Vorhergesagt Die Rückkehr der Ballaststoffe – Social Media zeigt, warum sie zählen

Hintergrund

Social-Media-Trends beeinflussen das Geschäft immer stärker. Welche Hypes das Potenzial haben, Sortimente zu verändern.

Donnerstag, 19. März 2026, 07:40 Uhr
Lina Arnold
Artikelbild Die Rückkehr der Ballaststoffe – Social Media zeigt, warum sie zählen
Relevanz braucht Emotion –
manchmal auch doppeldeutige.
Vollkorn und Fermentation: Social Media feiert Ballaststoffe. Bildquelle: Screenshots

Fiber over Protein

Nach Jahren des Protein-Hypes kippt nun der Fokus. Die guten alten Ballaststoffe sind zurück. Auf Social Media heißt es jetzt „Fiber over Protein“. Statt maximalem Muskelaufbau geht es um Darmgesundheit, Blutzucker-Stabilität und langfristiges Wohlbefinden. Essen wird nicht mehr als Performance-Tool gesehen, sondern als Systempflege. Wer gut verdaut, lebt besser. Diese Logik setzt sich fest, vor allem bei jüngeren Zielgruppen. Ballaststoffe stehen dabei für einen neuen Health-Ansatz: Es geht nicht um Verzicht, sondern um Balance und einen gesunden Lifestyle. Um Lebensmittel, die sättigen, regulieren und langfristig wirken. Viele Produkte sind bereits ballaststoffreich – sie wurden nur nie so erzählt. Jetzt zählt Reframing. Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gemüse und Fermentation bekommen einen neuen Wert. Erfolgreiche Marken machen nun Ballaststoffe als essenziellen Teil der Ernährung verständlich, zeigen sie genussvoll und machen sie sichtbar.

Freezer Fine Dining

Tiefkühlkost wird schick. Was früher Notlösung war, wird jetzt immer mehr zur bewussten Wahl für Konsumenten. Freezer Fine Dining beschreibt den Trend, hochwertige Gerichte tiefgekühlt anzubieten – authentisch international und kompromisslos im Geschmack. Nach Premium-TK-Pizzen folgen asiatische Küchen, osteuropäische Klassiker und Spezialitäten aus aller Welt. Der Gefrierschrank wird zur globalen Speisekarte. Der Reiz liegt in der Kombination aus Qualität und Kontrolle. Gute Küche, jederzeit verfügbar. Keine Planung, kein Food Waste, kein Qualitätsverlust. TK wird hier zum Innovationsraum. Komplexe Gerichte lassen sich skalieren, ohne an Authentizität zu verlieren. Neue Marken können schneller starten, etablierte sich neu erfinden. Entscheidend ist das Storytelling: Herkunft, Rezeptur und Genussmoment müssen klar kommuniziert werden. Wer Tiefkühlung nicht als Kompromiss, sondern als Qualitätsversprechen versteht, trifft den Zeitgeist. Convenience wird erwachsen und hat Klasse!

Sexy Food & Guilty Pleasure

Mit der neuen Kampagne „50 Shades of Scharf“ greift KFC bewusst auf popkulturelle Lustbilder zurück. Die Anspielung auf die berühmte Restaurant-Szene aus Harry & Sally zeigt, wie Essen heute erzählt wird: körperlich, übertrieben, emotional. Nicht vernünftig, sondern reizvoll. Genuss muss im Essenskontext nicht erklärt werden, sondern wird erlebbar. Auf Social Media ist die Bildsprache rund um anzügliche Food-Videos längst etabliert. Close-ups von einem Finger, der durch Sauce wischt oder wie der Finger dann abgeleckt wird. Einige Creator zeigen auf ihren Kanälen ihre liebsten Rezepte und wie sie diese auf spezielle verruchte Weise zubereiten – und die Community liebt es! Die Angst vor Provokation in dem Bereich ist mit der Gen Z längst überholt. Wer relevant bleiben will, muss Emotionen zulassen. In diesem Fall auch doppeldeutige. Wichtig ist kulturelles Feingefühl, nicht Zurückhaltung. Pop-Referenzen, plattformspezifisches Storytelling und klare Genussversprechen machen Produkte begehrlich. Der Appell lautet also: Händler und Food-Marken dürfen sich 2026 ruhig trauen, ein Augenzwinkern zu riskieren.

Die LP-Kolumnistin Lina Arnold ist CEO von Joli und Expertin für Food-Trends und Konsumverhalten. Mit viel Gespür und Einblick in große Datenbanken zeigt sie, welche Trends den Lebensmittelhandel beeinflussen und wie Marken davon profitieren.

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manchmal auch doppeldeutige.

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