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Ohne Gentechnik Gentechnikfreie Lebensmittel bevorzugt

Lebensmittel Praxis | 06. August 2019
Ohne Gentechnik : Gentechnikfreie Lebensmittel bevorzugt
Bildquelle: LP-Archiv

Vor zehn Jahren führte Ilse Aigner (Foto m.) als Ministerin das staatliche „Ohne GenTechnik“-Siegel ein. Heute bevorzugen 69 Prozent der Bevölkerung Lebensmittel mit dieser Kennzeichnung. 71 Prozent bewerten die Fütterung von Tieren mit gentechnisch veränderten Pflanzen als negativ.

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Mittlerweile tragen mehr als 14.000 Lebensmittel in Deutschland diese Kennzeichnung. Darunter rund 5.400 Milchprodukte, 4.100 Geflügelfleischwaren und fast 2.200 Eiererzeugnisse. Produkte mit „Ohne GenTechnik“-Siegel haben 2018 einen Gesamt-Jahresumsatz von 7,7 Milliarden Euro erzielt. Für 2019 wird von Experten des Verband Lebensmittel ohne Gentechnik ein Umsatz von 8,5 Milliarden Euro erwartet.

Florian Bauer (Foto r.), Geschäftsführer der Bauer-Gruppe, bewertet das Siegel positiv: „Deutschland hat hier klare Regeln zur Kennzeichnung erlassen. Es wäre an der Zeit, dies auch in der EU durchzusetzen.“

Während die Verwendung von Gentechnik-Pflanzen in der Europäischen Union im Futtermittel deklariert werden muss, fehlt trotz der ablehnenden Haltung der Bevölkerung auf den damit hergestellten tierischen Lebensmitteln jeglicher Hinweis auf die Gentechnik. Verbraucher können so nicht erkennen, ob Produkte wie Milch, Fleisch oder Eier von Tieren stammen, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden. In der EU enthalten die meisten handelsüblichen Mischfuttermittel gentechnisch verändertes Sojaschrot. Damit schaffen es die Gentechnik-Pflanzen unbemerkt in immer mehr Supermarktregale.

Ob bei einer EU-weiten Regelung auch Produkte der sogenannten „Neuen Gentechnik“ unter das Gentechnikrecht fallen, bleibt ungewiss. Unter den Begriff „Neue Gentechnik“ fällt die als „Gen-Schere“ bekannt gewordene Technik CRISPR/Cas – eine molekularbiologische Methode, um DNA gezielt zu schneiden und zu verändern. Der Europäische Gerichtshof entschied sich im Juli 2018 für die Kennzeichnungspflicht von CRISPR/Cas veränderten Pflanzen.

Befürworter der Technologie, wie der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina Jörg Hacker, kritisieren diese Einstufung. Da mittels Genomediting gewonnene Pflanzen, die auch durch konventionelle Methoden hätten gezüchtet werden können, jetzt nicht unter denselben Bedingungen wie diese in den Verkehr gebracht werden dürften, sondern wie gentechnisch veränderte Organismen behandelt werden müssten.