Die Arbeitgeber werfen dem Verdi-Bundesvorstand vor, eine Einigung in Baden-Württemberg unterlaufen zu haben. Bundesweit gab es in den vergangenen Wochen zahlreiche Warnstreiks. Auch vor diesem Hintergrund haben die Arbeitgeber die Verhandlungen in vier Bundesländern vorerst auf Eis gelegt. Die anstehenden Gesprächsrunden in Bayern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Berlin-Brandenburg sind abgesagt.
Die jüngsten Entwicklungen zeigten, dass in anderen Tarifgebieten vor Ort ausgehandelte Kompromisse am Verdi-Bundesvorstand scheitern, kritisierte die bayerische HBE-Tarifgeschäftsführerin Melanie Eykmann. Unter diesen Voraussetzungen sei derzeit keine Grundlage für zielführende Verhandlungen in Bayern vorhanden, ergänzte Verbandssprecher Bernd Ohlmann.
Verdi widersprach: Es gebe keinen entsprechenden Beschluss des Bundesvorstandes, sagte eine Sprecherin in Berlin. Wie bei den Arbeitgebern koordinierten auch auf Seiten der Gewerkschaft die Tarifgebiete. „Der Sondierungsstand in Baden-Württemberg, der in der ehren- und hauptamtlichen Tarifkoordinierung vorgetragen wurde, reichte aber unisono den Tarifgebieten für einen Abschluss nicht.“
Verdi verweist darauf, dass sich mit dem Lohn im Einzelhandel nicht auskömmlich leben lasse und er auch nicht leistungsgerecht sei. Mit dem derzeitigen Lohn sei Altersarmut oft vorprogrammiert. Angesichts dessen sind die Arbeitgeberangebote aus Gewerkschaftssicht nicht ausreichend.
Verdi fordert, je nach Bundesland beziehungsweise Tarifgebiet etwas unterschiedlich, Lohnerhöhungen von sieben Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber hatten in mehreren Ländern 3,5 Prozent Lohnerhöhung bei einer Laufzeit von zwei Jahren angeboten. Nach den Vorstellungen von Verdi soll die Vergütung der Auszubildenden um 150 Euro monatlich erhöht werden. Die Löhne und Gehälter der unteren Entgeltgruppen sollen auf ein rentenfestes Mindesteinkommen von 14,90 Euro pro Stunde steigen. Die Laufzeit des Tarifvertrages soll zwölf Monate betragen.
