Müllvermeidung Umwelthilfe will Plastiktüten-Verbot verschärfen

Fünf Jahre nach dem Plastiktüten-Verbot fordert die Deutsche Umwelthilfe strengere Regeln und beklagt, der Handel umgehe die Vorschrift mit minimal dickeren Tüten. Der Verbrauch pro Kopf sank allerdings deutlich von 57 auf 31 Tüten.

Donnerstag, 27. November 2025, 12:51 Uhr
Manuel Glasfort (mit dpa)
Bestimmte Plastiktüten dürfen in deutschen Supermärkten seit fünf Jahren nicht mehr verkauft werden (Symbolfoto). Der Deutschen Umwelthilfe reicht die bisherige Regelung nicht. Bildquelle: Getty Images

Fünf Jahre nach Verabschiedung des Plastiktüten-Verbots durch den Bundestag fordert die Deutsche Umwelthilfe eine Verschärfung der Vorschriften. Die Regelung habe die Nutzung von Plastiktüten im Einzelhandel zwar wesentlich verringert, doch seien noch immer viel zu viele Einweg-Plastiktüten im Umlauf. Das sagte Viola Wohlgemuth von der Umweltorganisation.

Wohlgemuth: Erlaubt, aber ziemlich dreist

Am 26. November 2020 stimmte der Bundestag für ein Gesetz, das die zuvor üblichen Supermarkt-Einkaufstüten aus Plastik ab Januar 2022 untersagte. Es ging um Kunststoffverpackungen mit einer Wandstärke zwischen 15 und 50 Mikrometern. Die kleinen dünnen Tüten für Obst und Gemüse blieben erlaubt. Wohlgemuth bemängelt, dass heute noch immer einige Einzelhändler Plastiktüten an ihren Kassen anbieten. „Die sind nur minimal dicker als 50 Mikrometer und fallen daher nicht unter das Verbot – das ist zwar legal, aber ziemlich dreist“, sagte die Umweltschützerin. Das Verbot sollte auf Wandstärken von bis zu 100 Mikrometer oder mehr erweitert werden, so Wohlgemuth. Deutschland solle sich ein Beispiel an Indien nehmen, wo auch Plastiktüten mit bis zu 120 Mikrometern verboten seien.

Rewe war damals Vorreiter

Die früher massenhaft genutzten Plastiktüten wurden schon vor dem gesetzlichen Verbot Schritt für Schritt ein Auslaufmodell. Der Handelsverband Deutschland (HDE) hatte sich 2016 auch ohne gesetzlichen Zwang verpflichtet, dass innerhalb von zwei Jahren 80 Prozent der Plastiktüten kostenpflichtig würden. Die Supermarktkette Rewe ging weiter und verbannte Plastiktüten schon damals aus ihren Läden.

Laut Europäischem Statistikamt verbrauchte ein Bundesbürger im Jahr 2018 im Schnitt 57,2 Plastiktüten, die maximal 50 Mikrometer dick sind. 2021 waren es 38,4 und 2023 nur noch 30,9. Im europäischen Vergleich steht Deutschland gut da, in Tschechien, Spanien und Bulgarien etwa fallen pro Kopf viel mehr Plastiktüten an.

Handelsverband lobt freiwillige Selbstverpflichtung

Der Handelsverband bewertet den Branchenweg im Rückblick als Erfolgsgeschichte. „Die freiwillige Selbstverpflichtung noch vor der gesetzlichen Pflicht macht deutlich, dass die Handelsbranche ihre Bemühungen in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit ernst meint“, sagte HDE-Geschäftsführerin Antje Gerstein laut dpa.

Auch die Plastikindustrie zeigt sich zufrieden. „Kunststoff hat sich als nahezu ideale Lösung für Mehrweganwendungen etabliert“, äußerte die Hauptgeschäftsführerin von Plastics Europe Deutschland, Christine Bunte. Eine robuste Tasche aus recyceltem Kunststoff sei nicht nur praktisch, sondern weise oft eine bessere Ökobilanz auf als viele Alternativen wie Stoffbeutel.

Ab Sommer 2026 greift EU-Regelwerk zu Verpackungen

Die Umwelthilfe mahnt allerdings an, dass Mehrweg-Plastiktaschen und Stoffbeutel zu billig seien und die Menschen zu viele davon kauften. Um die Menge der im Umlauf befindlichen Tüten und Beutel zu reduzieren, sollte ein Pfand- und Rücknahmesystem eingeführt werden, fordert Wohlgemuth.

Die Bundestagsabgeordnete Julia Schneider von den Grünen verwies auf Sommer 2026, wenn ein EU-Regelwerk zu Verpackungen greift, das das Plastikaufkommen noch weiter reduzieren soll. Sie fordert von der Bundesregierung, dieses Regelwerk als Gelegenheit zu nutzen, um Mehrweg zum Standard zu machen.

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