Wenn sich die Grand Hall Zollverein zur feierlichen Preisverleihung des Supermarkt des Jahres füllt, liegen Vorfreude und Anspannung spürbar in der Luft. Schließlich ist noch völlig offen, welche Teams die Trophäen in den vier Kategorien – kleine und große selbstständige Märkte sowie kleine und große Filialisten – mit nach Hause nehmen.
Noch bevor die Lebensmittel Praxis am Abend die Sieger kürt, müssen die zwölf nominierten Inhaber und Marktleiter zur letzten Bewährungsprobe antreten. Vor einer Fachjury aus Handel und Industrie präsentieren sie ihre Konzepte – und beantworten die entscheidende Frage: Warum verdient ausgerechnet Ihr Markt den Titel? Welche Märkte nominiert sind, sehen Sie hier:
Zeit für Mut
Parallel zu den Jurysitzungen läuft in der Grand Hall der Fachkongress „Zeit für Mut“. Der Titel passt zur Lage der Branche: Konsumflaute, steigende Kosten, geopolitische Krisen und die rasante Entwicklung der KI setzen den Handel unter Druck. Zum Auftakt stellen sich Edeka-Chef Markus Mosa und Rewe-Chef Lionel Souque den Fragen zur aktuellen Marktlage. Danach geht es um konkrete Lösungen: neue Geschäftsideen, moderne Store-Konzepte und den Einsatz von KI im Handel.
Neu sind in diesem Jahr Breakout-Sessions mit zwei Schwerpunkten: „Neue Chancen“ – welche Konzepte jetzt Wachstum versprechen sowie „KI im Handel“ – wie Händler Technologien konkret nutzen können. Das komplette Kongressprogramm finden Sie auf sdj.lebensmittelpraxis.de.
Andere Wege gehen
Wie unterschiedlich Mut im Handel aussehen kann, zeigen die nominierten Märkte. Für Manon Schroff von E-Center Schroff war zum Beispiel die Ausbildung junger Menschen aus dem Ausland ein wichtiger Schritt. „Wir wollen ihnen echte Perspektiven geben“, sagt sie. Entscheidend sei dabei nicht nur die Bürokratie, sondern vor allem die Integration in den Alltag und ins Team.
Ganz bewusst gegen den Trend investiert auch Robin Schenke, Inhaber von Edeka Schenke in Gütersloh: „Obwohl viele Verbraucher kaufzurückhaltender geworden sind, stärken wir weiter die wesentlichen Säulen unseres Marktes: den Weinkeller, unsere hausgemachten Produkte in der Feinkosttheke und unsere Kaffeerösterei.“ Beim Umbau vor drei Jahren hat sich die Familie für ein offenes Marktkonzept mit Theken entschieden. „Während viele Märkte die Theke reduzieren, haben wir sie in das erste Drittel des Marktes verlegt und sogar erweitert. Gemeinsam mit Obst und Gemüse entstand eine große Frischewelt. „Unsere Theken sind ein Anker“, sagt Schenke. Ihr Anteil am Gesamtumsatz beträgt 22 Prozent.
Auch Elmar Engel, Inhaber von Rewe Familie Engel in Biberach an der Riß, setzt auf eine klare Strategie: „Ich lasse keinen Investitionsstau entstehen. Außerdem sorge ich dafür, dass jederzeit ausreichend Mitarbeiter im Markt präsent sind.“ Dadurch habe er zwar höhere Personalkosten, sorge aber für eine bessere Warenverfügbarkeit, mehr Frische, weniger Diebstahl – und zufriedene Kunden.

Seien Sie live dabei
Weitersagen: Die Lebensmittel Praxis überträgt die feierliche Preisverleihung am Donnerstag, 21. Mai, ab 18.45 Uhr live ins Netz. Alle Kollegen, Partner und Kunden, die nicht bei dem Event in Essen dabei sind, können so mitfiebern. Und: Wie im vergangenen Jahr schaltet die LP live in die nominierten Märkte. Deshalb: Einfach den QR-Code scannen und Daumen drücken.
