Globale Landwirtschaft  Klimawandel bedroht Weideflächen weltweit

Bis zum Jahr 2100 könnten bis zu 50 Prozent der weltweiten Weideflächen verloren gehen. Betroffen wären bis zu 140 Millionen Menschen und 1,6 Milliarden Weidetiere. Das belegt eine neue wissenschaftliche Studie. 

Dienstag, 10. Februar 2026, 09:23 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Rund ein Drittel der Landoberfläche ist Weideland - etwa für Rinder, Schafe oder Ziegen. Bildquelle: Getty Images

Der Klimawandel könnte die weltweiten Weideflächen bis zum Jahr 2100 drastisch verkleinern. Je nach Szenario würden 36 bis 50 Prozent der heute klimatisch geeigneten Weideflächen ihre Nutzbarkeit verlieren. Das geht aus einer Studie unter Federführung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung hervor. Davon wären 110 bis 140 Millionen Menschen betroffen, die von Weidewirtschaft leben, sowie bis zu 1,6 Milliarden Weidetiere wie Rinder, Schafe oder Ziegen.

Afrika trifft es besonders stark

Besonders stark trifft es Afrika. Die geeigneten Graslandflächen könnten dort um 16 bis 65 Prozent schrumpfen, falls der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen weiter steigt, heißt es in der im Fachmagazin „PNAS“ veröffentlichten Studie. Bereits heute lägen die Temperaturen in vielen Regionen des Kontinents am oberen Rand dessen, was für Weidehaltung noch klimatisch verträglich sei.

„Weidehaltung ist stark von Umweltfaktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wasserverfügbarkeit abhängig“, äußerte Co-Autor Maximilian Kotz. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Klimawandel die Flächen, in denen diese Form der Landwirtschaft funktionieren kann, deutlich einschränkt und landwirtschaftliche Praktiken erschwert, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben.“ Besonders spürbar seien die Veränderungen in Ländern, „wo die Menschen bereits unter Hunger, wirtschaftlicher und politischer Instabilität sowie hoher Geschlechterungleichheit leiden“, ergänzte Erstautorin Chaohui Li.

Dürrenotstand in Somalia gilt weiterhin

Für die Rinderherden etwa der Massai und Samburu in Kenia oder die Schaf- und Ziegenherden nomadisierender Viehzüchter am Horn von Afrika ist das ein düsteres Zukunftsszenario, betonte das Institut. Traten schwere Dürren in der Region früher etwa alle 20 Jahre auf, häuften sie sich in der jüngsten Vergangenheit in immer kürzeren Abständen. Somalia hatte bereits im vergangenen November den Dürrenotstand ausgerufen, der weiter gilt.

Rund ein Drittel der Landoberfläche ist Weideland. Das Afrika-Büro der Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass allein in Kenia nach schlechten Ernteerträgen wegen der kurzen und relativ niederschlagsarmen letzten Regenzeit rund zwei Millionen Menschen unter Nahrungsunsicherheit leiden, so das Institut. 

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