Recyclingfähigkeit ist für die Deutschen die wichtigste Eigenschaft einer Verpackung – noch vor Hygiene, Handhabung und Produktschutz. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Deutsche Verpackungsinstitut anlässlich des elften Tags der Verpackung veröffentlicht hat. Zwölf Branchenverbände unterstützten die Erhebung aus dem Mai 2026.
Vier der fünf meistgenannten Erwartungen aus Nachhaltigkeits-Bereich
48 Prozent der Befragten nannten die Recyclingfähigkeit als eine ihrer fünf wichtigsten Erwartungen an eine Verpackung. Auf den weiteren Plätzen folgten der sparsame Materialeinsatz (40,3 Prozent), das Sicherstellen der Hygiene (37,6 Prozent), geringe Umweltauswirkungen (36,1 Prozent) und die Mehrwegfähigkeit (33,3 Prozent). Vier der fünf meistgenannten Erwartungen stammen damit aus dem Bereich Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Weit oben bei den rein funktionalen Eigenschaften standen einfaches Öffnen, Verwenden und Wiederverschließen (33,1 Prozent), Produktschutz (32,6 Prozent) und Haltbarkeitsverlängerung (32,1 Prozent).
Verbraucher verschätzen sich bei Recyclingquoten
Gleichzeitig offenbart die Umfrage eine Wissenslücke: Mehr als zwei Drittel der Befragten unterschätzten laut der Erhebung die tatsächlichen Recyclingquoten – und zwar bei allen Verpackungsmaterialien. So wussten den Angaben zufolge nur 31,2 Prozent, dass Glas zu über 80 Prozent recycelt wird. Auch bei Papier, Pappe und Karton schätzten nur 31,2 Prozent die Quote richtig ein. Bei Kunststoff vermuteten 67,5 Prozent eine Recyclingquote von unter 60 Prozent, obwohl diese 2024 bei 70,8 Prozent gelegen habe. „Dass am Ende alles, was wir vorher getrennt gesammelt haben, wieder zusammengeschüttet und verbrannt wird, ist ein Mythos“, sagte Geschäftsführerin Natalie Brandenburg vom Deutschen Verpackungsinstitut.
Verpackungsinstitut sieht Nachholbedarf beim Öffnen und Wiederverschließen
Beim Zeugnis für die Verpackungsbranche zeigten sich die Befragten überwiegend zufrieden: Hygiene erhielt von 81,7 Prozent die Note gut oder sehr gut, Produktschutz von 78,2 Prozent und Haltbarkeitsverlängerung von 70,3 Prozent. Deutlich schlechter fiel die Bewertung beim sparsamen Materialeinsatz aus – nur 35,6 Prozent vergaben hier gute oder sehr gute Noten. Brandenburg nannte dieses Ergebnis „wirklich bedenklich“, da die Realität anders aussehe. Auch beim einfachen Öffnen und Wiederverschließen sah nur eine knappe Mehrheit von 52,5 Prozent die Erwartungen gut oder sehr gut erfüllt. Hier gebe es „offensichtlich Nachholbedarf“, so Brandenburg.
Verbraucher mit Unwissen zum ökologischen Nutzen
Zudem unterschätzten die meisten Befragten den ökologischen Nutzen von Verpackungen: Nur 19,5 Prozent wussten nach Angaben des Instituts, dass eine Verpackung im Durchschnitt einen deutlich kleineren ökologischen Fußabdruck hat als das verpackte Produkt. 41,3 Prozent vermuteten das Gegenteil. Laut Brandenburg entfielen im Durchschnitt nur 3,0 bis 3,5 Prozent der Klimawirkungen verpackter Lebensmittel auf die Verpackung selbst. Auch beim Materialeinsatz pro Produkt sei die Entwicklung positiv: Lediglich 18,2 Prozent der Befragten wussten, dass heute weniger Verpackungsmaterial pro Produkt benötigt wird als vor Jahrzehnten. Eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung aus dem Jahr 2022 habe gezeigt, dass der Materialeinsatz bei Kunststoffverpackungen zwischen 1991 und 2020 um 76,9 Prozent gesunken sei, bei Aluminium um 38,5 Prozent und bei Papier, Pappe und Karton um 17 Prozent.