Bildquelle: Peter Eilers
Mit Konzept und Mut zum Erfolg
Nach drei Jahren Umbau eröffnete Marktkauf Löhne Ende 2024 komplett neu. „Unser Ziel ist es, dem Kunden einen Markt mit Erlebnis-, Kaufcharakter und vielen hochmodernen Frischetheken zu präsentieren“, sagt Marktleiter Thorsten Take. „Wir wollen unsere Kunden zu Fans machen. Das gelingt unter anderem mit einer direkten Kundenansprache vor allem an den Theken sowie mit regelmäßigen Kundenabenden.“ Der Erfolg zeigt sich bereits in den Zahlen: Rund 2.000 zusätzliche Kunden kommen inzwischen jede Woche.
Dass auch ein mutiger Auftritt zählt, zeigt Patrick Schlüter. Mit seinem Team von Globus Koblenz gewann er im vergangenen Jahr den Titel bei den großen Filialisten. Sein Tipp an die diesjährigen Finalisten: „Auch vor der Jury dürfen Kandidaten mutig auftreten – ich stand vor der Jury im Fleischkäse-Hoodie“, erzählt Schlüter. Zahlen seien wichtig, aber punkten konnte Schlüter seiner Einschätzung nach vor allem mit anderen Stärken: den zahlreichen Events im Markt und seinem Engagement vor Ort, nicht als passiver, geldgebender Sponsor, sondern als aktiver Part bei Großveranstaltungen.
Zu den Reels der nominierten Märkte und allen wichtigen Keyfacts.
Zu Hause live dabei
Nach der Jurysitzung und dem Fachkongress ist Herzklopfen angesagt. Die feierliche Preisverleihung beginnt mit der Auszeichnung „Mitarbeiter des Jahres“. Die Lebensmittel Praxis kürt damit Mitarbeiter, die sich in ihrem Markt besonders engagieren – sei es für das Team, soziale oder nachhaltige Projekte. Die Handelsjury von Aldi Süd, Edeka, Globus und Rewe hat aus den Bewerbungen drei Kandidaten ausgewählt.
Danach gehört die Bühne dem „Supermarkt des Jahres 2026“. Die Redaktion stellt die Finalisten mit ihren Inhabern und Marktleitern nacheinander vor und präsentiert eindrucksvolle Marktfilme. Dann steigt die Spannung: Einer nach dem anderen werden die roten Umschläge geöffnet – und die Sieger verkündet. Im Anschluss bleibt reichlich Zeit zum Feiern, Genießen und Netzwerken.
Damit auch die Kollegen zu Hause mitfiebern können, gibt es wieder eine Live-Übertragung (siehe QR-Code im Kasten). Manche Inhaber machen daraus ein Event vor Ort. Rewe Familie Engel plant die Übertragung im Eingangsbereich vor der Bäckerei. Dort können Mitarbeiter und Kunden bei Getränken und Häppchen zuschauen. Das E-Center Schroff plant sogar eine Party. Geschäftsführerin Manon Schroff: „Bei uns läuft die Live-Übertragung bei laufendem Geschäft in der Obst- und Gemüseabteilung. Wir haben einen DJ organisiert. So können auch unsere Mitarbeiter und Kunden mitfiebern.“
Auszeichnung mit Reichweite
Wie nachhaltig ein Sieg oder eine Nominierung auf das Team und die Außendarstellung wirken kann, zeigen die Beispiele der Vorjahressieger.
Edeka Prechtl holte im vergangenen Jahr den Pokal für den Markt in Bad Aibling nach Hause. Erst 2023 gewann die Kaufmannsfamilie mit dem Markt in Brannenburg. Geschäftsführer Andreas Prechtl sagt: „Der Supermarkt des Jahres ist nicht nur eine tolle Auszeichnung für das Team. Auch unsere Kunden wertschätzen sie, denn sie wissen, dass der Pokal individuell verliehen wird.“
Hinzu kommt: Der Supermarkt des Jahres hilft auch bei der Suche nach neuen Mitarbeitern. „Bei uns bewerben sich einige Kandidaten blind, weil sie in einem der besten Märkte in Deutschland arbeiten möchten.“ Den Pokal hat Familie Prechtl in einem Plexiglaswürfel auf einer mobilen Stele im Markt platziert. „Die Stele verschieben wir von Zeit zu Zeit im Markt. So sorgt sie für mehr Aufmerksamkeit“, berichtet der Kaufmann.
