Im Übernahmepoker um mehrere Vion-Schlachthöfe in Süddeutschland will die Premium Food Group ihrem Konkurrenten Westfleisch den Vortritt lassen. Clemens Tönnies, geschäftsführender Gesellschafter der Premium Food Group, bot am Montag auf dem Herbstdialog des Bayrischen Bauernverbands in Herrsching an, den Vertrag mit Vion zur Übernahme der deutschen Standorte Buchloe, Crailsheim und Waldkraiburg zu lösen, falls der Konkurrent Westfleisch die Standorte übernehmen sollte. „Ich trete von dem Vertrag sofort zurück, wenn Westfleisch zusagt, alle drei zum Verkauf stehenden Betriebe zu übernehmen“, erklärte Tönnies wörtlich.
Das Bundeskartellamt hatte die geplante Übernahme im Sommer untersagt. Tönnies hätte neben seiner bereits dominierenden Position bei der Schlachtung und Verarbeitung von Schweinen auch bei Rindern eine Führungsposition erlangt, argumentierten die Wettbewerbshüter. Das Unternehmen hätte nach eigenen Angaben allerdings weiterhin gute Chance gesehen, über eine Entscheidung beim Oberlandesgericht oder über eine mögliche Ministererlaubnis zum Zuge zu kommen.
Allerdings würde dadurch noch mehr Zeit vergehen, die die Landwirtschaft in Süddeutschland nicht habe. Tönnies begründete den angebotenen Rückzug mit der Situation der Landwirtschaft in Süddeutschland. „Die Hängepartie muss ein Ende haben“, zitierte das Unternehmen ihn in der Mitteilung.
Westfleisch will weitere Daten
Westfleisch-Chef Dr. Wilhelm Uffelmann reagierte am Montag zunächst zurückhaltend. Er stellte klar, dass „Westfleisch noch keine volle Transparenz über die Vion-Betriebe“ hätte. Die fehlende Einsicht in alle relevanten Zahlen und Daten erschwere eine fundierte Entscheidung. Doch auf die erneute Nachfrage und das wiederholte Angebot von Tönnies sagte Uffelmann: „Okay, dann machen wir das.“
Am Dienstag teilte Westfleisch auf Anfrage von Lebensmittel Praxis mit, man „begrüße die Entscheidung der Premium Food Group, die Hängepartie zur Restrukturierung der süddeutschen Schlachthofstruktur zu beenden und Vion den Weg für neue Gespräche freizumachen“. Und weiter: „Was die Rolle von Westfleisch betrifft, können wir derzeit noch keine konkreten Aussagen treffen, da uns eine detaillierte Einsicht in die Unterlagen bislang nicht möglich war. Westfleisch hält Wort und ist bereit, gemeinsam mit Vion an einer tragfähigen Lösung im Sinne der bayerischen Landwirtschaft zu arbeiten.“
Premium Food Group konzentriert sich auf Kempten
Die Premium Food Group will sich nun auf die Stärkung ihres Standorts Kempten im Allgäu konzentrieren, wie Tönnies betonte. Damit wolle man für den nötigen Wettbewerb sorgen.
Vion selbst teilte am Montag mit, dass sich nach der Untersagung durch das Bundeskartellamt bereits einige Interessenten gemeldet hätten. Man werde alle ernst gemeinten Vorschläge sorgfältig prüfen. Ziel sei eine langfristig tragfähige Lösung für das Unternehmen, die Teams und die Partner in der Region. Der Betrieb an den Standorten laufe wie gewohnt weiter.
