Zahlungsverkehr Verbraucherzentralen fordern Quote für Bargeld an SB-Kassen

Die Akzeptanz von Bargeld sinkt im Handel kontinuierlich. Besonders an Selbstbedienungskassen ist Barzahlung oft nicht möglich. Die Verbraucherzentralen warnen vor einem Ausschluss von Kindern, Jugendlichen und älteren Menschen.

Montag, 05. Januar 2026, 09:06 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Mit Karte oder Handy zu bezahlen, finden viele praktisch – beim Wocheneinkauf oder nur für zwei Brötchen. Es gibt aber immer mehr Kassen, die kein Bargeld nehmen. Verbraucherschützer besorgt das. Bildquelle: Getty Images

Die Verbraucherzentralen warnen vor zunehmenden Schwierigkeiten beim Bezahlen mit Bargeld im Alltag. Die Akzeptanz von Bargeld für Zahlungen im Handel, der Gastronomie und für öffentliche Verwaltungsleistungen sinke kontinuierlich, sagte die Finanzexpertin des Bundesverbands, Dorothea Mohn, der Deutschen Presse-Agentur. Besonders an Selbstbedienungskassen in Supermärkten, Drogerien und Baumärkten sei Barzahlung oft nicht möglich.

Wenn Barzahlungen nicht mehr akzeptiert würden, drohe Menschen ohne Zugang zu digitalen Zahlmethoden wie Kindern und Jugendlichen oder älteren Erwachsenen ein Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe, warnte Mohn. Zudem komme es zu Konflikten und Mehraufwand etwa durch längeres Warten. Die Verbraucherschützer fordern deshalb, dass auch bei neuen Technologien Barzahlungen möglich sein müssen. „Dies muss durch eine Quote von Bargeld annehmenden Ticketautomaten, Selbstbedienungskassen oder besetzten Bedienkassen je Geschäft erreicht werden“, zitierte die Deutsche Presse-Agentur aus einem Forderungspapier des Verbands.

Im Einzelhandel mit insgesamt rund 710.000 Kassen gibt es inzwischen 38.650 Selbstbedienungskassen, wie eine Studie des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI ergab. Die Zahl steigt weiter, nachdem es 2023 noch gut 16.000 waren. Zwei Drittel der Geräte stehen im Lebensmittelhandel. Nicht überall ist Barzahlung möglich. Bei einem Verbraucheraufruf des Verbands gingen von Mitte März bis Mitte Juni online 1.300 Meldungen zu schwierigen Fällen beim Barzahlen ein. „Selbst Kleinstbeträge müssen in einigen Geschäften digital bezahlt werden“, heißt es zum Ergebnis.

Bundesbank sieht Akzeptanz bei 98,7 Prozent

Für Kunden biete Bargeld viele Vorteile, die es zu bewahren gelte, mahnen die Verbraucherzentralen. Es schütze die Privatsphäre, ermögliche eine einfache Kontrolle der eigenen Ausgaben und funktioniere immer, auch ohne Internet und Strom. Bei digitalen Zahlungen komme es immer wieder zu Problemen, beispielsweise weil das Kartenterminal nicht funktioniert oder eine Karte nicht akzeptiert wird. Traditionell ist Bargeld in Deutschland weiterhin beliebt, doch die Nutzung sinkt. So wurden 2023 nach einer Bundesbank-Studie 51 Prozent der Bezahlvorgänge im Alltag bar beglichen – sieben Punkte weniger als bei einer Studie 2021.

Nach einer im Dezember vorgelegten Untersuchung der Bundesbank ist die Akzeptanz nahezu flächendeckend. Bei 2.000 Testkäufen in Einzelhandel, Gastronomie und bei Dienstleistern im Sommer war demnach in 98,7 Prozent der Fälle Barzahlung im ersten Anlauf möglich, bei 0,7 Prozent auf Rückfrage oder an anderen Kassen. Bei Stichproben in Behörden etwa beim Ausstellen von Ausweisen habe sich aber gezeigt, dass Barzahlungen nicht immer möglich sind – in acht von 30 Fällen sei das nicht gegangen, erläuterte die Bundesbank. Laut einer Umfrage im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands gaben 30 Prozent an, im vergangenen halben Jahr in einem Café oder Geschäft vor der Situation gestanden zu haben, nicht bar bezahlen zu können, weil dies nicht möglich war. Befragt wurden vom Institut Eye Square vom 21. bis 30. Oktober 1.000 Menschen ab 16 Jahren.

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