Eine Welle der Euphorie
Bei Rewe Stenten in Aachen löste die Auszeichnung eine Euphoriewelle aus – bei den Mitarbeitern ebenso wie bei den Kunden. „Aus Dank für diesen Erfolg haben wir unsere Kunden in unseren Markt eingeladen und mit einem Glas Sekt, Getränken und Kanapees begrüßt. Langjährige Partner aus der Getränkeindustrie unterstützten uns dabei“, blickt Geschäftsführer Max Stenten zurück. Auch mit den Mitarbeitern feierte das Unternehmen anschließend eine große Party. Dafür mietete Familie Stenten in Aachen eine Disco und bot Freigetränke an. „Wir lieben es, mit den Mitarbeitern zu feiern. Die Auszeichnung hat unser ganzes Team geschafft. Darauf sind wir sehr stolz“, sagt Max Stenten. Wie sich der Preis auf den Umsatz auswirkt, kann er nicht genau beziffern. Fakt ist jedoch: Rewe Stenten erzielt bereits im vierten Jahr in Folge ein zweistelliges Umsatzplus.
Mehr Kunden, mehr Absatz
Auch bei den anderen Vorjahressiegern hat die Auszeichnung sichtbare Spuren hinterlassen. Patrick Schlüter nahm für sein Team des Globus in Koblenz 2025 die Trophäe in der Kategorie der großen Filialen entgegen. Die Auszeichnung als Supermarkt des Jahres brachte ihm in den nächsten Monaten einen zusätzlichen Kundenzulauf von einem Prozent und ein Absatzplus von drei Prozent. Dafür hat er nicht nur seine eigenen Zahlen vor und nach der Preisverleihung einbezogen, sondern auch die Entwicklung anderer Vorreitermärkte in der Globus-Welt. „Gerade in den aktuellen Zeiten ist das super!“, so Schlüter.
Vor allem jedoch sei das Team enger zusammengewachsen. „In unserem großen Markt kennen nicht alle Mitarbeiter einander.“ Nach der großen Siegesfeier ist das anders. Sein Team hat die Prämierung sowohl im und um den Markt mit Fahnen, großflächigen Schildern sowie über Social Media genutzt. „Viele Kunden wollten wissen, welche Wertigkeit der Titel hat“, erzählt Schlüter. Seine Erklärung gegenüber den Kunden: „Das ist der eine Branchenaward, den jeder Marktmanager einmal im Leben erkämpfen möchte.“
Starke Außenwirkung
Erst zwei Jahre am Start bekam das E-Center Penzberg im vergangenen Jahr den Pokal für die Kategorie der kleinen Filialisten. Marktleiter Anton Rieger freut sich besonders über die Außenwirkung: „Am ,Tag der Betriebe‘ empfingen wir Schüler der 8. und 9. Klasse, um ihnen die Ausbildung in unserem E-Center schmackhaft zu machen.“ Besonderen Eindruck hinterließ dabei das Marktvideo, das eigens für die Preisverleihung von allen Finalisten gedreht wurde. „Das Foto vom jubelnden Team haben wir auf ein großes Banner drucken lassen und im Außenbereich an einem Zaun befestigt.“ Den Pokal und die Urkunde präsentiert der Markt stolz und für alle Kunden gut sichtbar in einer Vitrine im Kassenbereich.
Alle sind Sieger
Nun heißt es: Daumen drücken für die Nominierten! Auch wenn nicht jeder gewinnen kann, ist der Einzug ins Finale ein toller Erfolg. Das weiß auch Manon Schroff. Ihr E-Center war bereits im vergangenen Jahr nominiert, stand am Ende aber nicht ganz oben auf dem Siegertreppchen. Dennoch bedankte sich Familie Schroff bei allen Mitarbeitern mit einem Tagesausflug in eine Strandhütte nach Holland. In diesem Jahr will das Team es erneut wissen. Wer diesmal jubelt, bleibt spannend – bis zum Schluss.