Die Frau traut sich was: Claudia Schmidt-Maier steht auf der Bühne der Frühjahrstagung der MLF-Kaufleute. Und erklärt den Mittelständischen Lebensmittel-Filialisten, welche Werte ihr Unternehmen und insbesondere sie selbst als Personalverantwortliche in den Vordergrund stellt. Ihre über 1.000 „Schmidtarbeiter“, wie sie die Angestellten liebevoll nennt, sollen Teil des „Unternehmensbaums“ sein: Dabei symbolisieren die Blätter das Team, die Führungskräfte bilden die Äste, die Familie Schmidt versteht sich als Stamm. Als „Wurzeln“ beschreibt Claudia Schmidt-Maier die Werte des Familienunternehmens mit einem Umsatz von 210 Millionen Euro pro Jahr.
Beschreibt sie da mit schönen Worten eine heile Welt? Im Gegenteil. Die 430 Gäste im Saal horchen auf, als die Mutter von zwei Kindern über einen finsteren Moment in ihrem Arbeitsleben spricht: Sie hatte Angst, dass einer der Mitarbeiter Suizid begehen könnte. „Es dauert so lange, bis man professionelle Unterstützung durch einen Psychologen bekommt“, erinnert sie sich. Jetzt hat sie die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer. Zum Glück fand der Betroffene rechtzeitig Hilfe, und Claudia Schmidt-Maier hat eine Lösung für ähnlich gelagerte Situationen gefunden. Das Unternehmen beschäftigt mit Patrick Ulmann seit zwei Jahren einen eigenen Seelsorger. Dieser fährt alle 16 Märkte des Schwarzwälder Händlers ab und steht dort als Ansprechpartner zur Verfügung.
Als Gastgeber hat die Kaufmannsfamilie am Vorabend ihre Gäste mit fünf Personen aus drei Generationen in Empfang genommen. Der Südschwarzwald ist für die Schmidts von großer Bedeutung: Regionale Ware macht bis zu 50 Prozent des Umsatzes aus. So verarbeitet das Unternehmen 18 Weiderinder pro Woche, Wildfleisch kommt aus umliegenden Wäldern. Schmidts halten Hühner in sehr guter Haltungsform und lassen sie neben den Ställen schlachten (800 Stück pro Woche).
Seit 2015 betreiben die Edekaner Gastronomie in ihren Märkten. In einer Produktionsküche, die über der Ladenfläche des Marktes in Bad Säckingen liegt, fertigen die Mitarbeiter dort Hausmannskost für vier Marktrestaurants. Mittlerweile schlägt sich die renditestarke Gastronomie auch in guten Kennzahlen nieder: Die Schmidts tätigen einen Flächenumsatz von 9.870 Euro pro Quadratmeter.
Stefan Lenk, Vorsitzender der MLF, macht in seiner Begrüßung den Schwenk vom Schwarzwald zur Weltlage. „Trump bedroht die Konsumlaune. Das Geld bleibt an der Tankstelle“, sagt Lenk. Rainer Huber, Vorstandsvorsitzender der Edeka Südwest, spricht von Zukunftsängsten und Kaufzurückhaltung der Kundschaft, gleichzeitig beobachtet er steigende Preissensibilität und höhere Sparneigung der Verbraucher. Die Edeka Südwest aber lasse sich nicht verunsichern und halte weiterhin an ihren Zielen fest. Man baue „keine Einkaufsboxen“, sondern „setze auf Erlebnis“ und Regionales. Zusammen mit den Edekahändlern schaffe man rund 180.000 Quadratmeter neue Verkaufsfläche.
Erst Blutwurst, dann Blutbild
Referent Christoph Werner, CEO der dm-Drogeriemärkte, treibt im Familienunternehmen neben dem Onlinegeschäft zahlreiche Dienstleistungen im Gesundheitsbereich voran, als Antwort auf die alternde Bevölkerung. Ein schöner Nebeneffekt: „Angebote wie ein großes Blutbild oder ein Augenscreening lassen sich nicht digitalisieren“, erzählt er den gespannt lauschenden Teilnehmern, „und für den Kunden lohnt sich der Weg in den Markt“. Vor solchen Ideen stellt er gerne einen Stuhl in die Runde, auf dem der gedachte Kunde sitzt, und fragt sich: „Welche Entscheidung würde der Kunde treffen?“ Vielleicht lautet die Antwort bald: Blutwurst und Blutbild im Supermarkt.