Die Gewerkschaft Verdi hat für Donnerstag und Freitag erneut bundesweite Warnstreiks im Einzel- sowie im Groß- und Außenhandel angekündigt. Betroffen seien Betriebe und Unternehmen in allen Bundesländern, teilte die Gewerkschaft mit. In mehreren Städten plane Verdi große Streikkundgebungen – am Donnerstag in Kiel sowie am Freitag in Erfurt, Berlin, Bochum und Saarbrücken.
Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen im Handel, die im April in den ersten Landesbezirken begonnen hatten. Verdi fordert sieben Prozent mehr Lohn, mindestens jedoch 225 Euro, bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeberseite hatte zuletzt in einzelnen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen und Hamburg für den Einzelhandel ab November eine Erhöhung um zwei Prozent angeboten sowie ab August 2027 eine weitere um 1,5 Prozent – bei einer Laufzeit von zwei Jahren. Verdi wies diese Angebote zurück. Vorständin Silke Zimmer nannte die Offerten laut der Mitteilung „schlicht unverschämt“. Die Handelskonzerne stünden wirtschaftlich gut da, dennoch sollten die Beschäftigten mit Lohnverlusten abgespeist werden. „Das ist eine bodenlose Frechheit“, so Zimmer.
Bereits Mitte Mai hatte Verdi in der laufenden Tarifrunde zu den ersten bundesweiten Warnstreiks aufgerufen. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich damals mehr als 5.000 Beschäftigte an den befristeten Arbeitsniederlegungen. Bestreikt wurden den Angaben zufolge mehr als 200 Standorte, darunter Filialen von Edeka, Kaufland, Douglas, H&M und Ikea.
Handelsverband sieht kaum Spielraum für Lohnerhöhungen
Der Handelsverband Deutschland hatte im Vorfeld der Verhandlungen erklärt, angesichts schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen gebe es diesmal kaum Spielraum für Lohnerhöhungen. Im Handel arbeiten laut Verdi rund 5,2 Millionen Menschen in Deutschland, davon 3,4 Millionen im Einzelhandel. Die Tarifbindung in der Branche ist nach Angaben der Gewerkschaft seit Jahren rückläufig und vergleichsweise gering.
Die vorangegangene Tarifrunde hatte sich über mehr als ein Jahr hingezogen. Am Ende stand für die Beschäftigten im Einzelhandel laut Verdi ein Einkommensplus von insgesamt rund 14 Prozent für die Jahre 2023 bis 2025.