Der Bau eines geplanten Dosenwerks für Red Bull im brandenburgischen Baruth/Mark verzögert sich um rund ein Jahr. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte den bisherigen Bebauungsplan aus formellen Gründen gekippt – es ging dabei um Vorgaben zur Lärmbegrenzung. Der Betrieb solle nun 2028 starten, teilten die beteiligten Unternehmen am Rande einer Werksbesichtigung mit.
Die österreichischen Unternehmen Red Bull und der Safthersteller Rauch halten dennoch an dem Vorhaben fest. Noch im vierten Quartal 2026 sollten die Arbeiten beginnen, sagte Projektkoordinator Björn Hofbauer. Neben dem Dosenwerk ist demnach auch eine Logistikhalle geplant. Bislang war von einer dreistelligen Millionen-Investition die Rede.
Der langjährige Bürgermeister Peter Ilk rechnet damit, dass im Frühjahr 2027 mit den Bauarbeiten begonnen werden könnte – sofern das Verfahren für einen neuen Bebauungsplan im Herbst abgeschlossen wird. Seit dem 13. Juli ist der Entwurf samt Unterlagen zu Wasser, Lärm und Artenschutz öffentlich einsehbar. Neue Klagen schloss Ilk nicht aus.
Die Verzögerung hat konkrete Folgen: Der Vizepräsident des Dosenherstellers Ball Deutschland, Welf Jung, sagte: „Natürlich hätten wir gerne vermieden, für ein weiteres Jahr Leerdosen nach Baruth zu transportieren.“ Die Aluminiumdosen werden bislang aus dem Süden Deutschlands angeliefert, was rund 12.000 Lkw-Fahrten pro Jahr ausmache.
Künftig sollen die Dosen direkt neben der bestehenden Abfüllung in Baruth hergestellt werden. Für die Erweiterung müssten 17 Hektar Kiefernwald gerodet werden. Bereits jetzt laufen in dem Werk rund um die Uhr vier Abfülllinien, die nach Unternehmensangaben jeweils rund 120.000 Dosen pro Stunde befüllen.
Umweltgruppen warnen vor Wasserknappheit durch Red Bull
Im Kern des Konflikts steht die Wassernutzung. Red Bull und Rauch dürfen laut einer wasserrechtlichen Genehmigung von 2018 bis zu 6.500 Kubikmeter Grundwasser pro Tag entnehmen – insgesamt rund 2,35 Millionen Kubikmeter im Jahr. Zum Vergleich: Die Tesla-Fabrik im nahen Grünheide verbrauchte 2024 rund 1,8 Millionen Kubikmeter. Ein Netzwerk von Umweltgruppen befürchtet Wasserknappheit in der Region.
Brandenburg gehört laut Wissenschaftlern zu den Gebieten mit der geringsten Grundwasserneubildung in Deutschland. Ein Ressourcenbündnis Baruth kritisierte, die Getränkeunternehmen dürften „extrem hochwertiges Urstromtal-Grundwasser entnehmen, in einen ungesunden Energydrink verwandeln, in ebenso umwelt- wie gesundheitsschädliche Aluminiumdosen abfüllen und nach ganz Nord- und Ost-Europa“ exportieren. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Andrea Lübcke forderte ein neues Wassergutachten, da das bisherige fast 20 Jahre alt sei.
Red Bull betont, dass für die Werkserweiterung kein zusätzliches Wasser benötigt werde – der Bedarf des Dosenwerks solle durch gereinigtes Abwasser gedeckt werden. Bürgermeister Ilk hält ein neues Wassergutachten derzeit nicht für erforderlich und verwies auf ein ständiges Monitoring sowie den Austausch mit dem Landesumweltamt. Dieses erklärte auf Anfrage der dpa, es ergäben sich keine Hinweise auf eine Übernutzung der Grundwasservorräte. Zusätzlichen Konfliktstoff könnte die geplante Ansiedlung eines Rechenzentrums von Amazon Web Services in Baruth bergen, das ebenfalls Wasser benötigen dürfte. Das Vorhaben befindet sich den Angaben zufolge noch in einem frühen Stadium.