Jan Cordesmeyer ist neuer Präsident des Europäischen Mühlenverbandes. Er gehört dem EFM-Präsidium bereits seit mehreren Jahren an und engagiert sich dort für die Interessen der deutschen und europäischen Müllerei in Brüssel. Seine Botschaft: „Krisenfeste Versorgungsketten sind keine Selbstverständlichkeit. Die europäische Mühlenwirtschaft sorgt jeden Tag dafür, dass aus Getreide sichere Lebensmittel werden – und damit für ein Stück Stabilität in Europa.“
Branche für Ernährungssicherheit sehr wichtig
Die Wahl von Jan Cordesmeyer zum EFM-Präsidenten erfolgt nach Darstellung des Verbandes der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS) in einer Phase tiefgreifender Transformationen: Der Sektor steht laut VGMS vor der Aufgabe, den Übergang zu mehr Nachhaltigkeit zu meistern, die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors zu sichern und – insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Düngerkrise – den Zugang zu qualitativ hochwertigem Weizen sicherzustellen.
In seiner Antrittsrede hob Jan Cordesmeyer die strategische Bedeutung der europäischen Mühlenindustrie hervor: „Die europäische Müllerei ist ein strategischer Wirtschaftsfaktor, der die Ernährungssicherheit auf unserem gesamten Kontinent gewährleistet. Es handelt sich um eine widerstandsfähige und äußerst wichtige Branche, die nicht als selbstverständlich angesehen werden darf.“
Cordesmeyer: Müllerhandwerk verdient mehr Anerkennung
Das gemeinsame Ziel des Verbandes sei es, eine wettbewerbsfähige, nachhaltige und damit zukunftsfähige Mühlenindustrie in Europa zu ermögliche. Zudem stellte der neue EFM-Präsident heraus, dass das Müllerhandwerk von Gesellschaft und politischen Entscheidungsträgern mehr Anerkennung für seinen Beitrag für die gesamte land- und ernährungswirtschaftliche Wertschöpfungskette verdiene.
Europäische und nationale Politik entscheiden aus Sicht von Cordesmeyer maßgeblich darüber, ob die Branche ihre Aufgaben in der Volkswirtschaft effizient und nachhaltig erfüllen kann. So müsse eine europäische Nachhaltigkeitsstrategie konsistente Vorgaben machen und einfach umsetzbar sein. Standards für Lebensmittelsicherheit müssten Verbraucher schützen, in der Praxis aber auch unter schwierigen Bedingungen für die Unternehmen umsetzbar sein. Die aktuellen Krisen und Bedrohungen, die Sicherstellung der Energieversorgung oder der hybride Krieg, machen nach Auffassung von Cordesmeyer deutlich, wie wichtig eine Einbindung der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft in die entsprechenden staatlichen Entscheidungsstrukturen sei, um Versorgungssicherheit im Krisenfall sicher zu stellen.
Dachverband vereint Verbände aus 27 Ländern
Auf europäischer Ebene ist die Branche über den European Food Security Crisis preparedness and response Mechanism (EFSCM) bereits in entsprechende Strukturen eingebunden. Aufgabe des EFSCM ist es, die Vorsorge gegen Bedrohungen der Ernährungssicherheit in der EU zu verbessern und bei auftretenden Krisen auf Engpässe aufmerksam zu machen. Der EFSCM ist eine Reaktion auf die Erfahrungen aus den Covid-Jahren und den Krieg in Europa sowie die volatilen Rohstoffmärkte. Die EU-Kommission will sich so besser auf Bedrohungen für Lebensmittelversorgung und Ernährungssicherheit vorbereiten.
European Flour Millers sieht sich als die Stimme der Müllerei auf europäischer und internationaler Ebene. Der Verband vereint Verbände aus 27 europäischen Ländern und repräsentiert mehr als 90 Prozent der Vermahlung in Europa. EFM vertritt die Interessen der Branche gegenüber Politik und weiteren Stakeholdern.
Die europäische Mühlenwirtschaft ist mit mehr als 3.000 Unternehmen, einer jährlichen Produktion von rund 35 Millionen Tonnen Mehl und einem Jahresumsatz von über 20 Milliarden Euro ein bedeutender Wirtschaftszweig. Die Branche beschäftigt mehr als 45.000 Menschen direkt und sichert darüber hinaus rund 350.000 Arbeitsplätze entlang der Getreidewertschöpfungskette.