DIHK-Außenwirtschaftsreport Geopolitische Spannungen erschweren Auslandsgeschäfte

Der internationale Handel wird für deutsche Unternehmen rauer. Neue Handelskonflikte, wachsende regulatorische Anforderungen und anhaltende geopolitische Spannungen setzen das Auslandsgeschäft zunehmend unter Druck. Das zeigt der Außenwirtschaftsreport 2026 der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).

Montag, 04. Mai 2026, 11:57 Uhr
Thomas Klaus
Internationale Geschäfte – für viele deutsche Unternehmen bleiben sie nach Erkenntnissen der DIHK attraktiv. Aber sie werden auch anspruchsvoller. Bildquelle: Arvid Nordquist HAB

Die DIHK hat den Außenwirtschaftsreport 2026 erstellt. Grundlage ist eine Umfrage unter den 79 Industrie- und Handelskammern (IHKs) mit insgesamt rund 382.000 Beratungskontakten pro Jahr. „Die Risiken im Auslandsgeschäft nehmen spürbar zu“, kommentiert Melanie Vogelbach, Bereichsleiterin für Internationale Wirtschaftspolitik und Außenwirtschaftsrecht bei der DIHK. „Unternehmen müssen sich gleichzeitig auf neue Handelsbarrieren, politische Unsicherheiten und immer komplexere Vorgaben einstellen. Das bindet Ressourcen und bremst die internationale Expansion.“ 

US-Handelspolitik steht im Zentrum

Im Zentrum steht derzeit vor allem die Handelspolitik der USA. Für viele IHKs gehört sie zu den aufwendigsten Beratungsthemen. Häufige Zollanpassungen, unklare Vorschriften und zusätzliche Nachweispflichten sorgen für erhebliche Planungsunsicherheit. „Das US-Geschäft wird für viele Betriebe zunehmend unberechenbar, gerade für kleinere Unternehmen wird der Marktzugang deutlich schwieriger“, so Vogelbach. 

Auch andere geopolitische Faktoren bleiben prägend. Die Sanktionen gegen Russland erfordern weiterhin intensive Prüfprozesse in den Unternehmen, während gleichzeitig neue Herausforderungen im China-Geschäft entstehen – etwa durch Exportkontrollen und Unsicherheiten in den Lieferketten.

Fortschritte bei Digitalisierung der Außenwirtschaftsprozesse

Parallel wächst nach DIHK-Darstellung der Druck durch regulatorische Vorgaben, vor allem aus Brüssel. Ob CO₂-Grenzausgleich, Entwaldungsverordnung oder Sorgfaltspflichten: Viele Unternehmen sehen sich mit komplexen und teils schwer umsetzbaren Anforderungen konfrontiert. „Die Vielzahl an Regelungen überfordert gerade mittelständische Betriebe“, sagt Vogelbach. „Oft fehlt es an klaren Verfahren und praktikablen Lösungen.“ 

Fortschritte gibt es aus Sicht der DIHK bei der Digitalisierung der Außenwirtschaftsprozesse. Seit September 2025 können Ursprungszeugnisse erstmals vollständig digital abgewickelt werden. Bereits 119.000 Exportsendungen wurden bis zum Jahresende über das neue Verfahren ausgestellt. „Das ist ein echter Fortschritt für die Praxis“, betont Vogelbach. „Digitale Verfahren sparen Zeit, reduzieren Fehler und erleichtern den Zugang zu internationalen Märkten.“ 

Internationale Geschäfte werden anspruchsvoller

Auch das Carnet-Verfahren – ein Zollverfahren für die vorübergehende, abgabenfreie Ein- und Ausfuhr von Waren – wird weiter modernisiert: Ab Mitte 2026 soll die Abwicklung für die EU, die Schweiz, Norwegen und das Vereinigte Königreich per App und QR-Code erfolgen – ein weiterer Schritt hin zu weniger Bürokratie im grenzüberschreitenden Warenverkehr. 

Die Zahl der ausgestellten Ursprungszeugnisse ist 2025 um 4,2 Prozent auf rund 1,03 Millionen gesunken. Gleichzeitig wächst ihre strategische Bedeutung, etwa im Kontext von Zöllen und Handelskonflikten.  

Der Befund des Reports ist eindeutig: Weniger Routine, mehr Komplexität. „Internationale Geschäfte bleiben für viele Unternehmen attraktiv – aber sie werden deutlich anspruchsvoller“, so Vogelbach. „Damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibt, braucht es dringend einfachere und verlässlichere Rahmenbedingungen.“ 

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