Der Pro-Kopf-Verbrauch von Tiefkühlprodukten in Deutschland hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Im Durchschnitt konsumierten die Deutschen 51,6 Kilogramm tiefgekühlte Lebensmittel – 800 Gramm mehr als im Vorjahr, wie das Deutsche Tiefkühlinstitut mitteilte. Noch 2020 hatte der Wert bei knapp 45 Kilogramm gelegen.
Die Hersteller setzten den Angaben zufolge im vergangenen Jahr mehr als 4,2 Millionen Tonnen ab, ein Plus von 2,5 Prozent gegenüber 2024. Der Umsatz stieg nominal um 4,5 Prozent auf rund 23,6 Milliarden Euro. Der Verband führt den Anstieg allerdings auch auf höhere Preise zurück, die durch gestiegene Kosten für Löhne, Energie, Verpackungen und Rohstoffe bedingt seien. Die Zahlen beruhen laut Verband auf einer Umfrage unter Herstellern und Importeuren; amtliche Daten gibt es nicht.
Etwa die Hälfte von Umsatz und Absatz entfiel auf den Außer-Haus-Markt – also auf Restaurants, Cafés und Gemeinschaftsgastronomie etwa in Kitas oder Altenheimen. Die andere Hälfte verteilte sich auf Supermärkte, Discounter und Heimdienste wie Bofrost. Im Lebensmittelhandel blieb die Tiefkühlpizza das meistverkaufte Produkt der Branche: Fast 400.000 Tonnen gingen über die Ladentheke, gut 1 Prozent mehr als im Vorjahr. Zuwächse verzeichneten auch Fisch, Geflügelfleisch, komplette Fertiggerichte, Brot und Brötchen sowie Obst. Rückläufig entwickelten sich dagegen anderes Fleisch, Eintöpfe, Suppen und Teige. Die größten Anteile am Pro-Kopf-Verbrauch entfielen laut Verband auf Backwaren mit 13,7 Kilogramm und Gemüse mit 6,4 Kilogramm.
Charité-Forscher Kabisch warnt vor sozialer Schieflage
Verbands-Geschäftsführerin Sabine Eichner verwies auf veränderte Konsumgewohnheiten: „Die Verpflegung zu Hause, insbesondere mit Fertiggerichten, hat weiter zugelegt“, zitierte sie das Deutsche Tiefkühlinstitut in seiner Mitteilung. Einen positiven Einfluss habe der zunehmende Einsatz von Heißluftfritteusen, die oft schneller und energiesparender als der Backofen seien. Knapp 39,3 Millionen Haushalte kauften demnach tiefgekühlte Lebensmittel und gaben dafür im Durchschnitt fast 220 Euro aus.
Der Ernährungsforscher Stefan Kabisch von der Berliner Charité ordnete die Entwicklung kritischer ein. Bei tiefgekühlten Produkten mit aufwendigerer Verarbeitung oder vielen Zutaten sei eher ein Rückgang zu beobachten. „Diese Entwicklung spiegelt die soziale Notlage vieler Haushalte wider“, sagte Kabisch. Vielen Menschen fehle das Geld für frische, gesunde Lebensmittel. Im Zuge des Irankriegs und der Energiepreissteigerungen muss die Branche dem Verband zufolge zudem damit rechnen, dass sich die in Herstellung und Lagerung energieintensiven Produkte weiter verteuern. Wie stark sich das auswirke, lasse sich derzeit nicht absehen.