Hilfe für Winzer Weinländer vereinbaren Maßnahmen gegen Branchenkrise

Acht Bundesländer wollen den deutschen Wein stärker fördern. Denn die Branche leidet unter steigenden Kosten und sinkendem Konsum. Zugleich droht eine neue Rebkrankheit, die Weinreben absterben lässt.

Montag, 24. November 2025, 13:09 Uhr
Manuel Glasfort (mit dpa)
Der Weinbau in Deutschland steckt derzeit in der Krise. Die Politik in den betroffenen Bundesländern will gegensteuern. Bildquelle: Getty Images

Die acht deutschen Bundesländer mit Weinproduktion haben sich auf Maßnahmen zur Bewältigung der Krise in der Weinbranche verständigt. Nach Angaben der rheinland-pfälzischen Weinbauministerin Daniela Schmitt (FDP) einigten sich die Länder bei einem Weinbaugipfel im hessischen Rheingau auf ein gemeinsames Papier. Die Vereinbarung sieht stabile Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie, eine stärkere Herkunfts- und Qualitätsprofilierung sowie mehr Sichtbarkeit deutscher Weine im In- und Ausland vor.

Erstes Treffen dieser Art

Die Weinbranche kämpft derzeit mit steigenden Kosten, sinkendem Konsum, Überproduktion und internationaler Konkurrenz. Hessens Weinbauminister Ingmar Jung hatte Vertreter von Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, dem Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie vom Bundeslandwirtschaftsministerium zum ersten Treffen dieser Art ins Kloster Eberbach bei Eltville eingeladen. Ministerin Schmitt betonte, deutscher Wein gehöre zu den besten der Welt. Der derzeitige Marktanteil von nur 42 Prozent in Deutschland werde dem nicht gerecht. Die übrigen Weinflaschen im deutschen Handel sind Importe.

Mehr Sichtbarkeit des deutschen Weinbaus gefordert

Ministerin Schmitt forderte eine klarere Orientierung für Verbraucher. „Wer eine Flasche Wein kauft, muss wissen, was drinsteckt - und was er geschmacklich erwarten kann. Deshalb wollen wir das Prädikatssystem mittelfristig auf restsüße Weine konzentrieren.“

Das Prädikatssystem teilt Weine in höhere Qualitätsstufen ein. Auch Jung forderte mehr Sichtbarkeit des deutschen Weinbaus. Mit einer verbesserten Vermarktung würden auch die Kulturlandschaften der Weinbauregionen und damit der Tourismus gestärkt. Schmitt verwies zudem auf die Grüne Woche vom 16. bis 25. Januar 2026 in Berlin. Dort sollen die Winzer, ihre Innovationen und ihre Herkunftsregionen präsentiert werden. 

Weinbauinstitut Freiburg weist Goldgelbe Vergilbung nach

Parallel zeichnet sich ein neues Problem für die deutschen Winzer ab. Eine neue eingeschleppte Rebkrankheit könnte sich in Deutschland nach Einschätzung von Fachleuten schnell ausbreiten. An drei Standorten in Baden-Württemberg hat das Staatliche Weinbauinstitut Freiburg Flavescence dorée nachgewiesen, wie das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe mitteilte. 

Erster Nachweis 2024 im Marktgräflerland

Die auch Goldgelbe Vergilbung genannte Krankheit wird durch einen bakterienähnlichen Schadorganismus verursacht und von der Amerikanischen Rebzikade übertragen. Diese Zikade wurde 2024 im Markgräflerland erstmals in Deutschland nachgewiesen. Durch das gemeinsame Auftreten des Krankheitserregers und des Überträgers in einem Gebiet besteht laut der Mitteilung die Gefahr einer schnellen Ausbreitung der Goldgelben Vergilbung.

Befallene Weinreben bilden den Angaben zufolge je nach Rebsorte zunächst vergilbte oder vorzeitig rot verfärbte Blätter aus, die sich nach innen einrollen. Die Beeren können eintrocknen und bitter schmecken. Erkrankte Rebstöcke sind daher nicht mehr für die Weinproduktion geeignet. Am Ende lässt ein Befall die Reben vorzeitig absterben. 

EU hält Krankheitserreger für gefährlich

In Ländern wie Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz oder Ungarn hat die Rebkrankheit bereits Schäden im Weinbau verursacht. Die Europäische Union hat den Krankheitserreger wegen seines hohen wirtschaftlichen Schadpotenzials als Quarantäneschaderreger eingestuft. Laut dem Julius Kühn-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, gab es bisher 2014 und 2020 lediglich an jeweils einer einzelnen Pflanze einen Befall der Goldgelben Vergilbung. Der Überträger war damals in Deutschland aber nicht nachgewiesen worden.

Nun waren laut dem Technologiezentrum einzelne Rebflächen in den Landkreisen Lörrach, Breisgau-Hochschwarzwald und Ortenaukreis in Südbaden betroffen. Um eine Ausbreitung zu verhindern, müssen befallene Reben unverzüglich gerodet und die Amerikanische Rebzikade mit Insektiziden bekämpft werden, erläuterte René Fuchs vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg. Eine entsprechende Verordnung der Behörden soll die konkreten Maßnahmen regeln.

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