Herr Leipold, Sie haben seit 2015 alle zwei Jahre Konsumenten befragt zu ihren Einkaufs- und Verwendungsgewohnheiten beim Selbstbacken. Mit Blick auf die jüngste Umfrage im Oktober 2025: Was sind für Sie die überraschendsten, gravierendsten und spannendsten Erkenntnisse?
Die Backintensität hat zugenommen. 54 Prozent der Befragten gaben an, 2025 häufiger zu backen als in den Vorjahren. 2017 haben noch 29 Prozent einmal die Woche gebacken, 2025 backten bereits 36 Prozent mindestens einmal pro Woche.
Welche Trends können Sie daraus ablesen?
Generell wird mehr zu Feiertagen wie Ostern, Weihnachten oder Pfingsten gebacken. „Einfach so für die Familie“ ist im Zeitvergleich allerdings der häufigste Anlass. Dabei gewinnen sogenannte „fun factors“ an Bedeutung: Backen zur Entspannung, Einbringen von Kreativität und die Einbeziehung der Kinder werden deutlich wichtiger neben den rein gustatorischen Basis-Faktoren. Für 43,9 Prozent ist das Einbringen beziehungsweise das Ausleben der eigenen Kreativität sehr wichtig.
Können Sie Beispiele nennen?
Allgemein wird immer mehr Unterschiedliches gebacken – die Backvielfalt nimmt im Zeitvergleich deutlich zu. Bisherige Nischen holen deutlich auf, das Backwerk ist bunter und vielfältiger geworden. Damit meine ich zum Beispiel Cake Pops, einen Lolli mit kleiner Kuchenteigkugel an der Spitze, Cupcakes oder Cronuts. Deutlich ist die positive Entwicklung aber vor allem bei Brot: Backten 2013 etwa 38 Prozent einmal die Woche Brot, stieg die Zahl im vergangenen Jahr auf 53 Prozent. Mehr als jeder zweite „Brotbäcker“ backt also mindestens einmal pro Woche Brot selbst.
Was kann der Händler aus Ihrer Umfrage lernen?
Für Händler gilt, das Backsortiment so breit und aktuell wie möglich zu halten. Zu den Höhepunkten wie Feiertagen eine „Backwelt für den Shopper“ zu schaffen. Das gilt besonders bei den Dekoren, denn Deko gewinnt beim Backen weiter deutlich an Bedeutung.
Und die Hersteller?
Für den Hersteller gilt, dass Shopper auch zunehmend außerhalb des klassischen Lebensmitteleinzelhandels Backzutaten kaufen. So haben die Drogeriemärkte von 9 Prozent Marktanteil im Jahr 2015 auf 23 Prozent 2025 beim Einkauf zu gelegt. Online kaufen aktuell 26 Prozent aller Backzutatenkäufer. 2015 waren dies noch 12 Prozent. Gleichzeitig gilt beim Thema Backen wie bei fast allen Food-Warengruppen: Die unterschiedlichen Ernährungstrends beeinflussen das Einkaufsverhalten bei Backzutaten.
Wie beurteilen die Kunden das Angebot im Lebensmitteleinzelhandel?
Die Befragten, die Probleme beim Einkauf mit Backzutaten haben, bemängeln, dass sich nicht alle Backzutaten an einem Platz im Geschäft befinden, sondern diese zusammengesucht werden müssen. Preisliche Parameter beim Thema Backen, die bereits 2023 Steigerungen gezeigt hatten, haben aktuell nochmals an Aufmerksamkeitswirkung hinzugewonnen. Coupons, Vorteilspacks, Sonderpreise haben beim Thema Backen die höchste Aufmerksamkeitswirkung.
Wie informieren sich die Kunden im Vorfeld des Einkaufs?
Um nach den Angeboten in den Handelsunternehmen zu schauen, greifen 15 Prozent ganz klassisch zum gedruckten Prospekt oder zur Zeitung, 35 Prozent nutzen sowohl Offline- als auch Online-Angebote. 44 Prozent der Befragten nutzen Handels-Apps oder Prospektportale.
