Speiseeis Inhalt und Verpackungsgrößen – mit welchen Konzepten Eishersteller in die Saison gehen

Hintergrund

Der Speiseeis-Markt verändert sich: Kleine Geschäfte kämpfen, in Discountern und Verbrauchermärkten liegen Single-Packungen im Trend. Welche Strategien Hersteller jetzt fahren.

Dienstag, 03. März 2026, 07:40 Uhr
Hedda Thielking
Mini-Becher, Maxi-Nachfrage: Single-Portionen punkten bei den Kunden. Bildquelle: Adobe Stock, Hedda Thielking

Der Sommer 2025 zeigte sich launisch – mal Sonne, mal Regen – und auch der Speiseeis-Markt bekam die wechselhaften Temperaturen zu spüren. Unterm Strich blieben Absatz und Umsatz im deutschen Lebensmitteleinzelhandel, Discounter eingeschlossen, fast auf Vorjahresniveau. Das belegen aktuelle Marktdaten von Circana. Doch hinter diesen stabilen Zahlen verbergen sich zum Teil deutliche Verschiebungen zwischen den Verkaufsstätten, Marken und Gebinden.

Besonders erwischt hat es die kleinen Supermärkte bis 799 Quadratmeter. Sie verloren nicht nur überdurchschnittlich in der Menge (-7,4 Prozent; bezogen auf Absatz in Litern), sondern auch im Wert (-3,3 Prozent). Das Minus zieht sich durch sämtliche Kategorien. Einzige Ausnahme: Single-Packungen der Handelsmarken legten in den kleinen Geschäften zweistellig zu.

Discounter spürten Absatzrückgänge von insgesamt 1,5 Prozent, bei einem Umsatzplus von 2,5 Prozent. Behauptet haben sich ebenfalls vor allem Single-Packungen: Ihr Absatz legte um 6,1 Prozent zu (Marken +5,4 Prozent). Multipackungen der Handelsmarken verloren bei Discountern stärker als die der Markenhersteller.

Verbrauchermärkte ab 800 Quadratmeter haben das Absatzniveau vom Vorjahr um 0,2 Prozent knapp verpasst. Hier verzeichneten die Single-Packungen sogar ein Verkaufsplus von 9,4 Prozent. Handelsmarken haben diesen Trend offenbar erkannt: So konnten diese Läden die Verkaufsmenge von Kleinpackungen insgesamt fast verdoppeln (Marken +0,8 Prozent) und den Umsatz mehr als verfünffachen – wenn auch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Dagegen schwächelte der Verkauf von Multipackungen um insgesamt 2,3 Prozent.

Family-Packungen entwickelten sich in Discountern und Verbrauchermärkten solide: Sowohl Absatz als auch Umsatz wuchsen im einstelligen Prozentbereich.

Die Daten zeigen: In allen Verkaufskanälen haben die Kunden weniger Multipackungen (bezogen auf Liter), aber mehr Klein-Packungen in Discountern und Verbrauchermärkten gekauft. Wandelt sich der Markt – weg von Multipacks, hin zu Single-Packungen?

Hersteller optimistisch

Dr. Gotthard Kirchner, General Manager Froneri Ice Cream Deutschland, sieht das nicht so: „Betrachtet man den Absatz in Stückzahlen, zeigt sich sowohl für das Jahr 2025 als auch langfristig ein positives Wachstum. Multipackungen bleiben damit nicht nur das größte Segment im Speiseeis, sondern gewinnen auch nachhaltig an Bedeutung.“

Auch Florida-Eis-Chef Olaf Höhn kann die Entwicklung in der Eisbranche so nicht nachvollziehen, erzielte sein Unternehmen im vergangenen Jahr doch ein Umsatzplus von 10 Prozent – gleichmäßig verteilt auf die 150- und 500-Milliliter-Becher. Aktuell entwickelt er zusätzlich eine Multipackung mit vier Bechern in unterschiedlichen Sorten. „Diese wird im Frühsommer kommen“, kündigt Olaf Höhn an. Zudem habe die Manufaktur ein neues Zitroneneis aus frischen Zitronen kreiert. Und im Bereich Milcheis werde es die neuen Sorten Tiramisu, Popcorn und Joghurt Himbeere Choco geben. Zusätzlich startet die Eismanufaktur mit Moppi eine weitere Kooperation mit den Fernsehsendern RBB und MDR.

Mälzer & Fu wechselt zu Froneri

Bisher hatte Florida Eis auch das Speiseeis Mälzer & Fu in seiner Manufaktur produziert und den Vertrieb übernommen. Doch im Sommer vergangenen Jahres erhielt Florida-Eis-Chef Olaf Höhn überraschend die Kündigung. Der Geschäftsführer von Mälzer & Fu nannte ihm kaufmännische Gründe, man wolle das Eis nun deutschlandweit vermarkten. „Bis Ende Februar produzieren wir noch Mälzer & Fu, dann wird es industriell hergestellt“, teilt Olaf Höhn der Lebensmittel Praxis mit.

Wer jetzt am Ball ist? Froneri hat sich das Lizenzgeschäft exklusiv gesichert. Höhn nimmt es mittlerweile gelassen. Denn: Starkoch Tim Raue, für den Höhn bereits Eis für das Sphere-Restaurant im Berliner Fernsehturm produziert, möchte künftig intensiver mit der Berliner Eismanufaktur zusammenarbeiten.

