Steigende Kosten Krieg im Iran treibt Lebensmittelpreise in Deutschland nach oben

Der Konflikt im Iran verteuert Energie, Dünger und Logistik – und damit zahlreiche Lebensmittel in Deutschland. Experten rechnen mit höheren Preisen bei Backwaren, Milchprodukten, Tiefkühlkost und Fleisch. Die Bundesregierung will nun gegensteuern und berät über inflationsbremsende Maßnahmen.

Montag, 23. März 2026, 08:46 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Der Krieg im Nahen Osten ist Tausende Kilometer von Deutschland entfernt und hat doch längst Firmen und Verbraucher erreicht. Nicht nur an Tankstellen spüren die Menschen den Ölpreisschock, er droht sich über höhere Energie- und Transportkosten tief in viele Lebensbereiche und Branchen zu fressen. Bildquelle: Getty Images

Der Krieg im Iran droht die Lebensmittelpreise in Deutschland deutlich steigen zu lassen. Experten rechnen vor allem bei energieintensiven Produkten wie Backwaren, Milchprodukten und Tiefkühlkost mit Preissteigerungen, wie aus einer Zusammenfassung der Nachrichtenagentur dpa hervorgeht. Auch Produkte mit langen Lieferwegen wie Fisch oder Obst könnten wegen höherer Logistik- und Beschaffungskosten teurer werden, sagte der Handelsexperte Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn. Branchenexperte Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung Köln geht davon aus, dass der Handel die Zusatzkosten zumindest teilweise an die Verbraucher weiterreichen wird.

Besonders kritisch ist den Angaben zufolge die Lage bei Getreide, Mais, Soja und Reis. Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft verwies auf die gestiegenen Düngemittelpreise. „Hier sind Preissteigerungen wahrscheinlich“, sagte die Ökonomin laut der dpa-Zusammenfassung. Da Soja und Mais auch als Futtermittel dienten, könne auch Fleisch teurer werden. Hintergrund der steigenden Düngerpreise sind verzögerte Lieferungen von Ammoniak, weil rund ein Fünftel des Welthandels mit diesem Rohstoff durch die gesperrte Straße von Hormus läuft. Der Industrieverband Agrar erklärte, es gebe bislang keine Probleme bei der Versorgung der Landwirtschaft mit Mineraldüngern. „Bislang sind erste Auswirkungen auf die Preisentwicklung zwar spürbar, aber von Preisspitzen wie nach Russlands Überfall auf die Ukraine vor vier Jahren ist der Markt noch weit entfernt“, hieß es vom Verband.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie erwartet ebenfalls Folgen für die Preise. Die Kosten für Produktion und Auslieferung an den Lebensmittelhandel nähmen deutlich zu, sagte Geschäftsführer Olivier Kölsch. Auch der Deutsche Brauer-Bund warnte vor höheren Produktionskosten in der Getränkebranche infolge steigender Energie- und Rohstoffpreise.

Bauernpräsident Rukwied warnt vor sprunghaft steigenden Diesel- und Düngerkosten

Die Landwirte spüren die Auswirkungen des Konflikts bereits unmittelbar. Bauernpräsident Joachim Rukwied verwies auf die sprunghaften Preissteigerungen bei Diesel und Dünger, die gerade zur Frühjahrsbestellung besonders schmerzhaft seien. Von März bis Juni benötigten die Betriebe bis zu ein Drittel ihres Jahresverbrauchs an Diesel, erklärte Rukwied laut der dpa-Zusammenfassung.

Die Lebensmittelpreise beschäftigen mittlerweile auch die Bundesregierung. Die Taskforce von Union und SPD, die sich zuletzt mit den hohen Spritpreisen befasst hatte, will sich nun den Kosten für Lebensmittel widmen, wie der stellvertretende SPD-Fraktionschef Esra Limbacher ankündigte. Die Taskforce werde „inflationsbremsende Maßnahmen“ beraten. Limbacher brachte ein Sofortprogramm für heimische Düngerproduzenten sowie Steuererleichterungen im Nahrungsmittelbereich ins Spiel. Ökonomen rechnen insgesamt mit einer deutlich anziehenden Inflation und einem Dämpfer für die ohnehin fragile Konjunkturerholung in Deutschland.

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