Die Landesvereinigungen der Milchwirtschaft aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben am 20. Januar 2026 in Berlin zum elften Nordwestdeutschen Milchtreff geladen. Rund 300 Gäste aus Landwirtschaft, Molkereiwesen, Lebensmittelhandel sowie aus Verbänden und Politik folgten der Einladung in die Landesvertretung Nordrhein-Westfalen beim Bund, wie die Veranstalter mitteilten.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine Keynote des Kommunikationsdesigners und Beraters Hendrik Haase. Er beschäftigte sich mit der Frage, wie Künstliche Intelligenz, algorithmische Empfehlungen und soziale Medien die Wahrnehmung von Lebensmitteln verändern. „Die entscheidenden Debatten über Ernährung finden heute nicht mehr in Talkshows des linearen Fernsehens statt, sondern in Millionen personalisierten Newsstreams und KI-Gesprächen mit Chatbots“, zitierte die Mitteilung Haase.
Den Angaben zufolge warnte Haase davor, den digitalen Wandel als technisches Randthema zu betrachten. Entscheidend sei nicht mehr allein, was kommuniziert wird, sondern wie Inhalte von Algorithmen als relevant eingeordnet, gewichtet und ausgespielt werden. „Künstliche Intelligenz verändert nicht nur Prozesse, sondern auch Deutungsmacht“, sagte der Berater weiter. „Wer heute nicht algorithmisch verstanden wird, findet morgen kaum noch statt.“
Haase sieht Chancen für regionale Erzeuger
Haase sieht nach eigenen Angaben aber auch Chancen in dieser Entwicklung, insbesondere für Landwirtschaft, regionale Erzeugung und eine glaubwürdige Kommunikation entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Künstliche Intelligenz könne Transparenz, Differenzierung und neue Formen des Dialogs ermöglichen, wenn sie bewusst und verantwortungsvoll eingesetzt werde. „Lebensmittel bleiben analoge Produkte“, zitierte die Mitteilung Haase. „Geschmack, Genuss und Gemeinschaft lassen sich nur schwer digitalisieren. Aber wie darüber gesprochen, gesucht und entschieden wird, verändert sich grundlegend – und genau hier liegt die strategische Aufgabe für die Branche.“
Zur Begrüßung betonte Matthias Roßbach, Bevollmächtigter des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund, die Bedeutung der Landwirtschaft für Nordrhein-Westfalen. Hans Stöcker, Rheinischer Vorsitzender der Landesvereinigung der Milchwirtschaft Nordrhein-Westfalen, hob die Bedeutung des Themas Künstliche Intelligenz für die Branche hervor. Die Veranstaltung wurde von mehreren Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie dem Landeskontrollverband Nordrhein-Westfalen unterstützt.