Der Spielwarenhersteller Playmobil schließt sein Werk in Dietenhofen in Franken. Dort werden die bekannten Playmobil-Figuren hergestellt. Die Produktion mit 350 Beschäftigten endet Ende Juni, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Damit gibt Playmobil die Fertigung in Deutschland komplett auf. Die Standorte der Logistik in Herrieden und der Verwaltung in Zirndorf sollen bleiben.
Gewerkschaft spricht von jahrelangem Missmanagement
Das Unternehmen begründet den Schritt mit stark gestiegenen Produktionskosten in Deutschland. Eine umfassende Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen habe zu der Entscheidung geführt. Die Fertigung samt Produktionsanlagen werde in den kommenden Monaten verlagert. Bereits seit Jahrzehnten produziert das Unternehmen einen großen Teil seiner Spielwaren auf Malta.
Die Chemie-Gewerkschaft IGBCE wirft Playmobil Wortbruch vor. „Jahrelanges Missmanagement“ solle nun erneut „auf die Beschäftigten abgewälzt werden“, sagte Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner. Die Belegschaft habe erst kurz vor einer Mitarbeiterversammlung von den Plänen erfahren. Zuvor habe der Hersteller rund neun Monate lang Nachfragen zum Standort abgeblockt. Krippner sprach von „einer Riesensauerei“.
Playmobil verliert Marktanteile
Playmobil steckt in einer tiefen Krise. Der Umsatz sank in den vergangenen Jahren um mehr als ein Drittel. Laut Zahlen des Marktforschungsunternehmens Circana setzte Playmobil im Kalenderjahr 2025 in Deutschland rund 104 Millionen Euro um. Das entspricht einem Minus von etwa 8 Prozent gegenüber 2024. Der deutsche Spielwarenmarkt insgesamt legte 2025 dagegen um 3 Prozent zu.
Nach dem Tod von Firmengründer Horst Brandstätter im Jahr 2015 geriet Playmobil in eine Führungskrise. Die Fluktuation im Management stieg, die Umsätze sanken. Brandstätter hatte die Marke und die Unternehmensgruppe an zwei Stiftungen übertragen, eine gemeinnützige und eine Unternehmensstiftung. Beiden Stiftungen steht Brandstätters frühere Sekretärin Marianne Albert vor. Brandstätters Sohn Conny kritisiert diese Nachfolgeregelung scharf.