Die Initiative Tierwohl erweitert ihr Programm für die Rindermast. Ab dem 1. Juni 2026 können sich Rindermastbetriebe für die beiden neuen Programme „Frischluftstall“ und „Auslauf/Weide“ anmelden und auditieren lassen, wie die Organisation mitteilte. Damit stehen Rinderhaltern künftig drei Programme mit unterschiedlichem Anforderungsniveau zur Verfügung, die den Stufen 2, 3 und 4 der Haltungsform-Kennzeichnung entsprechen. Bislang gab es für die Rindermast nur das Programm „Stall plus Platz“ auf Stufe 2.
Für Schweine- und Geflügelhalter bietet die Initiative Tierwohl nach eigenen Angaben bereits drei Programme an. Dieses Prinzip werde nun auf die Rindermast übertragen. „Mit den neuen Programmen für die Rindermast übertragen wir das bewährte ITW-Prinzip der aufeinander aufbauenden Tierwohlstufen konsequent auf eine weitere Tierart“, zitierte die Organisation ihren Geschäftsführer Robert Römer in der Mitteilung. Die Initiative reagiere damit auf die Nachfrage nach Fleisch aus höheren Haltungsformstufen.
Die neuen Programme stellen zusätzliche Anforderungen an die teilnehmenden Betriebe. Dazu gehören laut der Mitteilung ein höheres Platzangebot, Außenklimareize beim Programm „Frischluftstall“ sowie ein ständiger Zugang zu Auslauf oder Weide beim Programm „Auslauf/Weide“. Darüber hinaus nimmt die Initiative Tierwohl das Kriterium „Scheuermöglichkeiten“ in die Grundanforderungen für alle Programme auf. Voraussetzung für die Teilnahme bleibt eine QS-Lieferberechtigung. Betriebe, die bereits am bestehenden Programm teilnehmen, können den Angaben zufolge in ein höheres Programm wechseln, sofern sie die zusätzlichen Kriterien erfüllen.
Handel verhandelt Preisaufschläge frei
Für den Lebensmittelhandel relevant ist die Frage der Finanzierung: Für die beiden neuen Programme gibt es keine Empfehlungen zur Höhe des Preisaufschlags. Diese sollen frei zwischen den Marktbeteiligten verhandelt werden. Beim bestehenden Programm „Stall plus Platz“ bleiben die Aufpreisempfehlungen zunächst bestehen, steigen aber laut der Mitteilung zum 1. Juni 2027 von 10,7 Cent auf 12,83 Cent pro Kilogramm Schlachtgewicht. Grund dafür ist die dann verpflichtende Umsetzung der Scheuermöglichkeiten in den Grundanforderungen.
Die Initiative Tierwohl mit Sitz in Bonn besteht seit 2015 und vereint nach eigenen Angaben Partner aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft, Lebensmittelhandel und Gastronomie. Die Organisation will sicherstellen, dass ihre Programme den Vorgaben der sogenannten EmpCo-Richtlinie der Europäischen Union entsprechen, die eine verbesserte und vergleichbare Verbraucherinformation vorsieht.