Der Kochboxen-Anbieter Hellofresh hat im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von rund 1,7 Milliarden Euro erzielt – ein währungsbereinigter Rückgang von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, als der Umsatz noch bei 1,9 Milliarden Euro lag. Das bereinigte operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) sank deutlich von 58 Millionen Euro auf rund 24 Millionen Euro. Den Großteil dieses Rückgangs führt das Unternehmen auf einmalige Belastungen durch Winterstürme in Höhe von rund 25 Millionen Euro zurück, die Logistik und Betriebsabläufe beeinträchtigt hätten. Die Jahresprognose bestätigte Hellofresh dennoch: Für 2026 rechnet das Unternehmen weiterhin mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang von 3 bis 6 Prozent und einem bereinigten EBITDA zwischen 375 und 425 Millionen Euro.
Hellofresh setzt nach eigenen Angaben seine strategische Neuausrichtung auf eine zahlungskräftigere Kundschaft fort. Der durchschnittliche Bestellwert stieg im ersten Quartal währungsbereinigt um 4,2 Prozent auf 71 Euro. Das Unternehmen begründet den Anstieg mit weniger Rabatten, mehr Zusatzbestellungen und Preiserhöhungen. Im Kochboxen-Geschäft verlangsamte sich der Umsatzrückgang zum fünften Mal in Folge und lag bei minus 8,5 Prozent – nach minus 14,5 Prozent im Vorjahresquartal. „Hochwertige Kundenkohorten erleben unser neues Produkt und zeigen daraufhin eine verbesserte Kundenbindung und höhere Bestellfrequenz“, zitierte das Unternehmen Vorstandschef Dominik Richter in einer Mitteilung.
Im Segment Fertiggerichte, das unter der Marke Factor vertrieben wird, ging der Umsatz währungsbereinigt um 6,9 Prozent zurück – nach einem Plus von 8 Prozent im Vorjahresquartal. Laut Hellofresh seien die operativen Probleme, die das US-Geschäft mit Fertiggerichten in den vergangenen Quartalen belastet hätten, mittlerweile behoben. Außerhalb der USA verzeichnete das Fertiggerichtsegment den Angaben zufolge ein zweistelliges Umsatzwachstum.
Hellofresh verachtfacht Fertiggericht-Kapazität in Europa
Gleichzeitig gab Hellofresh den Produktionsstart von Factor am Standort Verden an der Aller bekannt. Die dortige Produktionsstätte, die seit 2016 als Kochboxen-Standort diente, produziert nun Fertiggerichte für alle europäischen Factor-Märkte: Deutschland, Dänemark, Schweden, Belgien und die Niederlande. Der Standort wurde damit vollständig auf das Ready-to-Eat-Geschäft umgestellt.
Laut der Mitteilung verachtfacht sich damit die bisherige europäische Produktionskapazität für Fertiggerichte. Mehr als 200 bisherige Hellofresh-Beschäftigte wechselten zum 1. Mai 2026 im Rahmen eines Betriebsübergangs zu Factor. Der Großteil der bisherigen Belegschaft bleibt damit am Standort, nun jedoch unter der Marke Factor tätig. Langfristig könne der Standort bis zu 900 Mitarbeitende beschäftigen, so das Unternehmen.
Produktionsstrukturen werden getrennt
Die bisherige Kochboxen-Produktion für Deutschland und Österreich, die auf Verden und Barleben verteilt war, bündelt Hellofresh nun vollständig am teilautomatisierten Standort Barleben in Sachsen-Anhalt. Damit trennt das Unternehmen seine Produktionsstrukturen klar nach Geschäftsmodellen: Kochboxen in Barleben, Fertiggerichte in Verden. Dort will das Unternehmen nach eigenen Angaben bis September ein wöchentlich wechselndes Menü mit 100 Gerichten anbieten – doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.
Die Deckungsbeitragsmarge der Gruppe sank im ersten Quartal um 1,4 Prozentpunkte auf 25,6 Prozent. Hellofresh führt dies auf die Sturmschäden und verstärkte Investitionen in die Produktqualität zurück. Der freie Cashflow blieb mit rund 49 Millionen Euro positiv, lag aber unter dem Vorjahreswert von 68 Millionen Euro.