Über 300 Unternehmen der Getränkebranche haben sich in einem offenen Brief gegen die Einführung einer Zuckersteuer auf Getränke ausgesprochen. Die Unternehmen wenden sich darin an die Bundesregierung, um auf die wirtschaftliche Situation der mittelständisch geprägten Getränkewirtschaft aufmerksam zu machen, wie aus dem Schreiben hervorgeht. Eine Zuckersteuer würde Verbraucher und Betriebe in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zusätzlich belasten, heißt es in dem Brief.
Die Getränkewirtschaft in Deutschland, so heißt es, bestehe vor allem aus hunderten in der Region verwurzelten Familienbetrieben, darunter viele kleinere Brunnen, Brauereien und Hersteller von Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränken. Diese Unternehmen verfügten über begrenzte finanzielle, personelle und administrative Ressourcen und seien in den letzten Jahren durch steigende Kosten etwa für Energie, Logistik, Verpackungen und Personal überlastet. Der Einbruch des privaten Konsums und die Krise der Gastronomie hätten die Situation verschärft. Zusätzliche Belastungen durch eine Steuer und deren betriebliche Umsetzung würden viele Unternehmen hart treffen, warnen die Verfasser des Briefs.
Für Verbraucher bedeute die geforderte Steuer zusätzliche Belastungen und höhere Ausgaben, heißt es weiter. Jede Preiserhöhung für Lebensmittel werde Haushalte mit niedrigem Einkommen in besonderer Weise treffen. „Tragen müssen diese Lasten alle Konsumentinnen und Konsumenten, unabhängig davon, ob die bemühten gesundheitlichen Erwägungen für sie überhaupt relevant sind“, zitiert der Brief die Unternehmen. Die Verfasser bezweifeln zudem die Wirksamkeit einer Zuckersteuer. Studien, die mit Blick auf Gesundheitsförderung einen solchen staatlichen Eingriff befürworteten, beruhten wesentlich auf Modellrechnungen, die eine Wirkung lediglich unterstellten, jedoch nicht belegten.
Branche verweist auf Zuckerreduktion um 15 Prozent
Die Branche habe längst bei der Kalorien- und Zuckerreduktion gehandelt, betonen die Unternehmen. So sei der Zuckergehalt von marktrelevanten Erfrischungsgetränken nach offiziellen Erhebungen seit 2018 um rund 15 Prozent reduziert worden. Maßgeblich hierfür sei eine freiwillige Selbstverpflichtung, die durch Reformulierungen, Innovationen und ein breiteres Produktangebot erfolgreich umgesetzt worden sei. Die Einführung einer Steuer würde diesen erfolgreichen Ansatz nachträglich konterkarieren, argumentieren die Verfasser.
Übergewicht und ernährungsmitbedingte Erkrankungen ließen sich nicht durch die isolierte Verteuerung einzelner Produkte oder Kategorien lösen, heißt es in dem Brief weiter. „Die Betriebe brauchen in außergewöhnlich fordernden Zeiten Verlässlichkeit und eine Perspektive für die Zukunft, keine neuen Belastungen“, appellieren die Unternehmen an die Bundesregierung.
Zu den Unterzeichnern zählen zahlreiche Brauereien, Safthersteller, Mineralbrunnen und Getränkekonzerne wie Red Bull und Coca-Cola.