Der Münchner Mischkonzern Baywa tauscht seine Führungsspitze aus. Vorstandschef Marcus Pöllinger verlässt das Unternehmen zum Monatsende, wie Baywa mitteilte. Finanzvorstand Andreas Helber scheidet zum 31. März 2025 aus. Der Aufsichtsrat zieht damit Konsequenzen aus der angespannten finanziellen Lage des Konzerns.
Laut Mitteilung trennen sich beide Seiten einvernehmlich. Nachfolger für die Spitzenposten stehen noch nicht fest. Das Unternehmen hat das Verfahren für die Neubesetzung eingeleitet. Der Unternehmensberater Michael Baur, bisher Generalbevollmächtigter, rückt nun auch formell in den Vorstand auf.
Baywa, der größte deutsche Agrarhändler, spielt eine wichtige Rolle für die Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung, besonders in Süd- und Ostdeutschland. Der Konzern kämpft mit einem Schuldenberg von mehr als fünf Milliarden Euro. 2023 und in der ersten Jahreshälfte 2024 verzeichnete Baywa Verluste in dreistelliger Millionenhöhe. Eine große Herausforderung stellt das Auslaufen eines Konsortialkredits über bis zu zwei Milliarden Euro im September 2025 dar.
Hauptaktionäre vereinbaren Finanzspritze
Die Hauptaktionäre – Beteiligungsgesellschaften der Genossenschaftsbanken in Bayern und Österreich – haben mit dem Baywa-Vorstand und Gläubigerbanken eine Finanzspritze in dreistelliger Millionenhöhe vereinbart. „Die Sanierung des Unternehmens wird voraussichtlich Jahre dauern“, teilte Baywa vor einigen Wochen mit. Branchenbeobachter erwarten, dass der Konzern Unternehmensteile verkaufen und dadurch schrumpfen wird.
Der Aufsichtsrat unter Führung von Gregor Scheller signalisiert mit den Personalentscheidungen den Willen zu einem Neuanfang. Viele Aktionäre sehen den früheren Vorstandschef Klaus Josef Lutz als Hauptverantwortlichen für die Schieflage. Lutz wies die Kritik in der „Süddeutschen Zeitung“ zurück.