Aigners Lebensmittel-Portal Portal am Pranger - Start des Projektes ist März 2011

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner setzt bei der Produkt-Kennzeichnung mit ihrem Internet-Portal auf Information. Verbraucher sollen sich dort auch über Etikettenschwindel austauschen können. Die Branche fürchtet, öffentlich gebrandmarkt zu werden.

Donnerstag, 04. November 2010 - Sortimente
Susanne Klopsch und Markus Oess
Artikelbild Portal am Pranger - Start des Projektes ist März 2011
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Entscheidend sei aber der Gesamteindruck des verpackten Produktes und welche Versprechungen damit verbunden seien.
Start des Projektes ist März 2011 mit einer Laufzeit von drei Jahren. Für die Internet-Aktivitäten wurden bei der Verbraucherzentrale Hessen zweieinhalb Planstellen geschaffen z.B. IT-Fachkräfte und Ernährungswissenschaftler. Auf die Frage, warum das Portal eingerichtet werden muss, entgegnet König: „Die Verbraucher sind sehr viel aufmerksamer mit dem Umgang von Lebensmitteln geworden. Gleichzeitig ermöglicht die technische Entwicklung, die Produkte in ihrer Zusammensetzung und Beschaffenheit stark zu verändern. Die abweichende Beschaffenheit wird den Verbrauchern aber nicht deutlich genug kenntlich gemacht. Ich hoffe, das Portal führt zu einer Verringerung der Abmahnungen, da die Kommunikation zwischen Verbraucher und Hersteller sehr viel früher einsetzen kann und so Korrekturen ermöglicht." Den Aufschrei von Handel und Industrie kann König nicht verstehen. Abgesehen davon, ist das Portal Teil eines Gesamtkonzeptes des Verbraucherschutzministeriums. Die Entscheidung, zu kooperieren und das Portal zu einem Erfolg für alle Beteiligten zu machen, liege bei Handel und Industrie. „Die verschiedenen Interessen im Rahmen von Klarheit und Wahrheit waren frühzeitig beratend eingebunden waren."

Erich Harsch, Chef der Drogeriemarkt-Kette dm, erklärte gegenüber der LEBENSMITTEL PRAXIS, dass „bei uns Transparenz und Vertrauenswürdigkeit gegenüber den Verbrauchern höchste Priorität haben. Egal ob Eigenmarke oder Industriemarke fühlen wir uns den Kunden verpflichtet, wenn der Inhalt nicht hält, was die Verpackungen verspricht. Wir setzen aber auf Freiwilligkeit, nicht auf Zwang." Grundsätzlich ist der Manager bei staatlichen Regulierungen, die leicht auch zu viel des Guten verlangen können, skeptisch: „Ausnahmen bestätigen die Regel, nehmen Sie nur die jüngste Finanzkrise. Hier hätte der Staat schon viel früher eingreifen müssen." Soweit so gut, nur wo beginnt für Sie beim Einkauf die Eigenverantwortung der Verbraucher? „Das ist eine schwierige Frage", entgegnet Harsch. „Besteht eine gewisse Schutzbedürftigkeit, etwa bei Kindern oder Jugendlichen, sind die Grenzen schneller erreicht als bei Erwachsenen. Verantwortung kann nur der tragen, der in der Lage ist, die Folgen seines Handelns abzuschätzen. Und dazu bedarf es eben auch des Zugangs zu den nötigen Informationen und der Transparenz von Unternehmen."

Grundsätzlich, so die Industrie- und Handelsverbände, habe kein Unternehmer etwas gegen Verbraucherinformation und entsprechende Aufklärung. Nur das mit dem Pranger sei weniger schön. Wenn das Portal Mechanismen verfestigen würde, die Verbrauchern erlauben würden, ungeprüft und auch noch mit ministeriellen Segen Unternehmen und ihre Produkte öffentlich vorzuführen, nur weil der Kunde mit den Angaben nichts oder nur wenig anfangen könne oder gar aus purer Lust am Schaden herummäkelt – das wäre in der Tat ein Fiasko. Spätestens im Frühjahr 2011 wissen wir mehr.

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