Die Mehrwegquote in der deutschen Gastronomie ist im ersten Jahr nach Einführung der gesetzlichen Mehrwegangebotspflicht nur leicht von 0,7 auf 1,6 Prozent gestiegen. Dies geht aus einer neuen Analyse der Boston Consulting Group hervor. Die Menge an Einwegverpackungen liegt laut Erhebungen des WWF Deutschland noch immer bei 14,6 Milliarden pro Jahr.
In der Gastronomiebranche kursieren hartnäckige Mythen
Mehrwegbehälter erreichen erst ab mindestens zehn Umläufen eine positive Ökobilanz, wie die Analyse zeigt. Unter idealen Bedingungen kann ein effizientes Mehrwegsystem die Abfallmenge um bis zu 75 Prozent reduzieren. „In der Gastronomiebranche kursieren hartnäckige Mythen, die die Einführung und Akzeptanz von Mehrweglösungen erschweren“, erläutert Alexander Meyer zum Felde von der Boston Consulting Group in der Mitteilung.
Ein Drittel der Gastronomiebetriebe könnte profitieren
Für etwa ein Drittel der Gastronomiebetriebe rechnet sich Mehrweg bereits heute finanziell – und das schon ab zwei Coffee-to-go-Bestellungen pro Stunde, wie die Analyse ergab. Besonders kleinere Betriebe profitieren von günstigeren Gebühren für Mehrwegsysteme. Entscheidend ist dabei die Wahl des richtigen Lizenzierungsmodells. Flatrate-Modelle bieten bei höherem Mehrwegabsatz deutliche Skaleneffekte. Eine entscheidende Schwierigkeit besteht dabei jedoch derzeit noch: „Während Deutschland im Getränkebereich über ein flächendeckendes Pfandsystem verfügt, fehlt es für Verpackungen im Gastronomie- und Event-Sektor an einem etablierten Mehrwegsystem“, erläutert Meyer zum Felde.
Die Boston Consulting Group empfiehlt drei zentrale Handlungsfelder für eine breitere Etablierung von Mehrweg: Regulatorische Maßnahmen wie die Einwegverpackungssteuer in Tübingen (0,50 Euro pro Behälter), finanzielle Anreize durch Förderprogramme sowie Aufklärungs- und Sensibilisierungskampagnen. „Mehrweg kann nicht nur eine umweltfreundliche, sondern auch eine wirtschaftlich rentable Lösung für Gastronomiebetriebe sein“, betont Meyer zum Felde in der Mitteilung.