Nach den Worten des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner ist der seit Sonnabend anhaltende Stromausfall Folge eines politisch motivierten Anschlags. Die Täter seien „offenkundig Linksextremisten“, sagte er. Ein entsprechendes Bekennerschreiben liegt vor.
Schwerwiegende Schäden und komplizierte Reparatur
Die Unternehmen in Berlin rechnen mit schweren wirtschaftlichen Folgen. Der Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg, Alexander Schirp, sprach von dass Schäden in Millionenhöhe an Anlagen und Maschinen sowie hohen Umsatzausfällen. Der Stromausfall führe zu extremen Belastungen für die Unternehmen, so Schirp.
Rund 38.000 Haushalte und mehr als 2.000 Gewerbekunden waren am Sonntag abend wegen des Stromausfalls noch nicht wieder am Netz. Anfänglich waren 45.000 Haushalte betroffen.
Der Betreiber Stromnetz Berlin geht davon aus, dass alle betroffenen Haushalte erst am Donnerstag wieder mit Strom versorgt werden können. Die Schäden am Stromnetz sind nach Angaben des Betreibers so schwerwiegend und die Reparatur so kompliziert, dass die Notlage außergewöhnlich lange dauern wird.
Von der Dimension ist dieser Stromausfall nach Angaben von Stromnetz Berlin vergleichbar mit einem ähnlichen Fall im September im Südosten Berlins. Auch dort ging es um etwa 50.000 Kunden. Der Stromausfall zog sich über Tage hin. Ursache damals war ein linksextremistisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten.
Brandsätze direkt unter Kabeln platziert
Ein Brand an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal zum Kraftwerk Lichterfelde hatte am Sonnabend wichtige Leitungen beschädigt. Betroffen sind die Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde.
Es seien Brandsätze direkt unter den Kabeln platziert worden, erläuterte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey. Sie führte aus: „Die Kraft, mit der eine kontinuierliche Hitzeentwicklung und ein kontinuierlicher Brand erfolgt ist, war größer als die Kraft, die eine Kugelbombe hätte auslösen können.“ Giffey weiter: „Eine Kugelbombe hätte unseren Leitungen, so wie sie gesichert sind, nichts anhaben können.“
Das Berliner Stromnetz hat laut Giffey eine Länge von etwa 35.000 Kilometern. 99 Prozent davon seien bereits unter der Erde.
Auch Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen betroffen
Die Unternehmensverbände halten einen besseren Schutz sensibler Anlagen für nötig. „Der Stromausfall zeigt, dass unsere Infrastruktur nicht ausreichend und zeitgemäß gegen Angriffe und Unfälle geschützt ist“, sagte Schirp. „Das ist ein ernstes Problem und schürt Unsicherheit in der Wirtschaft.“ Es müsse bessere Konzepte für den Schutz und Reaktionspläne für den Krisenfall geben.
Schon tagsüber mussten Supermärkte und viele Läden schließen, weil ohne Elektrizität nichts mehr ging. Heizungen funktionieren ohne Strom ebenfalls meist nicht, weil der für Pumpen und Regler gebraucht wird. Sogar die Fernwärme war nach Angaben des Senats beeinträchtigt, weil die Pumpen ohne Strom die Wärme nicht zuverlässig transportieren.
Im Gebiet des Stromausfalls liegen auch mehrere Pflegeheime, deren Bewohner teils in andere Einrichtungen gebracht wurden. Krankenhäuser stellten auf Notstromversorgung um.