Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd haben nach dem jüngsten Anstieg der Öl- und Gaspreise infolge des Konflikts mit Iran deutlich an Besuchern gewonnen. Zwischen der neunten Kalenderwoche – der letzten Woche vor Beginn der israelisch-amerikanischen Luftangriffe auf den Mullah-Staat – und der zwölften Kalenderwoche 2026 legten beide Aldi-Banner beim nationalen Besuchsanteil gemeinsam um 1,7 Prozentpunkte zu. Dies teilte das Marktforschungsunternehmen Accurat mit. Auch Netto Marken-Discount und Penny verzeichneten Zuwächse.
Vollsortimenter verloren im gleichen Zeitraum Anteile. Rewe verzeichnete den deutlichsten Rückgang, auch Edeka, Kaufland und Edeka Center büßten Besucher ein. Lidl verzeichnete dagegen einen marginalen Rückgang um 0,3 Prozentpunkte. Die Analyse basiert auf Supermarktbesuchen in ganz Deutschland zwischen der neunten Kalenderwoche 2026 – der letzten vollständigen Woche vor dem Konflikt – und der zwölften Kalenderwoche 2026.
Die Verschiebungen gehen laut Accurat direkt zulasten der Vollsortimenter. Besucher wechselten vor allem von Rewe, Edeka, Kaufland, Norma und Edeka Center zu den beiden Aldi-Bannern. Selbst innerhalb des Discount-Segments verlor Lidl Besucher an Aldi Süd und Aldi Nord. Das Wachstum wird durch mehr Besucher getragen, nicht durch höhere Frequenz. Beide Aldi-Banner steigerten ihren Anteil an individuellen Besuchern, während Rewe, Edeka, Kaufland und Lidl an Besucherreichweite verloren.
Inflationssorgen rücken wieder in den Fokus
„Makroökonomische Schocks wirken oft wie ein Stresstest für etablierte Einkaufsroutinen“, zitierte Accurat den unabhängigen Berater Boris Planer in der Mitteilung. „Wenn Haushalte mit wachsender Unsicherheit konfrontiert sind, können sich Handelsentscheidungen sehr schnell in Richtung Formate verschieben, die als budgetschonender wahrgenommen werden.“ Die Kraftstoffpreise reagierten unmittelbar auf den Konflikt, während Inflationssorgen und Diskussionen über die Haushaltsbudgets rasch wieder stärker in den öffentlichen Fokus rückten.
Die Daten deuten den Angaben zufolge darauf hin, dass deutsche Verbraucher bereits auf erwartete höhere Haushaltskosten reagieren und Teile ihres Einkaufsverhaltens in Richtung preisgünstigerer Formate verlagern. Öl- und Gaspreise beeinflussen die Erwartungen der Haushalte schnell – noch bevor sich breitere Inflationseffekte vollständig in den Regalpreisen niederschlagen. Die Analyse zeigt nach Angaben von Accurat, wie schnell makroökonomische Entwicklungen in messbares Einkaufsverhalten übersetzt werden können.
