Mitarbeiter könnten Fragen beantworten, Verwendungsideen geben und auf passende weitere Produkte aufmerksam machen. So verwandle sich eine Probe in ein Einkaufserlebnis.
Der stationäre Handel besitzt hier einen Vorteil: Er kann Produkte nicht nur zeigen, sondern auch erlebbar machen. Das gilt besonders für Fisch, weil viele Kunden regelmäßig nur wenige Sorten kaufen und bei anderen Produkten Orientierung benötigen.
Auch wirtschaftlich ist die Theke relevant. Kühlung, Personalaufwand und mögliche Abschriften machen sie anspruchsvoll. Dennoch kann sie als Kundenmagnet wirken. Wer wegen der Fischtheke in den Markt kommt, kauft möglicherweise auch Käse, Wein, Brot oder Feinkost.
Eine Theke mit großem Wert
„Das ist ein Marketinginstrument“, sagt Knobloch. Darin zeigt sich der strategische Wert der Abteilung: Die Fischtheke hebt den Markt vom Discounter ab, schafft Aufmerksamkeit und überträgt ihren Qualitätsanspruch auf das gesamte Geschäft. Voraussetzung sei allerdings, dass die Leistung dauerhaft stimmt. Ein gutes Konzept verliere seine Wirkung, wenn Frische, Beratung oder Freundlichkeit im Alltag nachlassen.
Am Ende des Rundgangs steht die Kasse. Auch dort achtet Knobloch auf den Gesamteindruck: Ist der Ablauf freundlich, übersichtlich und zügig? Bleibt das gute Gefühl bis zum Schluss? Die Kasse sei für sie nicht bloß der letzte Schritt, sondern der letzte Kontaktpunkt zwischen Markt und Kunde. Wenn Obst und Gemüse, Feinkost und Fisch überzeugt hätten, sollte sich dieser Eindruck bis zum Bezahlen fortsetzen.
Der letzte Eindruck zählt
Der Rundgang mit Mirjam Knobloch zeigt, dass ein guter Lebensmittelmarkt nicht durch einen einzelnen Faktor entsteht. Frische, Sortiment, Auswahl, Atmosphäre und Beratung müssen zusammenpassen. An der Fischtheke wird dieses Zusammenspiel besonders sichtbar, weil dort viele Anforderungen unmittelbar zusammentreffen. Die Fischtheke verbinde Produktqualität mit persönlicher Beratung und mache den Einkauf für die Kunden dadurch zu einem Erlebnis. Ein Markt bleibe für die Kunden im Gedächtnis, wenn er Qualität sichtbar, verständlich und erlebbar macht. Eine gute Fischtheke schaffe dadurch Vertrauen und gebe Kunden einen überzeugenden Grund, wiederzukommen.
Deutschlands Selbstversorgung nimmt erneut ab
Die deutsche Fischversorgung ist 2025 erneut zurückgegangen. Nach vorläufigen Angaben des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat sank der Selbstversorgungsgrad bei Fisch auf 17,3 Prozent – 3,4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Importe deckten rechnerisch rund 83 Prozent des in Deutschland verfügbaren Fischs.
Gleichzeitig stieg die Produktion der deutschen Fischerei deutlich an. 2025 betrug sie insgesamt 219.700 Tonnen Fanggewicht – gut 7 Prozent mehr als 2024. Den größten Beitrag leisteten Anlandungen im Ausland: Sie nahmen um etwa 10 Prozent auf 170.100 Tonnen zu. Die Inlandsanlandungen gingen dagegen um rund 5 Prozent auf 14.800 Tonnen zurück. Aus der Binnenfischerei – also Aquakultur sowie Fluss- und Seenfischerei – stammten nach Schätzungen 34.800 Tonnen.
Auch der Außenhandel entwickelte sich dynamisch. Die Fischeinfuhren stiegen laut vorläufigen Zahlen auf knapp 2 Millionen Tonnen Fanggewicht – fast 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Ausfuhren sanken dagegen von 950.100 Tonnen im Jahr 2024 auf 918.500 Tonnen im Jahr 2025. Daraus ergab sich ein vorläufiger Nahrungsverbrauch von 1,3 Millionen Tonnen Fisch, fast ein Drittel mehr als im Vorjahr. Der durchschnittliche Verbrauch von Fisch sowie Krebs- und Weichtieren lag 2025 bei 15,2 Kilogramm pro Kopf.

Lachs weiter die Nummer 1
Lachs bleibt die wichtigste Fischart auf dem deutschen Markt. Nach den jüngsten verfügbaren Marktdaten des Fischinformationszentrums (FIZ) entfielen 22,6 Prozent des Marktes auf Lachs. Es folgten Alaska-Seelachs (19,8 Prozent), Thunfisch und Boniten (14,6 Prozent), Hering (11 Prozent) sowie Garnelen (10,1 Prozent). Zusammen standen diese fünf Kategorien für rund 78 Prozent des deutschen Fischmarktes. Die Daten allein belegen jedoch nicht, dass die anhaltende Beliebtheit von Sushi und anderen modernen Fischgerichten zur starken Marktposition von Lachs beiträgt.
Räucherfisch wächst
Positiv entwickelte sich zuletzt die Kategorie Räucherfisch. Während der deutsche Fischmarkt insgesamt weitgehend stabil blieb, stieg der Absatz von Räucherfisch 2024 in Deutschland um 2,3 Prozent auf 42.554 Tonnen. Das Segment Räucherfisch gehörte damit zu den wenigen Warengruppen beim Fisch mit einem Absatzwachstum. Die positive Entwicklung beim Räucherfisch deutet auf weitere Marktchancen für Handel und Hersteller hin.