Vor dem Landesgericht Innsbruck hat der Prozess gegen den österreichischen Unternehmer René Benko und seine Frau Nathalie begonnen. Die Verteidigung wies die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück. Die Anklage sei nicht belegt und im Grunde „Hokuspokus“, sagte Benkos Anwalt Norbert Wess. Es sei „unglaublich einseitig ermittelt“ worden, sagte Michael Hohenauer, der Anwalt von Nathalie Benko.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ehepaar vor, rund um die Insolvenz Benkos als Einzelunternehmer im März 2024 Bargeld und Vermögenswerte vor den Gläubigern versteckt zu haben. In einem eigens angeschafften Tresor hätten die beiden 120.000 Euro Bargeld und elf teure Uhren im Wert von fast 250.000 Euro beiseitegeschafft, so die Staatsanwaltschaft vor Gericht. Den Kauf des Tresors habe Nathalie Benko organisiert. Der Tresor sei bei Verwandten der Ehefrau aufgestellt worden. Deshalb habe sie zur Tat und damit zur Schädigung der Gläubiger beigetragen, so die Staatsanwaltschaft. Ein ehemaliger Sicherheitsmitarbeiter der Benkos hatte den Ermittlern von dem Tresor erzählt. Bei dem Delikt drohen bis zu zehn Jahre Haft.
Die Staatsanwaltschaft hält die Aussage Benkos für nicht glaubwürdig, dass er jeweils vier Uhren bereits zu Weihnachten 2021 seinen zwei Söhnen im Alter von damals sechs und elf Jahren geschenkt habe. Auf Weihnachtsfotos von 2021 seien dem Alter der Kinder angemessene Geschenke zu sehen, sagte der Oberstaatsanwalt. „Teure Uhren und Manschettenknöpfe waren nicht dabei“, sagte der Staatsanwalt. Es sei auch zu fragen, warum das Geld und die Gegenstände nicht in der hochgradig gesicherten Villa der Benkos aufbewahrt worden seien. Die Verteidigung argumentierte, dass Uhrengeschenke in dieser Dimension bei sehr vermögenden Menschen nicht ungewöhnlich seien. Benko sei damals auf dem Höhepunkt seines Erfolgs gewesen.
Benko wurde bereits im Oktober verurteilt
Wegen des Vorwurfs der Gläubigerschädigung war Benko im Oktober zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Benko sieht sich als nicht schuldig. Sein Anwalt beantragte einen Freispruch. Nathalie Benko sei „nicht schuldig“, sagte ihr Anwalt. Es ist möglich, dass noch am Mittwoch ein Urteil fällt.
Die beiden Verfahren sind nur ein kleiner Ausschnitt der Vorwürfe, zu denen die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien ermittelt. Weitere Anklagen gelten als sicher. Die Holding des verschachtelten Immobilien- und Handelskonzerns Signa war im November 2023 in die Insolvenz geschlittert. Benko sitzt seit Januar 2025 in Untersuchungshaft.