Froneri hat sich somit ein weiteres exklusives Lizenzgeschäft geangelt und vermarktet das Eis eigenen Angaben zufolge ab der zwölften Kalenderwoche. Der Hersteller kündigt 2026 einige neue Eissorten an. Mit Milka Peanut Butter, Lotus Sandwich, Pirulo Fruit Explosion und Smarties Rocket bringt Froneri beispielsweise vier weitere neue Produkte in Multipacks auf den Markt. Für den Impulsbereich hat der Hersteller zum Beispiel Nuii Milk Chocolate & Ethiopian Cold Brew Coffee kreiert. Zudem erweitert das Unternehmen das Portfolio mit der Herstellung und dem Vertrieb von Lotus Biscoff Ice Cream.

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Neue Player, neue Verpackungen

Markenhersteller müssen sich künftig auf einen weiteren Mitbewerber einstellen: Fruchtspezialist San Lucar stellte auf der Fruit Logistica in Berlin sein Frutissimo-Sortiment vor. „Basis unseres Eissortiments sind unsere Früchte, der Fruchtgehalt beträgt je nach Sorte 43 bis 52 Prozent. Alle Sorten sind pflanzenbasiert“, berichtet San-Lucar-Chef Armin Rehberg. „Wir kommen mit sechs Sorten in den Lebensmitteleinzelhandel, und zwar Heidelbeere, Mango, Himbeere, Erdbeere, Zitrone und Haselnuss.“ Standardgröße ist der 420-Milliliter-Becher, der UVP für das Premium-Eis liegt bei 6,99 Euro je Becher. Zusätzlich bietet San Lucar einen Multipack mit den sechs verschiedenen 80-Milliliter-Bechern, einschließlich integrierten Holzlöffels.

In Sachen Verpackung sind manche Hersteller ebenfalls kreativ: So bringt Cremissimo in Kooperation mit Cornetto das Speiseeis Soft & Crunchy in einer Zwei-Kammer-Verpackung in den Handel. Hier sind Eis und Cornetto-Waffelstückchen getrennt verpackt. Cremissimo hat sich diese Technologie patentieren lassen. Das Produkt ist in drei Varianten erhältlich.

Mit einem überarbeiteten Logo- und Verpackungsdesign bringt Mars Wrigley die Eisriegel von Snickers und Twix in die Eistruhen. Damit wolle man die Sichtbarkeit im Regal erhöhen und jüngere Zielgruppen besser ansprechen. Die Gestaltung kombiniert eine moderne Umsetzung mit einer nostalgischen Retro-Anmutung.

Rolle der Influencer

Welchen Hype Influencer auslösen können, zeigte Kikis Kitchen im vergangenen Jahr. Sie promotet das Frozen Dessert von Friends of Asia exklusiv für Kaufland. Das Frozen Dessert in Fruchtformen ging in den sozialen Medien viral. „Mittlerweile bieten wir sechs Sorten an: Pfirsich, Erdbeere, Rote Traube, Litschi, Mango und Zitrone. Wir erweitern das Sortiment stetig“, teilt ein Kaufland-Sprecher mit. Nun seien alle Sorten dauerhaft bei Kaufland bundesweit im Sortiment.

Die Verfügbarkeit hänge aber von der Nachfrage vor Ort ab. Die fruchtähnliche Textur entsteht laut Hersteller Icewind in einem mehrstufigen Herstellungsprozess. Das Airbrush-Verfahren sorge für die charakteristische Optik, die an gefrorene Früchte erinnern soll. Zu der umfangreichen Zutatenliste und der aufwendigen Kunststoffverpackung haben sich auf Anfrage von Lebensmittel Praxis weder Kaufland noch Icewind geäußert.

Interview „Wir adaptieren unser Plombir-Eis“
Andre Kowalew

Wie entwickeln sich Plombir-Multipackungen?

Multipackungen sind und bleiben unsere Basis. Wir wollen jedoch mit anderen Gebinden neue Wege gehen: Family-Packungen neu gedacht. Wir bringen Plombir-Eis im 1.800-Milliliter-Schlauch auch bei Vollsortimentern in die Regale. Verbraucher können die gewünschte Eisportion einfach abschneiden. Und wer nur ein kleines Tiefkühlfach hat, blockiert den Platz nicht durch halb leere Familienpackungen.

Welche Innovationen planen Sie?

Wir erweitern das Sortiment um Bites – auch für Kinder. Zusätzlich umhüllen wir unsere schokolierten Tiefkühlfrüchte zunächst mit einer Plombir-Eisschicht und dann mit einer weiteren Schokoladenglasur. Das Produkt kommt Anfang April in den Handel.

Sie haben bestimmt weitere Neuheiten im Köcher.

Wir werden Plombir auch gefrier­trocknen und im Standbodenbeutel in das Süßwarenregal bringen. Es zergeht im Mund und schmeckt wie der Plombir-Klassiker. Diese Plombir-Variante ist für Märkte mit kleiner Tiefkühlfläche interessant. Und wir werden ab dem Frühjahr auch Eis in Fruchtformen anbieten, beispielsweise in Form einer Mango. Allerdings als Eiscreme, nicht als Frozen Dessert.

Kooperieren Sie mit Influencern?

Nein, viele Produkte, die Influencer promoten, verschwinden häufig nach kurzer Zeit wieder vom Markt. Wir wollen mit unseren Produkten dauerhaft im Sortiment sein.