Lebensmittelunternehmen sind bei Erpressungsversuchen besonders gefährdet. Ihre Produkte seien durch den deutschlandweiten Vertrieb leicht zugänglich und manipulierbar, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Peter Feller, der Deutschen Presse-Agentur. Entsprechende Vorfälle könnten zudem eine hohe Öffentlichkeitswirkung entfalten. Anlass für die Warnung ist der aktuelle Erpressungsfall beim Babykosthersteller Hipp, bei dem ein Unbekannter Rattengift in Babynahrungsgläser einbrachte.
„Effektive Krisenbewältigung erfordert eine präventive Auseinandersetzung mit möglichen Unternehmensbedrohungen“, sagte Feller. Dazu gehörten vor allem ein funktionsfähiger Krisenstab und ausgearbeitete Krisenpläne. Nur so könnten Unternehmen schnell reagieren und drohenden Schaden abwenden oder zumindest begrenzen.
Gerade kleine und mittlere Unternehmen stünden dabei vor großen Herausforderungen, so Feller. Die Komplexität einzelner Krisen übersteige oft sowohl die Managementkapazitäten als auch den Erfahrungshintergrund der Betroffenen. Bereits 2006 habe der Branchenverband deshalb ein eigenes Krisenmanagement eingerichtet, das Unternehmen sowohl vorbeugend als auch im konkreten Fall unterstütze.
Hipp-Produkte in drei Ländern aus den Regalen genommen
Der Fall Hipp zeigt, wie schnell eine solche Krise eskalieren kann. In Österreich, Tschechien und der Slowakei entdeckte die Polizei fünf manipulierte Babynahrungsgläser mit Rattengift. Handelspartner in Tschechien und der Slowakei nahmen nach Unternehmensangaben sämtliche Hipp-Babygläschen aus dem Verkauf. In Österreich räumten die Rewe-Gruppe bei Bipa, Billa, Billa Plus und Adeg sowie die Drogeriemarktkette dm die Produkte vorsorglich aus den Regalen. Die Erpressungsnachricht war laut der österreichischen Zeitung „Die Presse“ an ein Sammelpostfach geschickt worden, das nur alle zwei bis drei Wochen kontrolliert werde – ein Umstand, der die Reaktionszeit verlängerte.
Die großen deutschen Handelsketten hielten sich auf Nachfrage zu ihren Sicherheitsvorkehrungen bedeckt. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zu sicherheitsrelevanten Aspekten grundsätzlich nicht öffentlich äußern“, sagte ein Sprecher der Rewe-Gruppe. Lidl verwies auf „bewährte interne Prozesse“, machte aber aus Sicherheitsgründen keine weiteren Angaben. Der Handelsverband Deutschland (HDE), der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH), Edeka und Aldi Süd äußerten sich nicht zum Thema.