Lebensmittelkennzeichnung EU-Parlament verbietet bestimmte Fleischbegriffe für vegetarische Produkte

Das Europaparlament hat mit großer Mehrheit beschlossen, dass Begriffe wie „Speck" oder „Kotelett" künftig nicht mehr für pflanzliche Produkte verwendet werden dürfen. Bezeichnungen wie „Burger" oder „Wurst" bleiben dagegen erlaubt. Bundesernährungsminister Rainer hält die Neuregelung für überflüssig.

Dienstag, 16. Juni 2026, 13:51 Uhr
Theresa Kalmer
Deutschland ist nach Angaben von Branchenvertretern der größte Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Viele Hersteller könnten ihre Produkte künftig neu benennen müssen. Bildquelle: LP-Archiv / Carsten Hoppen

Das Europaparlament hat mit großer Mehrheit für ein Verbot bestimmter Fleischbezeichnungen bei vegetarischen Produkten gestimmt. Begriffe wie „Speck“, „Hühnchen“, „Rippchen“ oder „Kotelett“ dürfen demnach künftig in der EU nicht mehr für pflanzliche Alternativprodukte verwendet werden. 560 Abgeordnete stimmten in Straßburg für den Gesetzesvorschlag, 75 dagegen, 25 enthielten sich.

Das Verbot betrifft Bezeichnungen, die sich auf bestimmte Tierarten, Fleischsorten oder einzelne Teilstücke beziehen – etwa Geflügel, Rindfleisch, Schulter, Leber oder Speck. Auch für im Labor gezüchtete oder zellbasierte Produkte sollen diese Begriffe tabu sein. Gängige Bezeichnungen wie „Burger“, „Wurst“ oder „Schnitzel“ dürfen dagegen weiterhin für pflanzliche Produkte genutzt werden. Ein entsprechendes weitergehendes Verbot, das Abgeordnete im vergangenen Jahr ins Spiel gebracht hatten, setzte sich nicht durch.

Der Beschluss basiert laut der Mitteilung auf einem Kompromiss, den Abgeordnete Anfang März mit Vertretern der EU-Staaten ausgehandelt hatten. Bevor die Regeln in Kraft treten, müssen die Mitgliedstaaten noch formell zustimmen und die Vorgaben in nationales Recht umsetzen. Dabei können sie einzelne Sektoren und Produkte ausnehmen.

Ernährungsminister Rainer kritisiert unnötigen Mehraufwand für die Branche

Bundesernährungsminister Alois Rainer bewertete die Einigung zurückhaltend. „Die Verbraucher sind schlau und mündig. Sie wissen längst, dass im Veggie-Schnitzel kein Fleisch ist“, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Die Liste mit Begriffen, die künftig Fleischprodukten vorbehalten sind, kritisierte er: „Wir hätten uns gewünscht, dass diesbezüglich gar keine Neuregelung kommt.“ Die Regelung bedeute für die Branche unnötigen Mehraufwand. Deutschland gilt nach Angaben von Wirtschaftsvertretern als größter Markt für pflanzliche Alternativprodukte in Europa. Unternehmen müssten Produkte umbenennen und könnten sie möglicherweise nicht mehr so einfach vermarkten, argumentierten Branchenvertreter.

Neben den Bezeichnungsregeln enthält das Gesetzesvorhaben auch Maßnahmen zur Stärkung der Verhandlungsposition von Landwirten. So sollen schriftliche Verträge zwischen Erzeugern und Abnehmern verpflichtend werden, damit Produktionskosten berücksichtigt werden.

Neue Produkte

Im Heft