Vegetarische und vegane Produkte dürfen in der Europäischen Union weiter als „Veggie-Burger“ oder „Tofu-Wurst“ verkauft werden. Darauf einigten sich Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments in Brüssel. Allerdings: Tabu sollen laut Vertretern des Parlaments Bezeichnungen sein, die sich auf Tier- oder Fleischarten und einzelne Teilstücke beziehen – zum Beispiel Geflügel, Rindfleisch, Rippchen, Schulter, Kotelett oder Speck. Begriffe wie „Steak“, „Schnitzel“, „Burger“ und „Wurst“ bleiben dagegen grundsätzlich erlaubt. Insgesamt geht es um 31 Bezeichnungen, die untersagt werden sollen. Ursprünglich hatte die Europäische Kommission nur 29 Begriffe auf ihrer Liste.
Balpro: Tiefer Einschnitt
Die Reaktionen auf das weitreichende Bezeichnungsverbot fielen unterschiedlich aus. Der Bundesverband für Alternative Proteine (Balpro) sprach von einem „tiefen Einschnitt für Verbraucher, Innovation und eine der dynamischten Zukunftsbranchen Europas“. Der Balpro-Vorsitzende Fabio Ziemßen warnte vor den wirtschaftlichen Folgen. Allein in Deutschland seien Kosten von bis zu 250 Millionen Euro entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erwarten. Balpro fordert nun von der Politik eine rechtssichere Übergangsphase und eine klare Auslegung. Ziemßen kündigte darüber hinaus eine rechtliche Prüfung der EU-Beschlusslage an.
Pro Veg: Fatales Signal
Die Ernährungsorganisation Pro Veg beklagte ein „fatales Signal“. Der geplante Bezeichnungsschutz für Fleisch führe zu einer „massiven Beschränkung des gleichberechtigten Marktzugangs aller bestehenden und künftigen Proteinquellen“, so Politikexpertin Nina Wolff. Immerhin sei jedoch der Worst Case ausgeblieben und der vom Parlament verfolgte Plan eines umfassenderen Bezeichnungsverbotes gescheitert.
Fleischwirtschaft hält Kompromiss für folgerichtig
Der Verband der Fleischwirtschaft (VDF) begrüßte hingegen den Kompromiss. Hauptgeschäftsführer Steffen Reiter erklärte: „Fleisch ist ein hochwertiges Lebensmittel mit einem eigenen Nährstoffprofil. Es ist daher nur folgerichtig, dass zentrale Fleischbegriffe künftig ähnlich geschützt werden wie Bezeichnungen bei Milch und Käse.“ Reiter weiter: „Verbraucher müssen sich darauf verlassen können, dass dort, wo Rind oder Schwein draufsteht, auch tatsächlich Fleisch enthalten ist.“
Kompromiss muss noch formell angenommen werden
Der Kompromiss muss noch formell vom Europaparlament und den europäischen Staaten angenommen werden. Er entstand im Rahmen des Trilog-Prozesses. Das sind informelle Verhandlungen zwischen Europäischem Parlament, Rat der EU und Europäischer Kommission, die einen Kompromiss über einen Gesetzesvorschlag finden sollen.
Europäische Abgeordnete hatten im vergangenen Jahr ein umfassendes Verbot von Begriffen wie „Tofu-Wurst“, „Soja-Schnitzel“ oder „Veggie-Burger“ für vegetarische Produkte ins Spiel gebracht. Dies wurde mit dem Schutz von Verbrauchern und Landwirten begründet. Die Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP), zu der auch CDU und CSU gehören, hatte diesen Vorstoß im EU-Parlament eingebracht. Eine ausreichende Mehrheit unter den EU-Staaten für ein solches Verbot fehlte jedoch.
Bundesregierung mit klarer Position
Mehrere Handelsunternehmen, darunter Aldi Süd, Lidl und Burger King, warnten im vergangenen Jahr in einem gemeinsamen Brief vor wirtschaftlichen Schäden durch ein Verbot.
Deutschland hatte sich klar gegen ein „Veggie-Burger“-Verbot ausgesprochen. Bundesagrarminister Alois Rainer sagte im Oktober, ein Verbot würde „unglaublich hohe Kosten für die Wirtschaft“ sowie Bürokratie verursachen. „Ich stehe für Bürokratieabbau, deshalb unterstütze ich diesen Vorschlag nicht.“
Deutschland größter Markt für pflanzliche Alternativprodukte
Deutschland ist nach Angaben von Wirtschaftsvertretern der größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Die Produktion von vegetarischen oder veganen Fleischalternativen stieg in Deutschland in den vergangenen Jahren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 126.500 Tonnen im Jahr 2024. Das war mehr als doppelt so viel wie 2019. Der Wert der Fleischproduktion war dennoch vielfach so hoch: Fleisch und Fleischerzeugnisse kamen auf 44,3 Milliarden Euro, Fleischalternativen auf 647,1 Millionen Euro.