Chinesische Onlineplattformen Temu und Shein kosten den deutschen Handel Milliarden

Temu und Shein verursachen im deutschen Einzelhandel jährlich rund 2,5 Milliarden Euro Umsatzverlust. Mehr als 40.000 Arbeitsplätze sind laut einer neuen Analyse bereits weggefallen. Der Handelsverband fordert nun, den Plattformen notfalls den Zugang zu sperren.

Donnerstag, 23. April 2026, 12:08 Uhr
Theresa Kalmer
2025 gingen laut HDE täglich rund 460.000 Pakete von Temu und Shein nach Deutschland – ein Volumen, das die Dimension des Wettbewerbs für den Handel deutlich macht. Bildquelle: Getty Images

Die chinesischen Onlineplattformen Temu und Shein kosten den deutschen Einzelhandel nach einer neuen Schätzung jährlich rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Beratungsunternehmens IW Consult im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE). Der tatsächliche Umsatzausfall für die gesamte deutsche Wirtschaft liege demnach bei rund fünf Milliarden Euro, da jeder Euro Umsatz im Einzelhandel etwa zwei Euro Umsatz in der Gesamtwirtschaft erzeuge – etwa durch Mieten, Energie, Logistik und Löhne.

Laut der Analyse sind in Deutschland durch die beiden Plattformen bereits mehr als 40.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, die meisten davon im Einzelhandel. „Wenn es Temu und Shein nicht gäbe, dann würde ein Großteil der Käufe im deutschen Einzelhandel getätigt. Dafür wären mehr Beschäftigte nötig“, zitierte der HDE den Wirtschaftswissenschaftler Marco Trenz vom Institut der Deutschen Wirtschaft. Trenz erwartet den Angaben zufolge, dass die Umsätze der beiden Plattformen weiter steigen und mittelfristig noch mehr Arbeitsplätze wegfallen. Zudem entgingen Bund, Ländern und Kommunen durch die Verlagerung der Käufe bis zu 420 Millionen Euro an Steuereinnahmen pro Jahr.

Grundlage der Schätzung ist eine repräsentative Umfrage unter 4.000 Verbrauchern zwischen 16 und 69 Jahren, die im Februar online befragt wurden. Demnach hätten 51 Prozent der Temu- und Shein-Nutzer die dort gekauften Produkte zum gleichen Preis auch woanders erworben, wenn die chinesischen Plattformen nicht verfügbar gewesen wären. 19 Prozent wären sogar bereit gewesen, mehr Geld auszugeben. Laut HDE verschickten Temu und Shein im Jahr 2025 täglich 460.000 Pakete nach Deutschland.

HDE-Präsident von Preen fordert härteres Vorgehen

HDE-Präsident Alexander von Preen forderte ein härteres Vorgehen gegen die Plattformen. Diese erfüllten oft nicht die rechtlichen Vorgaben und verbreiteten unsichere Ware. „Wenn sonst nichts hilft, muss bei solch massiven Regelverstößen der Stecker gezogen werden“, sagte von Preen laut der Mitteilung. Beide Unternehmen wiesen die Kritik zurück. Ein Temu-Sprecher erklärte, die Plattform ermögliche Tausenden Unternehmen in Deutschland und Europa den Zugang zu einem globalen Kundenstamm. Ein Shein-Sprecher bezeichnete die Vorwürfe als haltlos und verwies darauf, dass mehr als 600 deutsche Unternehmen über die Plattform verkauften und Shein in den vergangenen drei Jahren Hunderte Millionen Euro an Steuern in Deutschland entrichtet habe.

Die Europäische Union reagiert unterdessen mit neuen Abgaben auf die Paketflut aus Drittstaaten. Ab Juli soll für jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro eine Abgabe von drei Euro gelten. Ab November kommt zudem eine neue Bearbeitungsgebühr für jedes aus einem Drittstaat in die EU eingeführte Produkt hinzu, deren Höhe noch nicht feststeht. Langfristig sollen alle in die EU importierten Waren ab dem ersten Euro zollpflichtig werden. Darüber hinaus laufen gegen beide Plattformen Untersuchungen der EU-Kommission wegen möglicher Verstöße gegen das Gesetz über digitale Dienste. Das Bundeskartellamt leitete im Oktober ein Verfahren gegen das Unternehmen hinter Temu ein und prüft den Verdacht unzulässiger Vorgaben bei der Preisgestaltung für Händler in Deutschland.

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