Die Staatsanwaltschaft Bielefeld ermittelt gegen einen Viehvermarkter wegen mutmaßlich gefälschter Haltungsformen bei mehr als 1.100 Rindern. Die Raiffeisen Viehzentrale (RVZ) hatte die Behörde selbst eingeschaltet, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte. Zur Anzahl der Beschuldigten und zum Stand der Ermittlungen äußerte sich die Sprecherin nicht.
Mehrere Hundert Tonnen falsch deklarierte Ware
Die betroffenen Rinder wurden nach Angaben der RVZ zwischen November 2023 und Januar 2024 fälschlich als Tiere der Haltungsform 3 deklariert. Diese Manipulationen führten angeblich dazu, dass mehrere Hundert Tonnen falsch gekennzeichnetes Fleisch und falsch deklarierte Wurst in den Handel gelangten.
Die Haltungsform ist ein freiwilliges Kennzeichnungssystem für Fleisch und verarbeitete Produkte von Schwein, Rind und Geflügel mit vier Stufen.
Wiederkehrende Täuschungsmuster in 43 Fällen
Kontrolleure der QS Qualität und Sicherheit, die bundesweit für die Qualitätssicherung in der Fleischwirtschaft zuständig ist, deckten die Manipulationen auf. Die RVZ beauftragte daraufhin die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG mit der Untersuchung des Falls. Laut RVZ ergab das Gutachten der Wirtschaftsprüfer wiederkehrende Täuschungsmuster in 43 Fällen.
Zwei RVZ-Mitarbeiter hatten demnach Zugriff auf Lieferpapiere und Standarderklärungen zu Lebensmittelketten-Informationen und konnten diese manipulieren.
Keine anderen Tiergattungen betroffen
Der Vorfall betrifft die Gesellschaft RVG mit Sitz im Münsterland, die nach der Fusion mit der Viehzentrale Südwest in der RVZ mit Sitz in Wolpertshausen aufgegangen ist. Nach Angaben der RVZ waren keine anderen Tiergattungen wie Lämmer, Schafe oder Schweine betroffen. Der RVZ sei weder ein Schaden noch ein finanzieller Vorteil durch die Täuschungen entstanden. Die Tochterunternehmen und Beteiligungen der RVZ seien zu keinem Zeitpunkt in die Vorgänge involviert gewesen.
Zahlreiche Konsequenzen bei der RVZ gezogen
Die RVZ leitete gegen einen mutmaßlich verantwortlichen Mitarbeiter arbeitsrechtliche Maßnahmen ein. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben weitere Konsequenzen gezogen. So überarbeitete die RVZ das Qualitätsmanagement, strukturierte die Abläufe in der Lieferkette neu und erfasst, kontrolliert und dokumentiert die Haltungsformen nun durchgehend digital.