Anzeige

Aigners Lebensmittel-Portal Portal am Pranger

Susanne Klopsch und Markus Oess | 04. November 2010
Aigners Lebensmittel-Portal: Portal am Pranger

Bildquelle: iStockphoto

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner setzt bei der Produkt-Kennzeichnung mit ihrem Internet-Portal auf Information. Verbraucher sollen sich dort auch über Etikettenschwindel austauschen können. Die Branche fürchtet, öffentlich gebrandmarkt zu werden.

Anzeige

Bundesverbraucherschutz-Ministerin Ilse Aigner will „mehr Klarheit und Wahrheit" ftür den Verbraucher. Man arbeite auf europäischer Ebene mit Nachdruck an einer Regelung für eine klare Kennzeichnung von Schinken- und Käse-Imitaten. „Auch Produkte wie Formfleisch müssen ehrlich und ohne Beschönigungen gekennzeichnet werden. Die Verbraucher haben Anspruch auf Transparenz", sagte Aigner. Zudem setze sich das Ministerium für eine bessere Lesbarkeit von Etiketten und eine verpflichtende Nährwertkennzeichnung vorverpackter Lebensmittel ein. Zudem hat das Ministerium das bestehende „1 plus 4" – Modell für die wichtigsten Nährwertangaben auf Lebensmittelpackungen (Gesamtkalorien plus Zucker, Fett, gesättigte Fettsäuren und Salz) weiterentwickelt und den Leitfaden für die deutsche Lebensmittelwirtschaft neu aufgelegt. „

Bessere Kennzeichnung, mehr Transparenz und ein entschlossenes Vorgehen gegen Etikettenschwindel, dafür setze ich mich ein", sagte Aigner. Was vom Arbeitstitel irgendwie an ein Jugend-Kombinatsprojekt aus alten DDR-Tagen erinnert, hat in der Lebensmittelbranche reflexartig einen Aufschrei des Erschreckens ausgelöst. Denn Herzstück der Aigner-Kampagne ist ein Internet-Portal, das Verbraucher besser informieren und „Fälle von Etikettenschwindel" schneller aufdecken soll. „Das neue Portal ist ein Beitrag zu mehr Transparenz auf dem Markt und eröffnet einen neuartigen Dialog zwischen Verbrauchern und Wirtschaft", so die CSU-Politikerin. „Ich bin mir sicher, viele Verbraucher werden das Internet-Portal nutzen, – zum Beispiel auch, weil sie mehr darüber erfahren wollen, was sich hinter einzelnen Vorschriften etwa zur regionalen Herkunftskennzeichnung verbirgt." Schnell machte da das Wort vom Internet-Pranger die Runde, wenn Verbraucher öffentlich Marken und ihre Hersteller bzw. Lieferanten in Verbindung mit Irreführung oder gar Betrug in Verbindung bringen können, einfach so, ohne eingehende Prüfung, ohne Kontrolle.

Das Lebensmittel-Portal wird wahrscheinlich unter „lebensmittelcheck.de" im Netz zu finden sein. Neben einem großen Info-Teil werden Expertenforen und Chats angeboten, um mit den Verbrauchern auch direkt ins Gespräch zu kommen. Nach Aussage von Hartmut König wird im Rahmen des Portals eine produktbezogene Datenbank eingerichtet. Verbraucher können Lebensmittel mit für sie fragwürdigen Etikettierungen oder Werbeaussagen per Eingabemaske melden oder der Verbraucherzentrale zuschicken. König ist Leiter der Ernährungsabteilung der hessischen Verbraucherzentrale, die im Auftrag des Bundesministeriums das Portal entwickelt und betreiben wird. „Mit der Datenbank erhalten die Verbraucher die Möglichkeit, Irreführungen anzuzeigen. Der Fall wird dann von der Verbraucherzentrale fachlich bewertet und gleichzeitig werden die Lieferanten bzw. Hersteller um eine Stellungnahme gebeten, Verbraucherbeschwerde mit Produktbeispiel, Expertenmeinung und Stellungnahme des Herstellers werden in die Datenbank eingestellt."

Für König ist das Portal keineswegs ein Pranger, sondern ein Kommunikationsforum rund um Kennzeichnung. Sollten Rechtsverstöße festgestellt werden, geht die Verbraucherzentrale dagegen mit Abmahnungen vor. König: „Das ist im Übrigen sowieso unser tägliches Geschäft. Wir wachen schon heute über die Einhaltung der gesetzlichen Kennzeichnungsregelungen." Der Verbraucherschützer nennt als Beispiel für Beanstandungen die Darstellung eines idyllischen Bauernhofes auf der Eierverpackung, die den Eindruck erweckt, die Eier stammten von Freilandhühnern, es aber nicht tun.

Bild


Ilse Aigner
Bildquelle: Quelle: Laurence Chaperon / BMELV}