Aigners Lebensmittel-Portal Portal am Pranger - Nachgefragt

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner setzt bei der Produkt-Kennzeichnung mit ihrem Internet-Portal auf Information. Verbraucher sollen sich dort auch über Etikettenschwindel austauschen können. Die Branche fürchtet, öffentlich gebrandmarkt zu werden.

Donnerstag, 04. November 2010 - Sortimente
Susanne Klopsch und Markus Oess
Artikelbild Portal am Pranger - Nachgefragt
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Nachgefragt

Etikettenschwindel und schimpfende Kunden im Markt? Das sagt die Basis zum Aigner-Portal:

Dietmar Tönnies, Geschäftsführer Rewe Tönnies OHG, Odenthal

Es gibt bereits einige Internet-Plattformen und Netzwerke, bei denen Verbraucher ihren Unmut äußern können. Ich verstehe das geplante Interportal von Frau Aigner daher als zusätzliches Angebot. Mehr staatliche Kontrollen lehne ich ab, stattdessen fordere ich mehr Selbstverantwortung eines jeden Einzelnen. Schließlich kann der Verbraucher selbst entscheiden, ob er ein Produkt kauft oder nicht. Der Kunde möchte mit der Kennzeichnung auf der Verpackung ehrlich und offen informiert werden. Ein Dialog zwischen Verbrauchern und Herstellern ist immer gut. Die Industrieunternehmen müssen sich auch damit auseinandersetzen, was die Kunden von einer verbraucherfreundlichen Lebensmittelkennzeichnung und Verpackung erwarten – immer mit dem Ziel vor Augen, dass sich ein Produkt dann erfolgreicher verkaufen lässt.

Mandy Beyer, Marktleiterin E-Center Meuschau, Merseburg-Meuschau
In unserem Markt haben sich noch keine Kunden beschwert, weil sie bei einem bestimmten Produkt einen Etikettenschwindel oder eine Verbrauchertäuschung vermuten. Grundsätzlich begrüße ich das Vorhaben von Frau Aigner. Ob der Verbraucher das Internetportal nutzt, ist eine andere Frage. Da kommt dann doch wieder die Bequemlichkeit durch. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung immer älter wird. Sie geht nicht ins Internet, um dort einen möglichen Etikettenschwindel aufzuzeigen. Das geplante Internetportal ist zumindest für unsere Kunden, die im Durchschnitt 58 Jahre alt sind, seniorenunfreundlich. Ich wünsche mir einen besseren Dialog zwischen Herstellern und Kontrollbehörden. Die Industrie sollte dazu gezwungen werden, die Inhaltsstoffe klarer zu kennzeichnen. Die Deklaration auf den Packungen muss so gestaltet sein, dass jeder Kunde sie entziffern und auch verstehen kann, ohne ein Lebensmitteltechnologie-Studium absolviert zu haben.

Gerhard Krumbach, Inhaber Rewe Markt Krumbach OHG, Augustdorf

Die Lebensmittelkennzeichnung reicht völlig aus, deshalb beschwert sich bei uns kein Kunde. Die Deklaration könnte bei manchen Produkten lediglich etwas größer gedruckt werden. Ich glaube aber, dass die meisten Verbraucher gar nicht darauf achten, was in den Lebensmitteln enthalten ist. In der Gastronomie, in Imbissbuden oder Eisdielen fragt auch fast kein Mensch danach, was in den Gerichten steckt oder wie viel eine Kugel Eis wiegt. Das Internetportal von Frau Aigner wird daher meines Erachtens etwas überbewertet. Gleichwohl ist darauf zu achten, dass hier kein Produkt öffentlich an den Pranger gestellt werden darf, ohne dass der Hersteller vorher dazu Stellung nehmen und mögliche Fehler korrigieren konnte. Viel wichtiger als das Internetportal ist es, die Verbraucher schon von Klein auf besser über eine gesunde Ernährung aufzuklären. Die Hersteller sollten den Kontakt zum Verbraucher weiter forcieren.

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