Selbstbedienungskassen Zwei Drittel der Kunden bevorzugen Kassen mit Personal

Trotz wachsender Verbreitung von Selbstbedienungskassen kaufen die meisten Deutschen lieber an bedienten Kassen ein. Einer Kantar-Umfrage zufolge scannen nur 33 Prozent ihre Waren lieber selbst. Besonders skeptisch sind ältere Kunden – doch der Handel baut die Technik wegen Personalmangels weiter aus.

Dienstag, 16. Juni 2026, 09:36 Uhr
Theresa Kalmer (mit dpa)
Selbstbedienungskassen sind auf dem Vormarsch, stoßen bei vielen Verbrauchern aber noch auf Vorbehalte. Bildquelle: Getty Images

Trotz der wachsenden Verbreitung von Selbstbedienungskassen in deutschen Supermärkten und Discountern bevorzugt eine deutliche Mehrheit der Kunden weiterhin klassische Kassen mit Personal. Das geht aus einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Kantar hervor, für die vom 4. bis 8. Juni online rund 1.000 Menschen zwischen 16 und 64 Jahren befragt wurden. Demnach ziehen 67 Prozent bediente Kassen vor, nur 33 Prozent scannen ihre Waren lieber selbst.

Marktforscherin Exel empfiehlt Hilfspersonal

Die Gründe für die Vorliebe sind vielfältig: 42 Prozent derjenigen, die bediente Kassen bevorzugen, schätzen den Umgang mit Menschen mehr als mit einer Maschine. 40 Prozent nannten Gewohnheit als Motiv, 39 Prozent zahlen lieber mit Bargeld – was an den meisten Selbstbedienungskassen nicht möglich ist. 28 Prozent gaben an, beim Selbstscannen länger zu brauchen als das Kassenpersonal. Seltener spielten Angst vor Bedienfehlern (21 Prozent) oder Überforderung (16 Prozent) eine Rolle. Mehrfachnennungen waren bei der Umfrage möglich.

Wer hingegen Selbstbedienungskassen bevorzugt, schätzt vor allem die Möglichkeit, das eigene Tempo zu bestimmen: 56 Prozent dieser Gruppe nannten dies als Grund. 51 Prozent führten kürzere Wartezeiten an, 38 Prozent macht das Selbstscannen nach eigener Aussage mehr Spaß. Kantar-Marktforscherin Stefanie Exel wies darauf hin, dass viele Menschen mit Selbstbedienungskassen noch nicht ausreichend vertraut seien – auch jüngere Generationen nicht. Eine breitere Nutzung werde sich „nicht automatisch einspielen“. Hilfspersonal an den Terminals könne Sicherheit geben, bis der Umgang vertrauter sei.

Ältere Kunden besonders skeptisch – Handel baut trotzdem aus

Besonders ausgeprägt ist die Skepsis bei älteren Kunden: Unter den 55- bis 64-Jährigen bevorzugen laut der Umfrage 87 Prozent klassische Kassen, nur 13 Prozent Selbstbedienungskassen. Bei noch älteren Kunden dürfte der Anteil laut Exel vermutlich noch höher liegen. Menschen zwischen 16 und 44 Jahren stehen den Systemen dagegen grundsätzlich offener gegenüber.

Dennoch bauen Lebensmittelhändler und Drogerien die Technik weiter aus – vor allem wegen der schwierigen Personalsituation in der Branche. Nach einer Schätzung des Handelsforschungsinstituts EHI verfügen derzeit rund 12.500 Geschäfte in Deutschland über etwa 50.000 Selbstbedienungskassen. Täglich nutzen diese laut EHI-Experte Frank Horst 1,5 bis 2 Millionen Menschen, vor allem bei kleineren Einkäufen. Bei größeren Einkäufen mit 30, 40 oder mehr Artikeln seien die Kassen hingegen weniger komfortabel. „Viele sehen darin sogar Vorteile, weil sie das Tempo bestimmen können und der Druck nicht so groß ist wie bei bedienten Kassen“, sagte Horst mit Blick auf ältere Nutzer.

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