Das Angebot an frischen Gänsen aus Deutschland könnte zu Weihnachten kleiner ausfallen. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft führt dies auf die Geflügelpest zurück.
Bereits rund 1,5 Millionen Tiere getötet
Im Zuge der aktuellen Infektionswelle töteten Behörden in Deutschland bereits rund 1,5 Millionen Tiere. Der Anstieg der Fälle verläuft steiler als 2020/2021 - einem der bisher schlimmsten Geflügelpest-Winter, wie Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts feststellen. Nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft töteten Behörden bei gehaltenen deutschen Gänsen bis zum 10. November etwa 5 Prozent der Tiere wegen der Seuche vorzeitig.
Lage insgesamt weniger dramatisch als befürchtet
Verbraucher müssen für deutsche Gänse im Einzelhandel im Durchschnitt 19,30 Euro pro Kilo zahlen – 53 Cent je Kilo mehr als 2024, wie Mechthild Cloppenburg von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mitteilte. Aber: „Insgesamt sieht es weniger dramatisch aus als zunächst befürchtet.“ Der Zentralverband sprach von aktuell stabilen Preisen für deutsche Gänse, die bei 18 bis 22 Euro je Kilo lägen.
Einige Halter ziehen aufgrund des hohen Risikos der Vogelgrippe die Schlachtung ihrer Tiere vor. Das berichtete Wolfgang Schleicher, Geschäftsführer des Zentralverbandes. „Mit Blick auf Weihnachten ist zu vermuten, dass die polnische Frischware aufgrund vieler Vogelgrippe-Fälle in Polen ebenfalls knapp wird“, sagte er.
Jäger melden steigende Nachfrage nach Wildbret
Jäger berichten, dass Verbraucher beim Festtagsbraten verstärkt zu Wildbret greifen. Die Geflügelpest in Brandenburg lasse Verbraucher umdenken – sie setzten zunehmend auf Wild aus heimischen Revieren, berichtete der Landesjagdverband Brandenburg.
In Restaurants ist die Vogelgrippe laut Deutschem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) nicht der Haupttreiber für die Preise. Gastronomen seien generell mit Preissteigerungen konfrontiert. Sollte es durch die Vogelgrippe zu einer weiteren Verknappung von Geflügelprodukten wie Weihnachtsgänsen kommen, seien weitere Preiserhöhungen nicht auszuschließen, hieß es.
Keine Engpässe bei Geflügelfleisch-Versorgung insgesamt zu erwarten
Bei importierten Gänsen als Tiefkühlprodukt beobachtet der Verband eine deutliche Preissteigerung von bis zu 120 Prozent. Polnische Erzeugnisse seien im vergangenen Jahr im Großhandel für drei Euro und weniger je Kilo angeboten worden, wie der Verband mitteilte.
Bei der Versorgung mit Geflügelfleisch insgesamt sowie mit Eiern aus Deutschland seien keine Engpässe zu erwarten. Allerdings könne es regional und zeitlich begrenzt zu Einschränkungen kommen. Wegen der Entschädigungen der von der Geflügelpest betroffenen Betriebe durch die Tierseuchenkassen rechnet der Zentralverband damit, dass Beiträge dafür steigen werden.